BÜCHERBÖRSE

At Pavillon tanzen Disco

At Pavillon tanzen Disco Verena Prinz

Passend zur kalten Jahreszeit heizen At Pavillon mit ihrer neuen EP "Disco Demolition Night", die am 23.10.2015 erschienen ist, gehörig ein. Bei der EP Release Show am kommenden Dienstag in der Fluc Wanne kann man sich selbst davon überzeugen.

Die 2010 gegründete, nun neu besetzte, 4-köpfige Band rund um Mwita Mataro (Gesang, Gitarre), Bernhard Melchart (Gitarre, Backing Vocal), Tobias Kobl (Bass, Backing Vocal) und Paul Majdzadeh Ameli (Schlagzeug, Backing Vocal) produzieren tanzbare Beats aka Indie Pop, wie sie selbst sagen. Seit ihrer letzten EP Veröffentlichung von "We are Lions", wird deutlich hörbar, dass die heimischen Wiener Musiker gereift sind. UNIMAG hat sich mit ihnen für ein Interview getroffen.

UNIMAG: Wie seid ihr auf den Titel eurer neuen EP "Disco Demolition Night" gekommen?

Bernhard: Wir haben am Anfang einen Song geschrieben, in dem es um Transsexualität ging und der den Arbeitstitel "Gender Bender" trug. Mit dem Lied kam aber auch eine Schreibblockade, weil wir nicht wussten, wie es textlich und melodisch weitergehen sollte. Mwita ist dann zufällig auf Nile Rodgers gestoßen, der für Madonna und ganz, ganz viele andere bedeutende Künstler produziert hat. Auch bei den neuen Sachen von Daft Punk hatte er seine Finger im Spiel. Mwita ist auf den Begriff "Disco Demolition Night" in einigen seiner Interviews aufmerksam geworden, in denen er es immer wieder erwähnt hat, weil das eine Veranstaltung von einem Radio-Moderator war, der wollte, dass alle Disco-Platten zerstört werden. Bei einem Baseballstadium haben sich damals ganz viele Rocker getroffen und einfach Platten von der Discoszene zerstört, weil sie nicht wollten, dass Disco gehört wird. Damals wurde das halt nur von Minderheiten gehört – also von Latein-Amerikanern, Homosexuellen, Mexikanern... Das wollten sie einfach nicht. So sind wir also auf "Disco Demolition Night" gekommen.

Also kann man sagen, dass es in der Botschaft, die ihr schon seit Beginn vermitteln wollt, darum geht, Vorurteile abzubauen und Transparenz zu schaffen?

Bernhard: Ja genau, definitiv. Auch bei "Lions" haben wir schon bemerkt, dass wir Rassismus einfach entgegentreten wollen.
Paul: Was wir den Leuten mit unserer Musik mitgeben können, ist: Seid einfach so, wie ihr seid, und scheißt's voll drauf, was andere Leut' von euch halten!

Ihr sagt von euch selbst, dass die Inspiration für die neue EP von Filmklassikern aus den 70ern und 80ern entstammt. Welche Filme inspirieren euch in dem Kontext?

Bernhard: "Saturday Night Fever" zum Beispiel. Wir haben einen bestimmten Sound gesucht und damals war Disco ja gerade das Ding. Wir waren begeistert, wie sich John Travolta so bewegt und waren einfach total in diesem Feeling drin.

Wollt ihr den Stil jetzt erst einmal beibehalten oder war das bloß die erste Inspiration?

Bernhard: Da sind wir gerade am Überlegen, weil wir es alle ziemlich geil finden. Wir haben den Funk für uns gefunden, aber wir sind, glaube ich, keine Band, die sich so sehr auf eine Sache versteift. Also wir probieren gerne viel aus. Wir machen manchmal auch ruhige Sachen und schauen dann, dass wir aus den ruhigen Nummern etwas Funkiges produzieren. 

Und welche Genres, Künstler, Bands inspirieren euch?

Bernhard: Zur Zeit sind wir wahnsinnig große Foals-Fans. Wir hören das neue Album rauf und runter und auch die Arctic Monkeys find ich ziemlich geil. Foals sind gerade aber so mächtig für uns – wahrscheinlich auch, weil Mwita so ein wahnsinnig großer Foals-Fan ist und wir uns von ihnen beim Songwriting sehr inspirieren lassen. Es könnte also sein, dass die neuen Sachen ein bisschen Foals-lastiger werden.

Die Songs schreibt ihr also gemeinsam? Fließt von jedem von euch was in die Songs mit ein?

Bernhard: Normalerweise ist es so, dass entweder Mwita oder ich mit meiner Loop-Station die Ideen für die Songs bringen. Die ganze Band schreibt aber dann den Song. Wir schauen, dass der Prozess ziemlich kollektiv erfolgt, dass sich niemand ausgegrenzt fühlt und demokratisch entschieden wird.

Was hat sich mit der neuen EP verändert?

