BÜCHERBÖRSE

Nachbericht: Epic Rap Battles of History in Wien

Nachbericht: Epic Rap Battles of History in Wien (c) Epic Rap Battles of History

Bleibt es viral oder ist es egal, das ist hier die Frage! Internet-Stars funktionieren oftmals nur online. Wie soll man das putzige Katzenvideo auch in echt erlebbar machen? Wie soll der lustige Barack Obama-Remix im richtigen Leben funktionieren? Eher gar nicht. Das ist den US-Amerikanern Lloyd Ahlquist und Peter Shukoff alias Epic Lloyd und Nice Peter herzlich gleichgültig und so touren sie munter mit ihrem YouTube Format Epic Rap Battles of History über die Bühnen der Vereinigten Staaten und nun auch Europa. Am Montag machten sie dem Wiener B72 ihre Aufwartung.

Der YouTube Channel "ERB" verbucht schlanke 12,6 Millionen Follower und die dort beheimatete Sendung Epic Rap Battles of History erfreut sich enorm großer Beliebtheit. In den wenige Minuten langen Musikvideos treten verschiedene reale und fiktive Persönlichkeiten der Geschichte (verkörpert durch Lloyd, Peter und Gäste) in Rap-Battles gegeneinander an und hauen sich per verbalem Sprechgesang gegenseitig ihre Unzulänglichkeiten um die Ohren. Den Reiz bezieht die Web-Serie aus den fantasievollen Paarungen der Kontrahenten: Adolf Hitler gegen Darth Vader, Sherlock Holmes gegen Batman oder Hannibal Lecter gegen Jack the Ripper – das liest sich wie das Who is Who der menschlichen (Kultur-) Geschichte.

Im Netz ein Hit - Live auch

Überraschenderweise zündete das pointierte Hip Hop Format auch live auf der Bühne. Oftmals wurden die aufwendigen Kostümierungen der Figuren zwar lediglich durch Perücken oder einzelne Kleidungsstücke angedeutet, aber der Effekt war erstaunlich. Ein Stück Taschentuch auf das kahle Haupt getaped – fertig ist der Mikhail Gorbachev.

Natürlich kamen beim österreichischen Publikum Duelle wie Skrillex gegen Mozart sehr gut an. Aber spätestens als die beiden Protagonisten die Bühne Richtung Zuschauerraum verließen, um dort RoboCop gegen Arnold Schwarzeneggers Terminator zu inszenieren – da gehörte ihnen das B72 zeitweise.

Dass sie nicht nur Einstudiertes zum Besten geben können bewiesen Lloyd und Peter beim Freestyle-Battle der "all Austrian" gestaltet wurde. So wurde zwar der vom Publikum vorgeschlagene Falco schnell als Charakter abgelehnt, weil zu unbekannt, aber stattdessen kam es zum versöhnlichen Wiener Derby: Nice Peter als Christoph Waltz gegen Sigmund Freud alias Epic Lloyd. Ich kann mich an kaum eine einzelne der Rap-Lines erinnern, aber ich habe wohl öfters anerkennend OOOOOOH gerufen als die Clubbesucher in Eminens "8 Mile".

Die kurze Dauer ihrer Web-Videos machen sich die beiden Amerikaner zu Nutze und so wurden im Laufe des Abends oftmals mehrere Battles konsekutiv abgehandelt. Dabei gab es fast die komplette YouTube Playlist von ERB zu hören. So wurde der Adam aus Adam gegen Eva schnell zu Chuck Norris und legte sich mit Abraham Lincoln an.

Zur musikalischen Abwechslung (und damit man Zeit zum Kostümwechsel hatte) griffen Lloyd und Peter auf Unterstützung aus dem Publikum zurück. Die freiwilligen Amateur-Rapper erwiesen sich dabei als extrem textsicher und als es recht früh zum Duell zwischen Miley Cyrus (Nice Peter) und Jeanne D'Arc (Wiener Madl) kam, musste sich Erstgenannter demütig der geballten Stimmstärke seiner Kontrahentin beugen. Das beweist: "Was die auf YouTube machen, könnte ich ja auch!" – Ja, aber du machst es nicht.

Andreas Müllauer

Redakteur seit 2013

studiert  Theater-, Film- und Medienwissenschaften

liebt Filme, Hunde & macht "irgendwas mit Medien"

Mail an Andreas.Muellauer(ät)unimag.at

 

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