BÜCHERBÖRSE

Marilyn Manson live in Wien: Und er kann’s noch immer

Der Antichrist Superstar live im Gasometer Wien © Lindsay Usich
Der Antichrist Superstar live im Gasometer Wien

Ein gutes Jahr verging und Marilyn Manson stand schon wieder in Wien auf der Bühne. Diesmal performte er am – wie sollte es auch anders sein – Freitag, den 13. (November) 2015. Im Zuge seiner "The Hell Not Hallelujah Tour" machte er bei uns Halt und spielte im restlos ausverkauften Gasometer in Wien.

Vorband waren New Years Day aus Kalifornien. Der Mix aus Hardcore, Death-Metal und Gothic-Rock kam bei den vorwiegend schwarz gekleideten Mansonfans gut an.

Mit einer kurzen Verspätung ging es dann mit dem Hauptact los. Nach einem ersten Intro mit den bezeichnenden Worten "Satan is real" und einem zweiten Hip-Hop (?) Intro ging die Show dann los. Mister Manson betrat unter tobendem Applaus, Rauch, Nebel und einer zugegebenermaßen ziemlich geilen Lichtershow die Bühne.

Opener des Abends war die Nummer "Deep Six" des aktuellen Albums "The Pale Emperor", das am 16. Januar 2015 veröffentlicht wurde. Weiter ging es mit neuen, aber auch alten und sehr alten Songs von früheren Alben – wie etwa "Tourniquet" oder "Angel With The Scabbed Wings" vom Longplayer "Antichrist Superstar" aus dem Jahr 1996. Das obligatorische "You are the best fucking crowd in the world" kam am Anfang des Konzert über die Lippen des Sängers und ließ die treuen Fanherzen natürlich höher schlagen. Nicht nur die Setlist war an dem Abend sehr durchwachsen, auch die Bühnenshow war abwechslungsreich (durchinszeniert). Beim Song und Klassiker "Sweet Dreams (Are Made Of These)" kam der gute Mann mit Stelzen auf die Bühne. Und beim Kracher "Antichrist Superstar" sang er von seinem Diktator-Rednerpult aus mit brennender Bibel in der Hand.

Generell war zu sehen, dass Marilyn Manson nach etlichen miserablen und halbmotivierten Auftritten an diesem Abend in Wien ziemlich gut in Fahrt kam. Stimmlich war alles mehr oder weniger top, die Akustik passte und die gesamte Show war mit riesigen Rauchsäulen und stimmungsvollem Lichtwechsel sehr packend. Die Tatsache, dass der Rockstar zwischen ein paar Songs kurz die Bühne verlassen hat oder verlassen musste, gehört bei einer Show von Manson mittlerweile ja auch schon irgendwie dazu. Der Abend endete schlussendlich mit dem schönen und ruhigen Song "Coma White", bei dem der Sänger an einem mit Blumen geschmückten Mikrofonständer stand und Konfetti auf ihn herab regnete.

Gute 90 Minuten dauerte die Show und dann war der nicht-ganz-so-schockrockige Spuk auch wieder vorbei. Denn wo früher noch Provokation auf der Bühne zu sehen war, ist bei den heutigen Shows davon nicht mehr viel übrig. Der gute Mann ist aber auch schon 46. Und seine Bühnenjahre sind auch nicht spurlos an ihm vorbeigegangen. Es sei ihm verziehen.

Michael Haller

Musikredakteur

michael.haller@unimag.at

Instagram: michaelhllr

bei UNIMAG seit Oktober 2013

 

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