Mwita: Wir schreiben jetzt viel konkreter.
Bernha: ... genau, mit einem Konzept dahinter. Wir haben uns darauf geeinigt, dieses Disco-Element einzubauen und damit sind wir ans Songwriting herangegangen. 
Mwita: Gerade früher war es sehr intuitiv und ohne Plan. Da haben wir bloß drauf los geschrieben. Bei der EP war es explizit so, dass wir diesen Sound bei "Disco Demolition Night" gefunden haben und uns daran orientieren wollten. So sind die anderen Lieder entstanden – wie "Face It", "Cindy" und "Hidden Key", wobei "Hidden Key" ein altes Lied war, das wir umgeschrieben haben, sodass es ein bisschen mehr zum Disco-Element passt.

Eure Songs haben Ohrwurmcharakter. Was sagt ihr selbst dazu?

Paul: Danke! (lacht) Wir sehen das als Kompliment. Uns ist es schon wichtig, dass die Musik tanzbar ist und man das gleichzeitig mit Messages verbinden kann, die uns wichtig sind. Insofern geht der Plan anscheinend auf, wenn die Songs Ohrwurmcharakter haben. Dieses tanzbare Element ist uns eigentlich am wichtigsten.
Mwita: Früher war es immer so, dass wir live unser Können unter Beweis stellen wollten und gleich vier Songs in einen verpackt haben, was etwas schwierig für den Zuhörer gewesen sein muss. Wir wollen eigentlich Pop-Musik machen, die auch Leute hören, die nicht so Lust auf komplizierte Musik haben.

Gibt es Rituale, die ihr vor einem Konzert durchführt? 

(Alle lachen)

Bernhard: Ja, wir haben ein eigenes Sprüchlein, das wir uns immer aufsagen. Da stehen wir im Kreis, umarmen uns und dann kommt dieser eine Spruch, der uns Kraft gibt. Für uns ist jedes Konzert vom Gefühl her das letzte Konzert und da wird ordentlich Gas gegeben.

Und wie lautet der besagte Satz?

Paul: Das bleibt geheim. Das ist sehr intim.
Bernhard: Wir sprechen da auch Leute an, die uns inspirieren, und das soll unter uns bleiben (lacht).

Ihr seid schonmal für Bombay Bicycle Club als Vorband auf der Bühne gestanden. Gibt es eine Band, die ihr unbedingt mal supporten möchtet?

Bernhard: Foals zu supporten wär schon richtig geil!
Paul: Das wäre unser Traum.
Mwita: Für mich wär noch ein Traum, Phoenix zu supporten. 

Ihr habt in anderen Interviews über die etwaige Option ein Album aufzunehmen gesprochen. Gibt es mittlerweile schon konkrete Pläne?

Bernhard: Konkret gibt es noch nichts. Wir sind gerade noch in Verhandlungen, ob wir Zuschüsse bekommen. Wir werden wahrscheinlich, aber auch das ist noch nicht sicher, noch einmal eine EP machen, bevor wir ein Album herausbringen. Wir wollen ganz sicher wissen, was und wohin wir wollen.

Aber weiß man immer genau, was man wirklich will?

Mwita: Es ist auch genremäßig sehr interessant bei uns, weil wir sehr eklektisch arbeiten. Paul ist eher der Rocker, ich schreib eher ruhige Lieder und Berni ist, denk ich, eher Pop-mäßig unterwegs. Beim Album wäre uns wichtig, dass es so kohärent wird wie die EP. Wie gesagt, das braucht noch Zeit.

Und nun mal eine andere Frage: Wie ist euer Dresscode auf der Bühne mit den Blumenhemden und Röhrenjeans entstanden?

Bernhard: Es ist halt unser Superhelden-Kostüm ...
Paul: ... und jetzt geht's gar nicht mehr ohne.
Bernhard: Wir haben gestern erst besprochen, dass wir ohne unsere Hemden und Skinny Jeans gar nicht mehr als At Pavillon auf die Bühne gehen könnten ... so vom Gefühl her.

Habt ihr irgendwelche Wünsche oder Ziele für die Zukunft?

Mwita: Ja, internationl zu spielen. Das wär mein Traum ... und dass die Leute automatisch zu den Konzerten kommen.
Paul, Bernhard: Genau!

Abschließend noch: Welche Tipps habt ihr denn für die UNIMAG-Leser und das aktuelle Wintersemester?

Bernhard: Nicht zu viel Party, nur ausgewählte, und eher tanzbare Songs, um warm zu bleiben (lacht).
Paul: Mit mir in die Germanistik-Bibliothek gehen – ich fühl mich immer so alleine (lacht).

At Pavillon im Interview © Verena Prinz

Für alle, die nun auf den musikalischen Disco-Geschmack gekommen sind, haben wir eine tolle Nachricht: Am Dienstag, 27.10.2015, rocken die Jungs im Zuge ihrer Vinyl Release Show die Fluc Wanne (Beginn: 20 Uhr. VVK: 8 €/ AK: 10 €).

In diesem Sinne: Tanzschuhe bereitstellen und ab in die Fluc Wanne!

EP-Tracklist "Disco Demolition Night"

1. Hidden Key
2. Face It
3. Disco Demolition Night
4. Cindy
5. Disco Demolition Night (Radio Edit)

Verena Prinz

Music Journalist, Concert Photographer, Creative Head, World Traveler 

Webseite: https://www.instagram.com/verenatheresap/
 

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