BÜCHERBÖRSE

Ghost kommen ins Grazer Orpheum

Papa Emeritus III, nicht zu verwechseln mit den Vorgängern! © Loma Vista
Papa Emeritus III, nicht zu verwechseln mit den Vorgängern!

Wenn eine geliebte Band in die eigene Heimatstadt kommt, ist das immer eine große Sache. Vor allem, wenn die Heimatstadt Graz ist und dort meistens tote Hose herrscht, was die Indie-Band-Besuche anbelangt. Doch im Februar müssen die Musikliebenden aus der Steiermark endlich mal keinen Zug besteigen, um bei einem Mega-Konzerterlebnis dabei zu sein. Nein, Ghost kommen zu ihnen! Am 13. Februar wird’s im Grazer Orpheum ein bisschen unheilig und ziemlich laut.

Aber nicht weil die Musik eine ohrenzerschmetternde Lautstärke hat, sondern weil Fans richtig gut drauf sind. Nicht weiter verwunderlich, denn Ghost sind bekannt für ihre aufwendigen Shows. Die schwedische Heavy Metal-Band tritt nämlich in Kostümen aus, die Außenstehenden (und Eltern) ziemlich satanistisch erscheinen würden.

Sänger Papa Emeritus III trägt nicht nur ein Priestergewand, sondern auch noch einen Papsthut, während sein Gesicht hinter einem Skelett-Make-Up versteckt ist. Seine Musiker, die sich Nameless Ghouls nennen, tragen seit 2015 echt beeindruckende Teufelsmasken. Niemand weiß, wer sie sind und niemand weiß, ob der dritte Papa wirklich ein anderer ist, als die letzten zwei. Das dunkle Geheimnis, ob Papa I und Papa II andere Sänger waren, wird wohl nie von offizieller Seite gelüftet werden, aber wenn man ein bisschen recherchiert und sich lang genug in die Musik einhört, bekommt man den Eindruck, dass der Schein trügt.

Das Konzert, oder Ritual, wie es die Ghost-Fans nennen, baut also schon auf einem Mysterium auf, das die Neugierde anregt. Und es heißt nicht mal ohne Grund Ritual, denn Räucherstäbchen stehen ebenso auf dem Plan, wie zwei sexy Nonnen, die Hostien verteilen.

Dass dies kein „echter“ Satanismus ist, kommt aber schnell zum Vorschein. Papa und seine Ghouls praktizieren vielmehr eine Art frecher Blasphemie, die von dem Charisma des Papas lebt. Und natürlich von den Lyrics, die oft ironisch und gleichzeitig sehr catchy sind. Dazu die mitreißende Musik, die für Genre-Puristen wohl kein echtes Metal ist. Aber wen stört das, solange man das Gefühl hat, dass die Menschen auf der Bühne nicht nur voll und ganz hinter dem eigenen Stil stehen, sondern auch noch richtig verliebt in ihre Instrumente sind.

GHOST – LIVE
Samstag, 13. Februar 2016
Einlass: 19.00 Uhr, Beginn: 20.00 Uhr
Orpheum, 8020 Graz

Anne-Marie Darok

Anne-Marie Darok | Redakteurin

Musik, Mode und auch ein bisschen Film - solange Adjektive nicht verboten sind, wird gerne über das (fast) komplette Kulturspektrum berichtet

anne-marie.darok (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: Mai 2011

 

 

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