BÜCHERBÖRSE

Sarah and Julian auf ruhiger Mission

Sarah and Julian © Mischa Nawrata
Sarah and Julian

Mit dem Geschwisterpaar Sarah and Julian war vor Ostern ein musikalischer Gast in Wien zu sehen, der selbst Verbindungen in diese Stadt hat. So war auf der Bühne zwar eine lockere Atmosphäre geboten, doch das tat dem Dargebotenen keinen Abbruch. Im B72 war die Stimmung fröhlich und ausgelassen, denn augenscheinlich waren nicht wenige alte Freunde und Förderer der beiden anwesend.

Eröffnet wurde der Abend von der Wienerin Hanna Palme, die ihre Songs mit Leidenschaft und Akustikgitarre vortrug. Inhaltliche Ausschlaggeber waren diverse Geschichten und Phasen aus ihrem Leben. Dabei singt sie mit wunderbarer Stimme und spricht/schreit ab und an auch mal fast, anstatt zu singen, was sich wunderbar in ihre Musik einbindet. Es gibt ihr überdies eine besondere Note und lässt sie einen großen Abstand zum Einheitsbrei des Radios gewinnen. Dazu kam noch ein lustiges Cover von "Dr. Dre – Bitches Ain't Shit", in einen melodiös schönen, ruhigen Singer-Songwriter-Song verpackt, was für einige Lacher unter den Anwesenden sorgte. Der einzige Wermutstropfen war, dass es am Merchandise-Stand leider keine greifbare Musik zu kaufen gab – denn die Nachfrage war, wie im Publikum zu hören war, durchaus gegeben.

Nach einer kurzen Zwischenpause kamen dann Sarah and Julian sowie ihre Begleiter am Bass und Schlagzeug auf die Bühne. Dass es kein allzu rasantes Konzert werden sollte, konnte schon daran erkannt werden, dass Letzterer mit schönen, gestrickten Wollsocken sein Werk verrichtete. Die Spielfreude war den Musikern ins Gesicht geschrieben und es wurde auch gleich zu Beginn betont, wie wichtig ihnen dieses Konzert in Wien sei. Immerhin hat Julian drei Jahre in der Stadt gewohnt und auch große Teile des Debütalbums wurden hier aufgenommen, einige Songs auch schon vor dem Zusammenschluss als Duo von ihm hier geschrieben. Im Gegensatz zum Konzert im "Local" vor drei Jahren waren die Songs nun aber viel ruhiger und gelassener, die E-Gitarre wurde nur noch für wenige Songs bespielt, meist blieb es bei der Akustikgitarre. Dass es aber durchaus auch laut und schnell werden konnte, bewiesen die beiden mit einem drängenden, wilden Trommeleinsatz, der kurzzeitig auch ein wenig Bewegung ins Publikum brachte.

Neben den schon älteren Songs "Cold Wind" und "White Lips" waren auch neuere Lieder zu hören, wie das eingängige "Mayflies" oder auch das wunderbar harmonische, Geborgenheit vermittelnde "Home", das sich um ihr Elternhaus dreht, in welchem sie aufgewachsen sind. Gerade hier kam ein besonderes Gefühl im Raum, haben doch viele Menschen einen ähnlichen Rückzugsort gehabt in ihrer Kindheit – etwas, das man immer noch sein Zuhause nennt. Gerade hier zeigte sich, was beim ganzen Konzert zu beobachten war: Die wundervolle Abstimmung der beiden Stimmen aufeinander, in diesem Song perfektioniert. Hier waren auch die beiden anderen Musiker nicht auf der Bühne, womit sich durch den ruhigen Grundton eine noch wohligere Stimmung aufbauen konnte.

Man hat an diesem Abend deutlich gemerkt, dass es ein persönlicheres Konzert war, als es wohl sonst der Fall ist, doch gerade dies machte den Abend noch entspannter und schöner, als er ohnehin hätte werden können. Mit ihren folkig angehauchten Singer/Songwriter-Songs werden sie auch dieses Jahr gut überstehen und man kann ihnen nur wünschen, dass sich auch die Zukunft so erfolgreich gestalten lässt wie die Vergangenheit – das Potenzial ist auf jeden Fall vorhanden und man darf gespannt sein, was die Zeit mit Sarah and Julian vor hat.

Jan Wälder


studiert eigentlich Publizistik- und Kommunikationswissenschaften, belegt aber gerne auch den ein oder anderen Skandinavistik-Kurs.

 

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