BÜCHERBÖRSE

Callejon: Vom Autoschlüssel und den Bierbarden

Callejon: Vom Autoschlüssel und den Bierbarden © Özdemir/Blacksome

Am Donnerstag gab es in der Arena einiges zu sehen. Ein ganzer Schwung Metal wurde hier zusammengetragen. Im Rahmen der "Wir-Sind-Angst"-Wintertour gaben sich die Berliner Rap-Metal-Band Tamas, die Skandinavier von Adept sowie die aus NRW stammenden Callejon die Ehre.

Beim Eintritt in die Arena war noch nicht viel los, obgleich Rapper Tamas mit seiner Band und der Musik seines Debütalbums auf der Bühne zu sehen war. Etwaige Enttäuschung war ihm nicht anzumerken, als er die Bühne betrat, doch hatte er sichtlich Spaß auf derselben. Wenn man sich im Internet ein wenig in seine bisherige Musik reinhört, ist man erstmal etwas erstaunt, einen Rapper wie ihn als Vorband einer Metal-Combo zu erleben. Stößt man dann aber auf Lieder wie "Eat The Rich" von seiner ersten LP, wird klar: Da hat jemand Bock auf Metal. Auch wenn die Rhymes zuweilen an Kollegah erinnern – zumindest stilistisch –, ist man sich schnell sicher, dass diese beiden Gegenpole der Musik durchaus gut miteinander leben können. Tamas selbst ist eine imposante Gestalt, nahezu zwei Meter groß und somit eine richtige Erscheinung. "Callejon hat mich betrunken gemacht", sagt er, meint aber auch, dass es nicht genug ist und trinkt weiter. Dass er etwas von Musik versteht, lässt sich auch daran festmachen, dass der Grundbeat eines Liedes auf "Die Moldau" von Smetana zurückgeht. Das Publikum hat Spaß, er hat Spaß und ein paar Ansagen sowie Mittelfinger gegen die Polizei später ist er auch schon fertig – er wird erst am Ende im Moshpit wieder auftauchen.

Auch bei Adept bleibt die Halle eher schwach besucht. Der hintere und obere Bereich der Arena sind ohnehin abgesperrt. Die Schweden schreien und singen sich durch ihre Setlist, die ersten Circlepits entstehen und tatsächlich findet eine spärlich wahrgenommene Wall of Death ihren Weg ins Publikum. Die Ansagen hingegen sind recht amüsant, auch wenn Adept-Sänger Robert Ljung unumwunden zugibt, dass seine sieben Jahre Deutschunterricht nicht mehr wirklich präsent sind. Er brüstet sich trotzdem damit, dass er noch zwei Wörter sagen kann: "Autoschlüssel" und "Bier". Ebenso preist er Wien als "die schönste Stadt der Welt", auch wenn er mit dieser Aussage nicht alleine dastehen wird.

Danach dauert es eine Weile, bis sich auf der Bühne wieder etwas tut, aber als Callejon dann auf jene treten, ist das mittlerweile etwas angewachsene Publikum wieder wach. Das kleine Schlagzeug der Vorbands ist abgebaut, mächtig thront der Drummer der Band hochoben an seinem Trommelwerk. Mit BastiBasti tritt nun auch der Frontmann der Düsseldorfer ins Rampenlicht und wird begeistert umjubelt. Da er im Übrigen alle Artworks der Band für jeglichen Output selbst erstellt und auch für andere Bands (z.B. Rammstein, Caliban, etc.) als Künstler arbeitet, ist es ein Leichtes zu erkennen, dass das große Callejon-Banner am hinteren Bühnenrand selbstgemalt ist. Mit dem zweiten Song "Porn from Spain" kehrt die Band auch sogleich in ihre Anfangszeit zurück. Es soll leider das einzige Lied vom Zweitalbum "Zombieactionhauptquartier" bleiben. Die von K.I.Z. gerappten Parts übernimmt BastiBasti, wie bei den meisten Live-Konzerten, selbst. Mit Gitarrist Berni ist neben BastiBasti auch nur noch ein Gründungsmitglied Callejons mit dabei, doch die beiden gleichberechtigten Geschäftsführer der Band haben genauso viel Spaß wie der Rest. Die Show selbst wird vorallem von den nie stillliegenden Nebeldüsen in eine rauchige Angelegenheit verwandelt.

Mit der Zeit kommen diverse weitere Songs zur Setlist hinzu, meist vom letzten Album "Wir sind Angst", aber auch viel vom vierten Output "Blitzkreuz" schafft es, gespielt zu werden. Erstmals richtig rund geht es vor der Bühne, als das vom Cover-Album "Man spricht Deutsch" stammende "Schwule Mädchen" anklingt. Gegen Ende wird dann noch "Schrei nach Liebe" von den Ärzten gespielt, und auch hier zeigt sich die Stärke dieses Konzeptalbums. Doch vorher wird es sehr ruhig. Die lauten Gitarren werden eingepackt, auch das Schlagzeug ist verwaist. BastiBasti und Berni stehen alleine auf der Bühne, mit einer Akustikgitarre in der Hand. "Kind im Nebel" ist eines der erfolgreichsten Callejon-Lieder, was auch daran bemerkt wird, dass das ganze Publikum geschlossen mitsingt. Wirklich viel Druck erzeugen beim Konzert vorallem die weiteren Lieder "Krankheit Mensch", "Snake Mountain", "Blitzkreuz" sowie "Dunkelherz". Doch auch nicht fehlen darf natürlich "Porn From Spain 2". Am Ende ist die Band zufrieden, das Publikum auch, und auch Rapper Tamas, der irgendwo dazwischen im Moshpit auftaucht und wieder verschwindet, ist wohl glücklich.

Fazit: Ein gelungener Abend, der überraschend spärlich besucht war. Woran das lag, kann nur spekuliert werden. Zum einen ist vielleicht der neue Star-Wars-Streifen schuld, andererseits haben zeitgleich die Donots, mit denen sich Callejon anschließend durch die Nacht gezecht haben, nebenan in der Bar gespielt. Und zu guter Letzt steht Weihnachten vor der Tür, was für viele jüngere Leute eher bedeutet, ihr weniges Geld in Geschenke zu investieren. Abschließend lässt sich sagen: Hättet ihr lieber nicht gemacht, weil das Konzert hat sich definitiv gelohnt.

Jan Wälder


studiert eigentlich Publizistik- und Kommunikationswissenschaften, belegt aber gerne auch den ein oder anderen Skandinavistik-Kurs.

 

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