BÜCHERBÖRSE

a-ha begeistern die Stadthalle

Magne Furuholmen, Pål Waaktaar-Savoy und Morten Harket © Universal Music
Magne Furuholmen, Pål Waaktaar-Savoy und Morten Harket

Viele Menschen kennen KünstlerInnen noch aus ihrer frühen Kindheit, ihrem Aufwachsen und dem Jugendalter. Da gibt es viele Beispiele, und auch heute noch sind die Songs derjenigen beliebt, wenn nicht sogar beliebter denn je. Allerdings muss man inzwischen auch sagen, dass die 80er-Partys wohl nicht mehr ganz so angesagt sind, wie die 90er es heutzutage sind. Auch wenn es im Chelsea trotzdem wöchentlich zum Bersten voll und auch im Charlie P's der 80er-Abend recht gut besucht ist.

Eine der besagten Bands kommt aus Norwegen und nennt sich, wie die meisten an der Überschrift erkannt haben dürften, a-ha. Und wird meist auf ein Lied namens "Take on Me" reduziert, gehört es doch zum Lieblingsrepertoire jedweder klassischen Dorfdisko oder Cover-Rockband. Doch wenn man sich einmal etwas näher mit a-ha beschäftigt, wird einem schnell klar, dass sie eben doch keine Eintagsfliege waren und man viele Lieder kennt, von denen man nur nicht wusste, dass sie eben von ihnen sind. Das gilt natürlich nicht für Menschen, die in den 80ern aufgewachsen sind. So ging es zumindest mir, denn mehr als "Take on Me" und ein müdes Lächeln mochte die Nennung dieses Namens nicht in mir hervorrufen. Bis ich meinen Zivildienst machte. Eines Morgens oder Mittags, während ich Kinder mit einem Kleinbus umherkarren durfte, kündigte der Moderator im Radio einen neuen Song von a-ha an. "Foot of the Mountain" heiße das gute Stück und bla, bla, bla ... und dann wurde ich überrascht. Es gefiel mir überraschend gut und so kam es, dass ich mich dann doch intensiver mit der Band beschäftigte. Kein Fehler, wie sich nach vergangenem Sonntag zweifelsfrei sagen lässt.

Denn die dreiköpfige Pop-Rock-Band aus Norwegen trat in der Wiener Stadthalle auf und ich ließ es mir nicht nehmen, für das UNIMAG das Konzert zu besuchen. Und war erstmal froh, einen Sitzplatz zu haben, denn das war in dem Fall wohl die bessere Entscheidung. Die Halle D war reduziert aufgebaut und gab so eine angenehmere Übersicht als sonst. Die oberen Tribünen waren mit Vorhängen verdeckt, als Ersatz wurden unten mobile Tribünen ausgezogen, die somit den Stehplatzbereich verringerten und einen hervorragenden Blick auf die Bühne boten. Und die war sehr großzügig ausgestattet. Sieben Leinwände und Platz für eine 4-köpfige Liveband waren ebenso gegeben wie ein Sammelsurium aus verschiedensten Scheinwerfern, die wahlweise mit ausgeklügelten Choreographien sowie der Belebung der Hallenwände aufwarten konnten. Etwa 5.000 BesucherInnen waren gekommen, um a-ha nach fünfjähriger Pause wieder bewundern zu können.

Vorband war der deutsche Sänger Marcel Brell, der mit seiner Band deutsche Popsongs vortrug. Auf YouTube klangen die Songs nicht allzu spannend, wären aber live gespielt durchaus passabel gewesen, wenn nicht ständig im Song ein lautes "WIEN" ins Publikum gerufen worden wäre. Spätestens nach dem zweiten Mal machte das den Hörgenuss eher anstrengend. Ihm ist aber zu wünschen, dass er von der Besucherzahl des Konzerts – das letzte Mal spielte er nach eigener Aussage vor zehn Personen inklusive Personals in Wien – etwas profitiert und seine Sache durchziehen kann. Allerdings ohne mich, denn nachhaltig Eindruck hinterlassen konnte er nicht, seine Ansprachen zwischen den Songs waren besser als diese selbst.

