BÜCHERBÖRSE

The Cure in Wien

Nicht mehr 20, aber who cares? © Andy Vella
Nicht mehr 20, aber who cares?

Manchmal wünscht man sich, in einem anderen, vergangenen Jahrzehnt geboren zu sein. Zum Beispiel 1960 ist ein gutes Jahr, um geboren worden zu sein – vorzugsweise in England, Nähe Crawley. Man wird also in den Swinging Sixties groß und größer und irgendwann ist dann endlich 1979 und man wird Fan der ersten Stunde von einer der bedeutendsten Bands, die existieren. Ok, vielleicht ist das ein wenig pathetisch, aber hier sitzt nun mal ein Fan-Girl an der Tastatur.

Um jetzt nicht weiter auf die Folter zu spannen: Es geht um The Cure, Mitbegründer des Post Punk, Herrscher über ewige Melancholie und Könige der Romantik. Wer eine Zeitmaschine bei Hand hat, kann sich gern bei dem hier schreibenden Fan-Girl melden, aber dringend ist es nicht, denn die Götter der düsteren Soundkulissen kommen nach Wien. Ja, ihr habt richtig gelesen: Am 26. Oktober beehren sie Wien in der Marx Halle. 

"Warum soll ich jetzt in Ekstase verfallen, nur weil fünf alte Knacker in Schwarz eine riesige Konzerthalle bespielen werden?", fragen sich vielleicht diejenigen unter euch, denen The Cure vielleicht nicht so viel sagt. Nicht in Ohnmacht fallen, liebe Fans, da könnt ein Fünkchen Wahrheit dran sein, denn wenn wir ehrlich sind, währen Stimmen nicht ewig und Frontmann Robert Smith klingt nicht mehr wie 20.

Und dass die Halle rappelvoll sein wird ist wohl auch klar. Trotzdem kann ich den Ungläubigen nur ausrichten, dass sie sich mal allein in ihr Zimmer einsperren sollen und "Disintegration" auf voller Lautstärke anhören sollen. Dann werden sie schon verstehen.

Als ich The Cure das erste – und einzige Mal – live gesehen habe, stand ich mindestens fünf Stunden bei der größten Frequency-Bühne an. Die Hardcore-Fans (zu denen ich mich aus finanziellen Gründen anscheinend nicht zählen darf) standen schon drei Stunden länger dort als ich und erzählten im beiläufigen Tonfall, dass sie der Band nachreisen würden. Während den fünf Stunden würde ich von einer bekifften Italienerin ein wenig angepinkelt, von der Hüfte eines etwas älteren Fan-Girls malträtiert und schließlich hatte ich die schlimmsten Fußschmerzen meines Lebens. Aber ich bereue nichts, denn als auf der Bühne "From the Edge of the Deep Green Sea" (zu hören auf "Wish") angestimmt wurde, habe ich vor Glück fast geweint. Alle Fans haben im Gleichklang mitgesungen und es war die spirituellste Erfahrung meines Lebens.

So, jetzt habe ich mit Schmalz und Honig nur so um mich geworfen, aber die Essenz dieses Artikels ist wohl klar: The Cure sind Giganten und es wird wahrscheinlich nicht mehr viele Chancen geben sie im eigenen Land live zu sehen. Also nichts wie hin.

THE CURE – LIVE
Mittwoch, 26. Oktober
Marx Halle, 1030 Wien

Anne-Marie Darok

Anne-Marie Darok | Redakteurin

Musik, Mode und auch ein bisschen Film - solange Adjektive nicht verboten sind, wird gerne über das (fast) komplette Kulturspektrum berichtet

anne-marie.darok (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: Mai 2011

 

 

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