BÜCHERBÖRSE

So feierte das Waves Vienna seinen 5. Geburtstag

Ebony Bones live am Waves Vienna 2015 © Petra Püngüntzky
Ebony Bones live am Waves Vienna 2015

Das Waves Vienna 2015 ist Geschichte. Von 30. September bis 4. Oktober lud die fünfte Ausgabe des Showcase-Festivals mit mehr als 140 Acts aus 30 Ländern in die Wiener Innenstadt ein. Vier intensive Tage mit mal mehr und mal weniger spannenden Konzerten und Neuentdeckungen liegen hinter mir. Höchste Zeit, das Erlebte Revue passieren zu lassen!

Tag 0: Große Geburtstagssause in der Alten Post

Um das erste kleine Jubiläum gebührend zu feiern, stieg am 30. September zur Eröffnung des diesjährigen Waves Vienna eine Geburtstagssause in der Alten Post. Erst vor Ort wurde das große Geheimnis um die Live-Acts gelüftet: Kids N Cats und Fijuka gaben sich ein Stelldichein. Während Erstere viele der Anwesenden mit ihrer skurril schlechten Performance in die Flucht jagten, lieferten Zweitere ein sehr willkommenes Kontrastprogramm. Die Zugaberufe wollten bei dem Duo gar kein Ende mehr nehmen – zu Recht!

Fijuka am Waves Vienna 2015 © Petra Püngüntzky

Tag 1: Geht's zur Abwechslung auch mal pünktlich?

So bunt durchmischt das Line-Up auch war, eine Sache zog sich besonders am ersten Tag wie ein roter Faden durch alle Konzerte: Verspätungen von bis zu 30 Minuten. Bei einem Showcase-Festival, bei dem sich das Set ohnehin auf 30 bis 45 Minuten pro Act beschränkt und die Locations (gefühlt) Welten auseinander liegen, ist der eigene Zeitplan straff und lässt wenig Spielraum. Durch einen unpünktlichen Beginn zahlen im Endeffekt bloß die KünstlerInnen selbst drauf – und nerven tut's natürlich auch.

Mein Festivaltag begann mit zwei großartigen heimischen Bands, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Granada, das neue Projekt von Thomas Petritsch alias EFFI, feierte an diesem Abend Premiere und fand im Jazzclub Porgy & Bess regen Anklang. Ein paar hundert Meter weiter spielten Ant Antic in der Alten Post trotz Erkältung des Sängers ein solides, sehr gelungenes Set, das einen Bogen zwischen Ambient und Electronic spannte.

Ant Antic am Waves Vienna © Petra Püngüntzky

Während anschließend viele zurück ins Porgy & Bess schlenderten, um RDGLDGRN ("Red Gold Green") und Oddissee zu sehen, machte ich mich auf den langen (Fuß-)Weg zu ROBB in den ehemaligen Ost Klub. Die lange Wartezeit, die es dort zu überbrücken galt, trübte die Stimmung von Anfang an ein wenig, bis nach einigen Songs auch schon meine Müdigkeit siegte und mich Richtung heimwärts zog.

Tag 2: Nein, Zelte sind keine Konzertvenue!

Auch der zweite Abend begann für mich im Porgy & Bess, wo Jamie Lawson ein Akustik-Set zum Besten gab. Klassischer Singer-Songwriter-Kram eben, in Erinnerung wird er mir hauptsächlich aufgrund seines guten Humors bleiben. Gejammt wurde direkt im Anschluss beim Deutsch-Dänen Jesper Munk, der mit seiner bluesigen Stimme viele schmachtende Mädchen in die ersten Reihen lockte.

