BÜCHERBÖRSE

Donots bringen Arena zweimal zum Schwitzen

Donots bringen Arena zweimal zum Schwitzen (c) Robert Lang

Wer kennt sie nicht, die Donots? Seit über 20 Jahren sind sie auf den Bühnen der Welt unterwegs, und auch Österreich lassen sie ungern aus auf ihren Touren. Die jetzige Karacho-Tour allerdings hätte eigentlich im Frühjahr stattfinden sollen, hätte Eike sich nicht beim Schlittenfahren mit seinen Kindern am Fuß verletzt. Obwohl jetzt wiederum Axel fehlt, hat sich die Truppe um Ingo und Guido entschlossen, die Konzerte wie geplant nachzuholen. Und weil es ihnen in Wien und der Arena so gut gefällt, haben sie am gestrigen Freitag einfach noch ein Zusatzkonzert eingebaut.

Als Vorband war der englische Sänger Tim Vantol mit am Start, der allein mit seiner Gitarre auf der Bühne für mächtig Stimmung gesorgt hat. Punkrockstimme, ruhigere Songs, trotzdem hat er es geschafft, dass alle Menschen im Saal mit ihm singen. "If we go down, we will go together." Alles verbunden mit einer langen Ansage gegen Hass und für Menschlichkeit. Als sich eine Stimme im Publikum dagegen erhebt, fragt er "What do you wanna say? Ah, now you are quiet." Er steht für seine Meinung, wie eigentlich sowieso die ganze Szene, und man merkt, dass er es auch wirklich ernst meint.

Kurz darauf kommen die Donots auf die Bühne und man sieht ihnen an, dass sie trotz des kleinen Konzerts am Vorabend mächtig Bock haben, mit den Leuten heute abzugehen. Gleich auf Platz 2 der Setlist findet sich "Dann ohne mich", der großartige Anti-Rechts-Song vom aktuellen Album "Karacho", auf dem die Donots tatsächlich das erste Mal auf Deutsch singen. Obwohl der Song in die heutige, dunkle Zeit passt wie die Faust auf's Auge, ist er laut Bandaussage eigentlich schon früher entstanden. Ebenso sagt Ingo auch, dass das Album "Schweineherz" von Slime auch in diesen Tagen nichts an Aktualität eingebüßt hat. Die Menge singt mit ihm "Die Lügen. Das Schweigen. Der Stolz der Andere verletzt. Wenn das hier wirklich alles ist, dann ohne mich". Eigentlich traurig, dass man so etwas immer wieder betonen muss.

Später bei "Stop the Clocks" sind dann fast alle Leute mit dabei, singen im Chor mit der Band und fühlen sich rundum wohl. Doch dann muss Sänger Ingo bei einer Zwischenansage doch noch einmal eine Information des Betreibers weitergeben: Ein Taschendieb geht um und hat es hauptsächlich auf Geldtaschen abgesehen. Zehn Stück waren zu diesem Zeitpunkt schon entwendet, ebenso fehlten Smartphones. Es war schon davor auffällig, denn es lag erstaunlich viel Geld auf dem Boden herum und es waren immer wieder Leute zu sehen, die denselben verzweifelt absuchten. Zum anderen durfte die Band auch hie und da dem Publikum Wertsachen, die gefunden wurden, wieder zurückgeben. Insgesamt war dies aber der einzig ärgerliche Teil des Abends.

Neben vielen eigenen Stücken war auch der Ärzte-Song "Westerland" zu hören, gegen später gab es dann sogar einen Spendenmoshpit. Ingo stellte sich in die Mitte des Kreises und die Konzertbesucher rannten um ihn herum, während sie versuchten, Geld in seine Spendenkasse zu werfen. Dass dies nicht klappen konnte, war eigentlich klar, doch das Geld wurde aufgesammelt und auf die Bühne gegeben. Am Ende kamen so 345 Euro zusammen. Die Band rundete den Betrag noch auf 400 Euro auf, der an "Kein Bock auf Nazis" gespendet wird.

Weitere Höhepunkte des Abends waren das Twisted-Sister-Cover "We're Not Gonna Take It" sowie der krönende Abschluss "So Long", für welchen Tim Vantol den Frank-Turner-Part übernahm. Doch der eigentliche Höhepunkt des tollen Konzerts waren ein Akustiksong, der inmitten des sitzenden Publikums gespielt wurde, sowie das wahrlich herausragende Ramones-Cover "Pet Cementary", das vielen Anwesenden den ein oder anderen blauen Fleck beschert haben dürfte.

Alles in allem lässt sich sagen: Die Donots haben den Zuschauern einen wunderbaren Abend beschert, der eine abgeänderte Setlist im Vergleich zum Vorabend hatte. Auch wenn Ingo nach Eigenaussage etwas kaputt von der Nacht davor war, welche die Band mit der Metalern von Callejon verbrachten, sprühten sie nur so von Energie und hatten auch nach 20 Jahren eine Bühnenpräsenz, wie sie sich andere nur wünschen könnten.

Jan Wälder


studiert eigentlich Publizistik- und Kommunikationswissenschaften, belegt aber gerne auch den ein oder anderen Skandinavistik-Kurs.

 

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