BÜCHERBÖRSE

Toto brachten Musikgeschichte in den Gasometer

Toto live im Wiener Gasometer © Petra Püngüntzky
Toto live im Wiener Gasometer

Es war, nach einer Zeit langen Wartens, wieder soweit. Toto haben sich vergangene Woche auf ihrer "Toto XIV Tour" nach Wien begeben. Diese Welttournee, die die amerikanische Rockband in alle Winkel der Welt führt, war eine der seltenen Gelegenheiten, Steve Lukather, David Paich, Steve Porcaro und Co. live zu erleben. Im Wiener Gasometer ging dieser Traum für viele Menschen in Erfüllung.

Zu Anfang ließ sich gleich feststellen, was auch erwartbar war. Die Altersstruktur der Konzertbesucher war eher im Bereich oberhalb der 40 angesiedelt, aber es waren auch erstaunlich viele junge Gesichter zu erhaschen – trotz des nicht ganz billigen Ticketpreises. Der Ansage im Vorraum, dass das Konzert bald beginne, folgten nun auch die Zuschauer und begaben sich in die Konzerthalle. Doch es blieb noch Zeit, denn die Rocklegenden ließen sich noch eine Viertelstunde Zeit, bis sie sich unter dem allgemeinen Jubel der Menge die Ehre gaben. Dann war auch ersichtlich, warum es keine Vorband gab. Erstens, weil Toto allein Grund genug sind für eine Veranstaltung und zweitens, weil die Bühnenaufbauten und Instrumente den gesamten Platz der Bühne einnahmen.

Insgesamt acht Menschen kamen auf die Bühne. Neben den drei genannten Gründungsmitgliedern war auch eine weitere Legende der Musikgeschichte auf der Bühne: Leland Sklar. Dieser aufgrund seines langen, weißen Bartes an Professor Dumbledore erinnernde Mann ist einer der besten Bassisten auf diesem Planeten. Als Studiomusiker hat dieser bei über 2.000 Alben mitgewirkt, unter anderem bei Art Garfunkel, The Doors, Ray Charles, America, Joe Cocker, Leonard Cohen und Michael Jackson. Als aktueller Sänger ist Joseph Williams im Einsatz, der schon in dern 1980-ern sowie 1998 zur Band gehörte. Komplettiert wurde das Oktett von den BackgroundvokalistInnen Jenny Douglas-Foote und Mabvuto Carpenter sowie Shannon Forrest an den Drums. An den Percussions wiederum war wiederum eine Musiklegende im Einsatz: Lenny Castro. Dieser Percussionspezialist ist in der Musikwelt der Inbegriff eines Mannes, dessen Liste der Zusammenarbeit mit Bands und Musiker das Who is Who der vergangenen und aktuellen Weltelite darstellt. Hierzu gehören die Rolling Stones, The Bee Gees, Adele, die Red Hot Chili Peppers oder auch Elton John, The Mars Volta, John Mayer und Oasis. Toto gilt in vielen Kreisen nicht umsonst als technisch beste Liveband der Welt. 

Als die ersten Töne von "Running Out Of Time" erklangen, war es um die Zuhörerschaft schon geschehen. Ein Leuchten in den Augen, waren die meisten für die nächsten 20 Songs vereinnahmt, denn der Geist der Jugend fuhr in viele der Anwesenden. Nach drei Songs kam die erste Ansage des Abends, Steve Lukather übernahm diese Aufgabe und stellt schon zu diesem frühen Zeitpunkt die Hälfte der Anwesenden vor. Kurz darauf wurde mit dem Klassiker "Hold The Line" ein Song gespielt, den die jüngere Zuhörerschaft wohl noch aus GTA San Andreas gekannt haben dürfte. Im Zuge dessen kam auch Jenny Douglas-Foote nach vorne. Denn die Annahme, die BackgroundsängerInnen seien nur für die Rasseln und den Hintergrundgesang auf der Bühne zuuständig, war weit gefehlt. Im Laufe des Konzerts wechselte sich Joseph Williams mit ihnen, David Paich und Steve Porcaro mehrfach ab. Auch als Klassiker erkennbar war es an dem inzwischen häufig zu beobachtenden Phänomen, dass sich massig Smartphones in die Luft erheben. Gleich im Anschluss waren zwei weitere Klassiker der frühen Bandjahre zu hören, "„Georgy Porgy" und "Afraid of Love". Nach diesem Feuerwerk war wieder ein wenig Ruhe eingekehrt, mit "Bend" spielte Toto einen Song des aktuellen Albums und David Paich bald darauf sein Keyboard-Solo.

Die enorme Spielfreude der Band, die in jedem Augenblick spürbar war, ließ das Konzert in Windeseile vergehen. Fast schon am Ende angekommen, wurde auch schon der letzte Song vor der Zugabe angestimmt und das Publikum war in Entzückung geraten, denn selbst Ringo Starr von den Beatles hatte "Rosanna" einst in sein Soloprogramm aufgenommen. Das Lied brachte aber auch einmal mehr vor Augen, dass es sich bei Toto um eine aussterbende Art von Musik und Band handelt, denn so viele Klassiker der frühen Achtziger kann man wohl nur noch selten live erleben. Die Zugabe begann mit einem Medley, dem der Höhepunkt des Abends folgte, gesungen von David Paich und Joseph Williams. "Africa", der wohl mit Abstand erfolgreichste Song der Band und Sinnbild eines Achtziger-Jahre-Songs, wenn nicht sogar Song dieser Dekade, brachte das atemberaubende Konzert zu einem krönenden Abschluss, gefolgt von einem minutenlangen Outro.

Alles in allem lässt sich mit Bestimmheit sagen, dass Toto der österreichischen Zuhörerschaft einen wundervollen Abend voller Freude und Erinnerungen an frühere Zeiten bereitet haben, der nicht zu kurz kam und in allen Belangen ein schöne Anekdote im Leben der Anwesenden bleiben wird.

Bilder: © Petra Püngüntzky

Jan Wälder


studiert eigentlich Publizistik- und Kommunikationswissenschaften, belegt aber gerne auch den ein oder anderen Skandinavistik-Kurs.

 

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