BÜCHERBÖRSE

John Carpenter: Der Master of Horror begruselt Wien

John Carpenter: Der Master of Horror begruselt Wien © Barracuda

Ein Geständnis vorab. Als ich hörte, dass Horror-Altmeister John Carpenter Anfang November die Wiener Stadthalle beehren würde, war mir eines klar: Wenn der Regisseur von Halloween und Big Trouble in Little China seine eigens komponierten Film-Scores zum Besten gibt, werde ich es großartig finden. Völlig unabhängigdavon, ob der Auftritt des 68-Jährigen tatsächlich wunderbar oder eher lasch sein würde.

Kopfnicken für Kenner

Letztendlich war die retroperspektive Reise durch Carpenters filmisches und musisches Schaffen am Donnerstagabend aber eine sehr angenehme. Dominierend waren minimalistische Synthesizer, vibrierende Eletrobeats und drei Leinwände, die parallel zu den Filmsoundtracks die passenden Auszüge aus Carpenters filmischen Œuvre zeigten. Dabei kam John Carpenter seine famose Band zu Gute, welche ihm einen Großteil des Spielens abnahm. So konnte sich der Master of Horror darauf beschränken die eingängigsten Themen seiner Filmmelodien zur Freude des Publikums selber in die Synthie-Tasten zu hauen. Die pulsten dann auch recht kräftig durch die Zuschauerreihen, was bei Klassikern wie dem Halloween-Thema zu spontanem Jubel führte.

Das Publikum selbst war gemischt: Männer und Frauen, jung und alt – alle waren da und alle saßen. Das förderte zwar den Musikgenuss des Connaisseurs, ärgerte aber sicher einige Bewegungswillige, die dazu verdammt waren, lediglich exzessiv mit dem Kopf zu wippen. Dass es auch anders geht, hatte Carpenter u.a. in London bewiesen, wo die Leute direkt vor der Bühne standen. Die Sitzordnung in der Stadthalle hatte etwas Musical-artiges, deswegen dauerte es mindesten 20 Minuten, bis der Funke tatsächlich überspringen konnte. Danach blieben auch noch gerade mal 50 Minuten Konzert übrig, denn nach weniger als anderthalb Stunden erschien schon "The End" auf den Leinwänden. Da John Carpenter aber bereits seine Viennale-Verpflichtungen am Tag zuvor aus gesundheitlichen Gründen absagen musste, darf man sich glücklich schätzen, dass er überhaupt spielte.

Fazit: Fans des Regisseurs/Komponisten (ich!) dürften ihre wahre Freude gehabt haben. Andere dürften sich ohnehin kaum in die Stadthalle verirrt haben, denn der Preis für ein Ticket wäre für einen Spontanbesuch wohl eher zu unerschwinglich gewesen. Ein etwas verspätetes Halloween-Schmankerl und eine gelungene Reise durch die Musik und die Filme eines der einflussreichsten Regisseure des vergangenen Jahrhunderts.

Andreas Müllauer

Redakteur seit 2013

studiert  Theater-, Film- und Medienwissenschaften

liebt Filme, Hunde & macht "irgendwas mit Medien"

Mail an Andreas.Muellauer(ät)unimag.at

 

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