BÜCHERBÖRSE

Ciaran Lavery – Not Nearly Dark

Ciaran Lavery – Not Nearly Dark © Peripherique/Z|ART

Einfach mal draufgehauen – so beginnt das Album "Not Nearly Dark" des irischen Singer/Songwriters Ciaran Lavery, das in den deutschsprachigen Gefilden neu erschienen ist. Danach entfaltet sich mit "Little More Time" gleich ein sehr starker Song, der mit seinen Bläsern an eine Mischung aus William Fitzsimmons, Sufjan Stevens und Neutral Milk Hotel erinnert. Seine Eigenständigkeit bewahrt sich Lavery aber durchaus, denn er versteht es, die Songs mit seiner manchmal leicht kratzigen Stimme in melodisch einfallsreiche Bahnen zu lenken. Meist bleibt es nicht nur bei der Gitarre, im Hintergrund erheben sich mit der Zeit verschiedene Instrumente bzw. eine Band, die der Angelegenheit noch ein wenig mehr Dampf verleiht, ohne dabei aufdringlich oder wild zu wirken. Im zweiten Song "Lovers Who Make Love" gelangen sogar seltsame Geräusche mit ins Boot, die aber irgendwie trotzdem passen. Gegen Ende wandelt sich das Lied sogar zum Duett. "Shame" wiederum kommt bekannt vor, obwohl man es noch nie gehört hat, da es eine unbestimmte Vertrautheit ausstrahlt. Man fühlt sich direkt wohl im musikalischen Spektrum des bislang recht unbekannten Iren. Dieser hat in seinem Werdegang davon profitiert, dass seine Songs irgendwem auf Spotify gefallen haben und er so in diverse Playlists gerutscht ist – er hat es auf stattliche 17 Millionen Plays gebracht. Für einen Menschen, von dem die meisten noch nie gehört haben, durchaus eine dicke Hausnummer.

Für die anstehende, dunkle Jahreszeit und dem damit einkehrenden Winter ist Ciaran Lavery sicherlich zu empfehlen für Menschen, die es besonders ruhig angehen lassen wollen. Zum wilden Schneetreiben drinnen sitzen mit einer heißen Schokolade, einem Buch der persönlichen Wahl oder den eigenen Gedanken bahnt sich Laverys ruhiger Ton seinen Weg ins Herz und lässt den Hörer glücklich zurück.

"American" erinnert stark an das Ende des Nada-Surf-Songs "The Fox", das bekanntlich in einem lustigen Blasmusikkapellenverschnitt endet. Hier sind diese Akzente jedoch bedachter und ruhiger eingebracht, sodass sie sich in die Struktur des Songs einfügen und nicht eine lustig wirkende Atmosphäre erzeugen, wie es bei Matthew Caws und Co. der Fall ist. Im folgenden "Awful Love" haben sogar gedämpfte Lokomotivgeräusche und Erinnerungen an Möwen Platz, tatsächlich findet man bei genauerem Hinhören auch noch viele weitere Geräusche, die sich im Song verstecken. Dies weckt die Sehnsucht, an nordische Küsten zurückzukehren, auf Dünen zwischen Strandhafer sitzend dem Rauschen der Wellen zu lauschen und mit sich und der Welt einfach zufrieden zu sein. Das atmosphärische Ende des Liedes lässt dieses Gefühl noch stärker werden. Fast fließend geht es über in "Turning To Rust". Die leise Gitarre und das gehauchte Echo seiner Stimme kommen King Creosotes musikalischem Schaffen sehr nah. "It's a sad, sad song", damit hat Ciaran Lavery wohl den Nagel auf den Kopf getroffen. Auch hier zeigt sich wieder sein glücklicher Hang zu Bläsern, die wirklich nur dezent auftreten, aber dem Song eine entscheidende Note geben. Ein wenig flotter wird der Schluss des Albums, auch wenn es hier wieder sehr ruhig zugeht. "Following You Down" ist nicht laut, nur die Taktzahl erhöht sich ein wenig. Aber das ist vielleicht auch ganz gut, um die sich eingestellte, gedankenversunkene Lethargie des Hörers wenigstens dezent zu lösen.

Fazit: Ciaran Lavery hat mit "Not Nearly Dark" ein Werk vorgelegt, das sein Talent und seinen weiteren Weg mehr als umschmeichelt und den Hörer glücklich macht, da er beim Kauf des Albums nichts falsch machen kann. Die insgesamt zehn Songs (inkl. Hidden Track) eignen sich für die kalte Jahreszeit hervorragend und werden so ein treuer Begleiter, bis der Frühling seine Visitenkarte in den Briefkasten wirft.

CIARAN LAVERY – "NOT NEARLY DARK"
UNIMAG-Rating:4 von 5 Punkten
Genre: Folk, Singer/Songwriter
10 Titel, Spielzeit: 35:07
Label: Z|ART, Peripherique Music
VÖ: 14.11.2015

Album-Tracklist

1. Little More Time
2. Lovers Who Make Love
3. Shame
4. Three.Four
5. American
6. Awful Love
7. Rest
8. Turning To Rust
9. Following You Down
10. Hidden Track

Jan Wälder


studiert eigentlich Publizistik- und Kommunikationswissenschaften, belegt aber gerne auch den ein oder anderen Skandinavistik-Kurs.

 

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