a-ha wiederum hatten eine ganz andere Bühnenpräsenz. Man merkte den drei inzwischen auch schon stark angegrauten Norwegern an, dass sie mit großer Freude das Konzert in ihrem 36. Bandjahr bestreiten wollten. Gemerkt, gemacht. Insgesamt 17 Songs gaben sie zu abwechslungsreichen Leinwandbildern zum Besten, bis sie erstmals von der Bühne gingen. Vier Zugaben sollten noch folgen. Das überraschende am Konzert war, dass entgegen aller Erwartungen meinerseits nicht Sänger Morten Harket den Ton angab, sondern Keyboarder Magne Furuholmen. Er machte die Ansprachen, während Harket meist – bis auf Dankeswünsche – schweigend auf der Bühne stand und sogar für drei Lieder eine Pause einlegte. Magne Furuholmen überraschte auch damit, dass er die "Heimat von Wiener Schnitzel und Falco" auf Deutsch begrüßte. Zwar wechselte er schnell ins Englische, da er selbst zugab, sein (eigentlich fehlerfreies) Deutsch nur sehr schlecht zu verstehen und daher selbst nicht so genau zu wissen, was er dem Publikum da sage, doch die ZuhörerInnen gewann er dennoch für sich.

Die Setlist war eine Zusammenstellung aus alten und neuen Songs, die einen tollen Querschnitt des bisherigen Schaffens a-has lieferte. Vom neuen Album "Cast in Steel" – immerhin Namensgeber der Tour – wurden nur zwei Songs gespielt. Mit fortlaufender Dauer steigerte sich die Band in ihrer Performance immer weiter, spielte sich sozusagen fast in einen Rausch, wären da nicht die immer wieder eingeworfenen Ansagen Magne Furuholmens gewesen, der seit diesem Abend aus meiner persönlichen Sicht wohl das Prädikat "Nettester Bandleader aller Zeiten" trägt. Der reguläre Teil des Konzertes endete mit dem schon erwähnten "Foot of the Mountain" und dem ewigen Klassiker "Hunting High and Low".

Als die Band kurz darauf wieder auf der Bühne erschien und die ersten Töne von "The Sun Always Shines on TV" erklangen, war das Publikum nicht mehr zu halten. Im Stehplatzbereich war alles in Bewegung und auch auf den Tribünen begannen sich viele zu erheben. Danach folgte zwar noch die akustisch vorgetragene Ballade "Under the Makeup", bei der vor allem die Besucherinnen mitsangen, doch der Höhepunkt sollte noch folgen. Und nein, es war nicht besagtes "Take on Me", mit welchem a-ha ihren Durchbruch hatten. Die Album-Version des James-Bond-Titellieds "The Living Daylights" ließ alle Dämme brechen und verwandelte die Stadthalle in ein Meer aus glücklichen Gesichtern. Mit deutlichen Hardrock-Einflüssen gespickt wurden a-ha sowie der Song gefeiert und die KonzertbesucherInnen sangen lautstark mit, was auch der Band sichtlich Gefallen machte. Kurz darauf waren dann auch schon viele auf dem Weg nach draußen, als die Band nochmals zurückkehrte und "Take on Me" spielte. Allerdings merkte man hierbei, dass es ihr nicht allzu viel Freude bereitete und sie es wohl eher herunterspulte. Trotzdem waren alle TribünengängerInnen auf den Beinen und tanzten, vom Stehplatzpublikum ganz zu schweigen.

Man kann also sagen, dass es sich manchmal lohnt, alte Songs nochmal auszupacken und die Bands dahinter kennenzulernen. Denn allzu viele Konzerte werden sie wohl oftmals nicht mehr machen. Im Moment bietet sich noch die Gelegenheit, sich dafür oder dagegen zu entscheiden, anstatt sich eines Tages zu ärgern, nicht doch da gewesen zu sein. Daher dürften die meisten wohl zufrieden nach Hause gegangen sein, denn es war eines der besten großen Konzerte seit langer, langer Zeit.

Jan Wälder


studiert eigentlich Publizistik- und Kommunikationswissenschaften, belegt aber gerne auch den ein oder anderen Skandinavistik-Kurs.

 

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