BÜCHERBÖRSE

Nada Surf – You Know Who You Are

Nada Surf – You Know Who You Are (c) City Slang
Nada Surf – You Know Who You Are

Blau und weiß-grau. Man sieht dem Cover von "You Know Who You Are" sofort an, dass man es mit einer amerikanischen Band zu tun hat. Warum, wird jetzt so manch einer fragen? Aber man sieht es dem Cover eben irgendwie an. Die Betonwand, das Flugzeug, die Laterne. Das alles gibt so vielleicht auch anderswo auf der Welt, spielt aber auch auf den Herkunftsort von Nada Surf an, der großen Ostküstenmetropole New York – Kunst- und Weltstadt in einem. Und irgendwie auch treffend, wie Rezensor Robert Ham vom Paste Magazine schreibt: "Intentionally or not, the cover image on 'You Know Who You Are', the latest album by veteran pop group Nada Surf, forms a pentagon, the shape intimately familiar to baseball fans the world over as signifying home plate."

Um gleich daran anzuschließen: Nada Surf sind unbestreitbar Veteranen im Musikbusiness. Bekannt geworden mit dem High-School-Indie-Rock-Titel "Popular", das die Schülerschaft aber auch wunderbar aufs Korn genommen hat, haben sie sich inzwischen vollkommen gewandelt. Zwar waren auch schon früher wunderbare Harmonien zu erkennen, aber auch die Schrammelgitarre war da noch näher an ihrer Musik als heute. Sänger Matthew Caws hat seine schmeichelnde Stimme inzwischen perfekt auf die Musik zugeschnitten, Daniel Lorca konnte man seit Let Go nicht mehr singen hören, obwohl auch seine Stimme einen wunderbaren Klang hat. Mit "You Know Who You Are" bringen Nada Surf den, platt gesagt, guten alten Indie-Rock nochmal zurück ins Wohnzimmer oder ins Auto, wo man von den alten Zeiten träumen kann und froh ist, dass es auch heute noch Bands gibt, die einen nicht enttäuschen und trotzdem nicht immer wieder dasselbe Werk auf den Markt schmeißen.

Die größte Neuerung ist aber nicht das Album selbst, sondern dass Tour-Gitarrist Doug Gillard jetzt auch festes Mitglied der Band ist und Nada Surf somit in der Liga der Quartett-Bands spielt. Gleich die ersten beiden Songs, "Cold To See Clear" und "Believe You're Mine", fügen sich so in die Diskographie ein, als hätte es sie schon immer gegeben. Erst beim dritten Song kommt ein komisches Gefühl auf, denn irgendwie klingt "Friend Hospital" wunderbar schwermütig. Sogar ein kleines Gitarrensolo hat hier Platz gefunden, was für Nada Surf nicht gerade alltäglich ist, aber gerade hier nicht besser passen könnte.

I wish the sun would come through the walls
And find you wherever when you call
Give you the time and the will that you want
When you finally learn you can't always get what you haunt"

Nada Surf - Friend Hospital

Doch schon mit dem darauffolgenden "New Bird" wird die Drehzahl hochgeschraubt und der Fröhlichkeitsregler nach oben geschoben. Das Lied könnte auch schon fast von der Debütplatte "High/Low" sein, so ungestüm rumpelt die Band vor sich hin, um sich mit "Out Of The Dark" wieder in eine gewohntere Umgebung zu bringen. Was allerdings auch bei vielen Liedern der vier New Yorker passiert ist, dass man sie anfangs maßlos unterschätzt und viele Hochkaräter erst nach mehrmaligem hören ihre wahre Kraft entfalten. Bei einem ihrer letzten Konzerte in Österreich waren Nada Surf daher leider nicht sehr erfolgreich unterwegs, denn es hagelte regelrecht vernichtende Urteile der Anwesenden Journalistenschaft. Beim Harvest Of Art-Festival hatte ein findiger Festivalkoordinator die Idee, die Band zwischen Bilderbuch und Wanda auf die Bühne zu stellen, was eigentlich von vornherein nicht gut gehen konnte, da es zwar unter der Zuhörerschaft bestimmt auch Fans aller drei Bands gibt, aber an diesem Tag wohl niemand wegen Nada Surf gekommen war. Dank dieser undankbaren Spielzeit war das Publikum dann auch nicht allzu interessiert, denn ein "Maschin" oder ein "Bologna" leider nicht mit einem "Inside Of Love" auf einer Wellenlänge liegen.

"Animal", der siebte Song auf "You Know Who You Are", könnte von der Art her auch auf dem 2008er-Album Lucky seinen Platz finden, erinnert es melodisch doch sehr stark an vergangene Zeiten. Mit dem knapp zweiminütigen Titeltrack wird es fast schon wild, spielen die beiden Gitarren hier doch schon fast mehr gegen- als miteinander, was aber durchaus seinen Charme hat. Etwas ruhiger geht es dann weiter dem Ende zu, denn "Gold Sounds" passt hervorragend zu einem gemütlichen Nachmittag auf dem Sofa. Zum Abschluss spielen Nada Surf mit dem fast schon an "See These Bones" erinnernde "Victory's Yours" einen der ganz starken Songs der Platte, wenn nicht fast den besten, der so typisch ist für Matthew Caws und seine Mitstreiter wie das Amen in der Kirche. Genau für diese Songs lieben ihre Fans die Band und genau diese Songs machen die Konzerte zu etwas ganz besonderem.

"You Know Who You Are" wird keinen Fan der Band enttäuschen, denn sie liefern hier ihre gewohnt hochwertige Kost ab und schaffen es auch diesmal wieder, ein achtbares Werk mit wundervollen Songs abzuliefern, das sich hinter den bisherigen sieben Alben nicht zu verstecken braucht. Auch nach fast einem Vierteljahrhundert sind Nada Surf eine beständige Landmarke und Fels in der Brandung zugleich, der wohl auch noch eine Weile weiter im Wind stehen bleiben wird.

NADA SURF – "YOU KNOW WHO YOU ARE"
UNIMAG-Rating: 4,5 von Fünf Punkten
Genre: Indie, Pop
10 Songs, Spielzeit: 40:50
Label: City Slang/Universal
VÖ: 04.03.2016

Album-Tracklist

1. Cold To See Clear
2. Believe You're Mine
3. Friend Hospital
4. New Bird
5. Out Of The Dark
6. Rushing
7. Animal
8. You Know Who You Are
9. Gold Sounds
10. Victory's Yours

Jan Wälder


studiert eigentlich Publizistik- und Kommunikationswissenschaften, belegt aber gerne auch den ein oder anderen Skandinavistik-Kurs.

 

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