BÜCHERBÖRSE

Kodaline brachten Wien zum Singen

Konnten auch in Wien den Hype spüren: Kodaline. © Sony Music
Konnten auch in Wien den Hype spüren: Kodaline.

Am vergangenen Wochenende war im Gasometer wieder einiges los. Zwar war der Oberrang geschlossen, aber im unteren Bereich tummelten sich nicht wenige, überwiegend weibliche Konzertgäste. Zu Gast waren Kodaline, die irische Indie-Pop-Band, die in den vergangenen drei Jahren einen kometenhaften Aufstieg zu verzeichnen hatte. Das hatte augenscheinlich auch seine Auswirkungen auf den Abend.

Als Vorband konnte die spanische Band L.A. verpflichtet werden, die auch dem Publikum zusagte. Die Jubelstürme nach jedem Lied ließen auf das Wohlwollen der Besucher schließen, und auch die Band gab sich keine Blöße und spielte ihr Programm gerne ab. Am Ende waren sie sogar allesamt um ihren Merch-Stand versammelt, um Gespräche mit Interessierten zu führen oder auch einfach nur Autogramme zu geben. Der schlicht gehaltene, aber dennoch interessante Indie-Rock konnte sich sehen lassen. Manche der Songs hatten sogar eine nicht von der Hand zu weisende Ohrwurm-Qualität, ohne dabei platt zu wirken. Dass diese Band in Wien auf einer so großen Bühne stand, konnten die Iberer wohl selbst kaum fassen, umso mehr freuten sie sich, dass auch am Merchandise-Stand reger Andrang herrschte. Man sollte sie als Geheimtipp durchaus im Auge behalten.

Danach war dann nochmals eine halbe Stunde Pause, die Halle füllte sich immer mehr und die Temperatur stieg gefühlt mit jeder verstreichenden Minute an. Schlussendlich kamen Kodaline auf die Bühne – unter dem Jubel und Gekreische der Anwesenden. Ohne lange zu fackeln legten sie auch gleich mit "Ready" los, das einen trügerischen Schein für den restlichen Verlauf des Konzertes haben sollte. Denn mit "Way Back When" spielten die inzwischen fünf Iren gleich darauf den ersten langsameren Song – und das sehr zum Wohlgefallen der weiblichen Zuschauer, deren Altersdurchschnitt irgendwo zwischen Oberstufe und Studienbeginn zu verorten war. Augenblicklich war ein Anschwellen des Gesangs erkennbar, denn sie alle sangen mit. Dieses Phänomen sollte sich das weitere Konzert über fortsetzen. Diese langsame, leicht folkig anmutende Nummer war nur der Anfang, denn auch bei den folgenden "One Day" und "Lost" war kein Unterschied mehr zu erkennen. Die Band spielte ihre Songs mit einiger Freude, auch wenn die Ansagen von Sänger Steve Garrigan sich nicht großartig voneinander unterschieden und nur dem immer darauf folgenden Gekreische dienen sollten. Man konnte fast meinen, er fühlte sich inzwischen zu Stadionkonzerten berufen. "High Hopes" war als erster Hit der Band in der Setlist und wurde auch entsprechend frenetisch gefeiert.

Allein auf weiter Flur war Steve Garrigan dann beim Lied "The One", das ursprünglich für die Hochzeit eines Freundes der Bandmitglieder geschrieben worden war. Spätestens jetzt waren die Herzen der Besucher geschmolzen. Mit "Love Like This", auch in der Nicholas-Sparks-Schnulze "Kein Ort ohne Dich" zu hören, kehrte die restliche Band aber wieder zurück, und auch hier kam der Gesang aus den Kehlen der Zuhörer. Neben "Honest" und ein paar weiteren Songs der bislang erschienenen Alben "In A Perfect World" und "Coming Up For Air" gab es abschließend noch die Zugaben "Everything Works Out in the End" und ein Snippet aus "Big Bad World", "Talk" und "Perfect World" zu hören. Als letzter Song des Abends fungierte – irgendwie erwartbar – "All I Want", der die Band in ungeahnte Höhen schoss.

Alles in allem war es ein netter Konzertabend, aber auch nicht mehr und nicht weniger, denn die Band hatte im Vergleich zum Vorjahreskonzert keine neuen Songs mit dabei, nur die Location war größer. Hier also der Wunsch, bis zum nächsten Mal – was nach eigener Aussage noch dieses Jahr sein soll – bitte wieder eine Platte rausbringen. Zumindest wäre es wünschenswert, denn sonst verlieren die Konzerte auch irgendwann ihren Reiz.

Jan Wälder


studiert eigentlich Publizistik- und Kommunikationswissenschaften, belegt aber gerne auch den ein oder anderen Skandinavistik-Kurs.

 

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