BÜCHERBÖRSE

Harvest Of Art in Wien: Und dann kam Polly

PJ Harvey live am Harvest Of Art Festival in Wien © Petra Püngüntzky
PJ Harvey live am Harvest Of Art Festival in Wien

In seiner fünften Auflage ging das Harvest Of Art heuer erstmals in zweifacher Ausführung über die Bühne: Am 8. Juli in der Marx Halle und tags darauf dann auf der Burg Clam. Wir waren bei der Wien-Ausgabe am Start und haben Bilder für euch.

Musik top – Gelände flop

Als Lieblingsfestival vieler Indie-Pop-Liebhaber wartet das Harvest Of Art Jahr für Jahr auf’s Neue mit einem einzigartigen Line-Up auf. Auch dieses Jahr wurden wir in dieser Hinsicht nicht enttäuscht. Was die Freude über all die großartigen Acts allerdings trübte, war das lieblos gestaltete Festivalgelände, das außer einigen Heurigenbänken, verstaubtem Betonboden und einer stickig heißen Rinderhalle nichts zu bieten hatte. Darüber hätten wir ja noch irgendwie hinwegsehen können, hätte nicht auch der Sound unter der Location gelitten. Also konzentrieren wir uns lieber auf die Musik, die war nämlich erste Sahne.

Eröffnet wurde das Harvest Of Art in den Nachmittagsstunden von Lola Marsh aus Tel Aviv, die schon am Blue Bird Festival 2015 eine überzeugende Dreampop-Show ablieferten und auch dieses Mal nicht enttäuschten. Trotz des undankbaren Opening-Slots animierte Sängerin Yael Shoshana Cohen die früh eingetroffenen Festivalbesucher zum Mitklatschen und Singen.

Der Australier Matt Corby setzte gleich im Anschluss weniger auf Publikumsinteraktion, sondern vielmehr darauf, seine außergewöhnliche Stimme Bände sprechen zu lassen. Verzaubern konnte er seine Fans dennoch. Die ausgiebigen und großartigen Jamsessions mit seiner Band vermittelten eine sehr entspannte Stimmung, wären aber vermutlich Open Air bei strahlendem Sonnenschein besser zur Geltung gekommen als in einer abgedunkelten Betonhalle.

Die Publikumslieblinge

Sophie Hunger wusste die nun schon etwas dichtere Menschenmenge vor der Bühne mit ihrem Charme und ihren verrätselten Texten in Englisch, Deutsch und Französisch zu überzeugen. Selbst diejenigen, die die sympathische Schweizerin vor ihrem Auftritt noch nicht kannten, kürten sie sehr schnell und zu Recht zum Publikumsliebling.

Wenn wir schon von Publikumslieblingen reden, müssen auch die beiden darauf folgenden Acts erwähnt werden. Zum einen war da der irische Singer-Songwriter Glen Hansard, der sich von der ersten Minute an die Seele aus dem Leib schrie und auch älteres Publikum vor die Bühne lockte. Zum anderen waren da Sven Regener und seine Band Element Of Crime, die ein gewohnt melancholisches  Set gespickt mit vielen ihrer großen Hits ablieferten.

Und dann kam Polly...

In Wahrheit warteten die meisten Besucher nur auf den Headliner des Abends. Keine Geringere als Polly Jean Harvey gab sich mit ihrer neunköpfigen Band in der mittlerweile gesteckt vollen und unerträglichen heißen Rinderhalle die Ehre. Ihre österreichischen Fans beglückte die Ikone hauptsächlich mit Songs ihres aktuellen Albums "The Hope Six Demolition Project", auf dem sie sich ihren Reiseerlebnissen in Afghanistan, im Kosovo und in Washington D.C. zuwendet. Auch ihre Show wäre in dieser lauen Sommernacht unter klarem Himmel sicher noch um einiges eindrucksvoller gewesen, als verschwitzt und zusammengepfercht in diesem trostlosen Betonklotz. Schade darum, ein musikalisches Highlight war es aber zum Glück trotzdem.

Bilder: © Petra Püngüntzky

Bildergalerie

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Petra Püngüntzky

Chefin vom Dienst | Content Managerin
Ressortleiterin Musik & Events
Redakteurin | Fotografin

petra.puenguentzky (ät) unimag.at

 

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