BÜCHERBÖRSE

The Antlers in Wien

  • geschrieben von Michael Leitner
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Burst Apart c Transgressive RecordsMusik und Texte von „The Antlers“ unterstützen Theorien, wonach wirklich gute Kunst erst durch Leid entstehen kann. Frontmann und einstiges Solo-Mitglied Peter Silberman setzt thematisch nämlich lieber auf Liebeskummer und Tod als auf Verliebtheit und Lebensfreude.

Die Poetik, in die er das alles verpackt, machen einen Besuch des Antlers-Konzertes am 2.12. im Szene Wien aber ebenso verpflichtend wie die dichte Atmosphäre in die die Band ihre zerbrechlichen Songs hüllt.

 

Zunächst Solo-Projekt
Peter Silberman gründete die Antlers einst als One-Man-Show und reihte sich in die Liste der „Bedroom-Produzenten“ ein, von denen das Internetzeitalter ja unzählige hervorgebracht hat. Und wie so viele von ihnen, ging auch er mit seinem ersten Album „Uprooted“ unbeachtet in der Masse unter. Nur ein Jahr nach seinem Debüt veröffentlichte Silberman den zweiten Antlers-Langspieler „In the Attic of the Universe“ auf dem Fall Records-Label. Auch hier hielt sich die Aufmerksamkeit allerdings in Grenzen, so, dass erst 2009 das große Jahr der Antlers kommen sollte.

 

Darby Cicci und Peter Silberman c Ran Yaniv Hartstein

 Moderner Klassiker „Hospice“

Unterstützt von Drummer Michael Lerner und Darby Cicci produzierte die Band, nun eben als Trio unterwegs, zunächst die beiden EPs „Cold War“ und „New York Hospitals“ und setzte die Ideen dann in das Konzept-Album „Hospice“, das für viele ein moderner Klassiker ist, um. Schon im Sommer 2008 fertig aufgenommen und im März darauf noch selbst vertrieben, erschien es erst im August vor zwei Jahren bei Frenchkiss Records. Wie Silberman betont, handelt „Hospice“ von der Beziehung zwischen Krankenhauspersonal und sterbenskrankem Mensch. Wie die Rollen auf die Geschlechter verteilt sind und inwiefern dies autobiographisch ist, verrät er aber in keinen Interviews.

 

 

Man braucht allerdings auch nicht alles zu wissen, um sich in die Songs auf diesem Album hineinfühlen zu können. Immer wieder kämpft sich Silbermans sanfte und bewusst leise gehaltene Stimme durch ebenso schöne Melodien, die zum Teil aber sehr chaotisch, wenn auch nicht undetailliert instrumentalisiert sind. So entsteht das Gefühl, ein Mann würde sich, vom Leid geplagt, durch einen Sounddickicht kämpfen, um dem Hörer seine Probleme schildern zu können.

 

Neues Studioalbum „Burst Apart“
Eigentlich klingt „Hospice“ ein bisschen so wie „Burst Apart“ aussieht. Das Cover des 2011 erschienenen, dritten Studioalbum der Antlers, zeigt ein in leuchtendem Gelb gehaltenes Waldstück, das den schwarzen Hintergrund erleuchtet. Umso überraschender ist, dass sich zwischen den beiden Alben doch einiges geändert hat. Lebte „Hospice“ noch von seiner schlechten Aufnahmequalität, überzeugt „Burst Apart“ mit viel klarerem und glatterem Sound. Wie es die Nachfolger anerkannter Alben oft an sich haben, findet man auch hier, der Band zuvor noch fremde, Elektroniksounds wieder. All die Veränderungen und neuen Elemente ändern aber nichts an der weiterhin düsteren Grundstimmung.

 

peter silberman c Kevin N Murphy


Am Ende steht eine dringende Aufforderung, alles in Bewegung zu setzen, um Tickets für das Antlers-Konzert am zweiten Dezember im Szene Wien zu ergattern.

 

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