BÜCHERBÖRSE

3 Stunden, 31 Songs - The Cure waren in Wien

3 Stunden, 31 Songs - The Cure waren in Wien (c) The Cure
3 Stunden, 31 Songs - The Cure waren in Wien

The Cure sind eine Post-Punk-Institution. Die britische Band verkörpert alles, was man mit dem Genre assoziiert: Melancholie, Wildheit, Düsternis und Unkonventionalität. Und das machen sie nicht erst seit ein paar Jahren, sondern schon seit 1976 als die Boys erst 17 Jahre alt waren. Gut, da hießen sie noch Malice, aber nicht sehr lang. Das wahrlich Besondere an der Band ist wahrscheinlich ihre konstante Arbeitsweise, die sie ihrem Stil bis im Detail treu bleiben lässt. Damals, in den frühen 1980ern hat die nun fünfköpfige Band rund um Robert Smith, ihr Image nicht nur gefunden, sondern auch perfektioniert. Dazu zählt aber nicht nur die musikalische Ebene mit den wahnsinnig verträumten Gitarren, dem tonangebenden Bass und den bittersüßen Texten, sondern auch das Aussehen der Bandmitglieder. Diese treten nämlich seit jeher in dunklem Gewand auf. Ok, das klingt nicht so besonders, aber vor allem Robert Smith  hält an den scheinbar achtlos aufgestellten schwarzen Haaren, dem dicken Kajalstrich und dem Layering der schwarzen Hemdblusen fest. 

Die Gentlemen des Post-Punk

Und das macht die Band irgendwie sympathisch. Denn nichts gegen sich ständig verändernde Paradiesvögel (David Bowie, I'm looking up to you!) aber bei The Cure hat man einfach das Gefühl, das hinter dem Stil einfach ehrliche Überzeugung und Liebe zur Band liegt. Gut, mittlerweile ist es wohl ziemlich offensichtlich, dass hier ein ziemlicher Fan den Artikel verfasst. Und dieser Fan konnte es gar nicht glauben, dass sie ihre Lieblingsband noch einmal in Österreich zu Gesicht bekommen würde. 2012 traten die Briten nämlich am Frequency Festival auf und schon jenes Festival-Konzert war einfach die Krönung einer Fan-Karriere. Und, dass sie nun in einer Konzerthalle auftreten würden, was alle nervigen Saufnasen ausschließt, die auf einem Festival nun mal dazugehören, ausschließt, ließ das Herz schneller schlagen.

Am 26. Oktober war es dann soweit: In der ausverkauften Wiener Marx Halle trafen sich Fans aller Altersgruppen, wobei die 30-50-jährigen die häufigsten BesucherInnen waren. Auf der einen Seite ist das nur logisch, da die Band doch in den 1980ern so richtig groß war und die damaligen Kids heute erwachsen sind. Außerdem wurde für die Tickets ein sehr stolzer Preis verlangt, bei dem man nicht einfach so zum Band-Ausprobieren zugreift. Die so erlangte Exklusivität der Fans sorgte natürlich für eine besonders gute Atmosphäre, die auf einem Festival leider nicht immer entstehen kann. Wenn alle Leute sich gleichermaßen dafür entschieden haben, diese eine Band für viel Moneys an diesem einen, bestimmten Abend zu sehen, dann liegt da viel Euphorie in der Luft. Trotzdem war ich froh, als ich im Laufe des Konzerts meinen Startplatz verlassen und weiter in die Mitte rücken konnte. Dort war nämlich relativ viel Platz zum Tanzen, viel mehr Fans sangen die Texte lautstark mit. 

Fans euphorisch, Show großartig

Das Konzert war in vier Teile geteilt: Anfangs spielte die Band eineinhalb Stunden durch, woraufhin drei Zugaben mit so fünf-sechs Liedern folgten. Das faszinierende an einer Band mit weitreichender Diskographie ist, dass man gar nicht mehr weiß, wie viele gute Songs sie überhaupt haben. Genauer gesagt war es so, dass ich mir schon nach den eineinhalb Stunden dachte: "Wow, besser kann es nicht werden. Drei Lieblingssongs wurden schon gespielt, was soll da noch kommen?". Und dann kamen die offiziell bekannteren Songs daher. Darunter "Lullaby", "Lovesong", "Boys Don't Cry", "Friday I'm in Love" und "Close to Me". Bei jeder Zugabe wurde die Stimmung ausgelassener und fröhlicher. Man hatte sogar das Gefühl, dass die Band den Abend irrsinnig genießt und gar nicht mehr aufhören möchte zu spielen. Dazu muss man sagen, dass The Cure trotz extrem emotionaler Texte nicht die emotionalste Band ist, man bekommt also relativ lang keine persönliche Regung von Robert Smith und Co zu spüren. Fans wissen, dass der Frontman immer noch als sehr, sehr schüchtern gilt, ergo nicht die klassische Rampensau ist. Einzig Bassist Simon Gallup ließ es so richtig krachen, was aber auch gut zu seinem Rockabilly-Äußeren passte.

Was soll ich sagen, der Gig war einfach der Hammer (3 Stunden Spielzeit!!) und ich kann allen Fans, die nicht das Glück hatten dieses Konzert zu besuchen, wärmstens empfehlen die nächste Chance beim Schopf zu packen. Und irgendwie habe ich das Gefühl, dass es noch Chancen geben wird, schließlich wurden sogar zwei neue Songs auf dem Kozert gespielt, was nach den langen Jahren musikalischer Abstinenz (ihr letztes Album wurde 2008 veröffentlicht) wie ein Hoffnungsschimmer am Horizont erscheint.

Anne-Marie Darok

Anne-Marie Darok | Redakteurin

Musik, Mode und auch ein bisschen Film - solange Adjektive nicht verboten sind, wird gerne über das (fast) komplette Kulturspektrum berichtet

anne-marie.darok (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: Mai 2011

 

 

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