Als Nächstes ging es ab zum "Haymarket", der sich als lieblos aufgestelltes Plastikzelt beim Wiener Eislaufverein herausstellte. Alleine bei diesem Anblick hätte ich am liebsten gleich kehrt gemacht. Davon abgehalten haben mich allerdings Sizarr, die dort gerade ihren Auftritt bestritten. Das taten sie anfangs auch – vom miesen Sound mal abgesehen – auf beeindruckende Art und Weise, bis der ohnehin kränkelnde Frontmann verkünden musste, dass sie ihr Set aufgrund des Lärms abbrechen müssen. Wer hätte auch gedacht, dass ein (Party-) Zelt direkt beim Hotel InterContinental Probleme bereiten könnte? Richtig, jeder – abgesehen von den Veranstaltern. Bevor die miese Laune überhand nehmen konnte, begab ich mich zu Sekuoia an den Donaukanal. Bereits im Januar war die Band im Rahmen des Spot On Denmark in Wien zu Gast und sorgte für Abrisstimmung! Auch ihr Auftritt im Rahmen des Waves Vienna stand dem in nichts nach. Schade nur, dass das Badeschiff als Location etwas abgelegen wirkte, spielte sich ansonsten immerhin alles im 1. Wiener Gemeindebezirk ab.

Austra in der Alten Post oder doch lieber HONNE im Porgy & Bess? Meine Entscheidung fiel auf Letztere, da das Elektro-Soul-Duo bei meinen Recherchen im Vorfeld einen sehr vielversprechenden Eindruck hinterließ. Und tatsächlich: HONNE brachten das Publikum in sehr ausgelassene Stimmung. Meinen (zugegeben hohen) Erwartungen konnten sie mit diesem aalglatten Auftritt aber nicht ganz gerecht werden.

HONNE am Waves Vienna © Petra Püngüntzky

Wer bis dahin noch nicht genug hatte, konnte seinen Abend mit einem DJ-Set von Mike Skinner ausklingen lassen. Verpasst hat man dabei allerdings nichts.

Tag 3: Lassen wir uns überraschen!

Der dritte und letzte Festivaltag musste gegen starke Konkurrenz ankämpfen. Zum einen fanden sich am Heldenplatz über 100.000 Menschen beim Voices For Refugees zusammen, um Solidarität für Flüchtlinge zu zeigen, zum anderen bot die Lange Nacht der Museen ein Alternativprogramm. Auf den ersten Blick sprach auch mich das Line-Up des Finaltages überhaupt nicht an – und so ließ ich mich eher durch Zufall von Venue zu Venue treiben. Umso überraschender war es dann, dass ausgerechnet dieser Abend ein musikalisches Highlight nach dem anderen für mich bereit hielt.

Lake Malawi am Red Bull Brandwagen standen zuallererst auf dem Programm. Direkt neben dem hingerotzten Haymarket-Zelt hatte die Freiluftbühne durch die Heurigenbänke im Zuschauerbereich starken Zeltfest-Charakter. Davon einmal abgesehen machte es sehr viel Spaß, den Tschechen bei ihrem Auftritt zuzusehen. Sie bestritten ihr Set mit viel Witz und Charme und konnten mit meiner Begleitung und mir zwei Fans dazu gewinnen.

Etwas ruhiger ging es mit Siv Jakobsen im KiP (Kultur im Prückl) weiter. Andächtig lauschten die zahlreichen Anwesenden der Engelsstimme der Singer-Songwriterin. In diesen stillen Momenten traute man sich gar nicht zu atmen. Eine schöne Abwechslung vom restlichen Konzerttrubel. Ganz anders bei Quiet Company in der Alten Post: Bei ihnen war der Name keineswegs Programm. Sie brachten mit ihren eingängigen Rocknummern die Venue zum Beben und erinnerten dabei nicht selten an Biffy Clyro.

Ebony Bones sorgte im Porgy & Bess für das grande Finale. Und wie groß das war! Zuerst in einem regenbogenfarbenen Kleid, dann in einem weißen Kostüm fegte die Sängerin über die Bühne und steckte mit ihrer Energie das gesamte Publikum an. Der mit Abstand beste Auftritt des gesamten Festivals!

Trotz einiger Kritikpunkte hinsichtlich der Venue-Auswahl und der Verspätungen (Vielleicht lag es auch am vollgestopften Timetable?) war das Waves Vienna wieder ein voller Erfolg; die Qualität der einzelnen Acts konnte sich wahrlich sehen lassen. Also liebes Waves, man sieht sich 2016!

 Bilder: © Petra Püngüntzky

Petra Püngüntzky

Chefin vom Dienst | Content Managerin
Ressortleiterin Musik & Events
Redakteurin | Fotografin

petra.puenguentzky (ät) unimag.at

 

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