BÜCHERBÖRSE

Slipknot: "This means everything!"

Slipknot spielten in der Stadthalle. (c) M. Shawn Crahan
Slipknot spielten in der Stadthalle.

In der Stadthalle war gestern mächtig viel los. Nahezu ausverkauft war sie und der Grund dafür waren die kalifornische Hardcore-Band Suicidal Tendencies und in erster Linie die Alternative-Metal-Band Slipknot aus Iowa.

Bei Suicidal Tendencies, die während ihres Auftrittes immer wieder mit dem Ruf "ST, ST" für grölende Kehlen sorgten, war die Halle D schon gut gefüllt, aber ein nicht unerheblicher Teil der Zuschauer wartete lieber noch draußen bei frühlingshaften Temperaturen und einem leistbareren Bier. Doch die Legenden aus Venice, einem Stadtteil von Los Angeles, sorgten auch in ihrem 35. Bandjahr für eine mächtig gute Stimmung. Schon als sie auf die Bühne traten, bekam man eine regelrechte Gänsehaut. Ein Grund dafür mag aber auch in dem überdimensionalen Banner gelegen haben, das die ohnehin riesige Bühne noch größer erscheinen ließ. Mit den ersten Tönen kam dann auch Sänger Mike Muir auf die Bühne, der eine Performance ablieferte wie in den 1980ern – wohlgemerkt mit heute 52 Jahren auf dem Buckel. Wild umherspringend wie ein vom Teufel getriebener Dämon gab er mit seinen Mannen das beste Vorkonzert seit langer, langer Zeit. Vom Überhit "Posessed to Skate" über "Cyco Vision" bis hin zu "Pledge Your Alliance" durften "ST" rund 45 Minuten performen. Und schafften es am Ende nebenbei noch, den größten Pit des Abends in die Menge zu zaubern.

Slipknot kamen dann rund 20 Minuten nach Suicidal Tendencies auf die Bühne, zu den Klängen von David Bowies "Ashes to Ashes". Nach einem Vorspiel, "Be Prepared For Hell", war der erste Song des Abends "The Negative One". Dass bei so großen Konzerten die Setlist meist nicht mehr groß – beziehungsweise überhaupt – geändert wird, lässt sich am restlichen Verlauf des Konzertes ablesen. Die 17 gespielten Songs waren in genau derselben Weise auch schon auf den vorherigen Konzerten der Europatour gespielt worden. Davon abgesehen hat man der Band um Sänger Corey Taylor nicht angemerkt, dass sie die Show gerade zum sechsten Mal innerhalb einer Woche auf die Bühne stellten. So kraftvoll und überzeugend sind heutzutage nur noch wenige Bands. Auch den Fans dürfte die sich wiederholende Setlist egal gewesen sein – sie bekamen genau das, was sie wollten. Anders lassen sich Getriebenheit und Hingabe in den Zuschauerreihen wohl kaum erklären. Positiv dürften sie zur Kenntnis genommen haben, dass Slipknot die Setlist im Vergleich zum letztjährigen Novarock deutlich abgewandelt hatten. Von den dort gespielten 16 Songs waren in der Stadhalle neun zu hören, es kamen dafür acht neue hinzu.

Besonders gefreut haben dürften sich die Fans der ersten beiden Alben "Slipknot" und "Iowa", denn immerhin gab es von diesen insgesamt zehn Songs zu bestaunen. Die Show an sich war auch sehr aufwendig und durchchoreographiert bis ins letzte Detail. Die Mülltonnen-Trommeln, die auch gerne mal mit dem Baseball-Schläger malträtiert wurden, waren ebenso wie Keyboard und DJ-Pult auf sich ständig bewegenden Hebebühnen aufgebaut. Auf einer riesigen Leinwand im Hintergrund liefen stets Filmaufnahmen – zu sehen waren brennende Puppen, gekreuzigte Skelette, viele Insekten und das Innenleben des Menschen. Das alles wurde dann noch gemischt mit wunderschönen Weltraumaufnahmen, die das ganze künstlerisch recht ansehnlich in Szene setzten. Einen kleinen Unterbrecher gab es dann doch in der großartigen Inszenierung. "I wanna show you something", sagt Corey Taylor und geht von der Bühne ab. Kurz darauf kommt er wieder und bringt die österreichische Platin-Auszeichnung für ".5: The Gray Chapter" mit, die sie am selben Tag bekommen hatten. "This means everything, this means a lot to all of us." Daraufhin bedankt er sich herzlichst beim Publikum und taucht wieder in seine Rolle als Frontmann von Slipknot.

Slipknot und Suicidal Tendencies haben am gestrigen Abend in der Stadthalle wieder einmal bewiesen, warum sie auch nach so langer Zeit noch so hoch im Kurs stehen. Die Performance und die glücklichen Zuschauer bedürfen keiner weiteren Erklärung, sie allein sind schon die Antwort darauf, ob man auch das nächste Mal wieder mit dabei sein wird.

Jan Wälder


studiert eigentlich Publizistik- und Kommunikationswissenschaften, belegt aber gerne auch den ein oder anderen Skandinavistik-Kurs.

 

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