BÜCHERBÖRSE

Little Big Sea: Wenn Träume zu Liedern werden

Little Big Sea im Interview © Katarzyna Makusz
Little Big Sea im Interview

Das Wiener Trio Little Big Sea hat am 7. November im ausverkauften Rhiz sein neues Album "Sister" vorgestellt. Wir haben Marlene Weber (Gesang) und Lukas Kunze (Beats) zum Interview getroffen und mit ihnen über ihre Musik, Träume und das Meer gesprochen.

UNIMAG: Euer neues Album ist endlich da! Wie war die Release Show?
Marlene:
Es war wirklich sehr nett. Wir haben im Vorhinein überhaupt nicht gewusst, was auf uns zukommt, aber dann lief der Vorverkauf schon ganz gut und es wurde recht voll. Es waren ganz viele Freunde da, aber auch ganz viele Leute, die wir nicht kannten.

Lukas: Ja, das Publikum war super, die hatten Lust auf uns! Ich musste leider ein paar Freunde von mir wegschicken, weil sie einfach zu spät waren... Freunde sind toll, aber fremde Leute sind wieder mal was anderes, weil du weißt, dass sie wegen der Musik da sind (lacht).

Wie darf man sich eure Konzerte denn vorstellen – eher ruhig oder wird's auch mal laut?
Lukas:
Wir haben mittlerweile eine solide Mischung aus beiden. Wir waren am Anfang ziemlich ruhig, wir haben uns dann aber bemüht, ein bisschen mehr für das Publikum zu machen, damit sich die Leute mehr bewegen können.

Marlene: Wir spielen jetzt auch größere Konzerte mit einem Live-Schlagzeuger und das ergibt natürlich eine andere Dynamik.

Warum heißt euer neues Album "Sister"?
Marlene:
Ich weiß nicht, ob es auf unserem Album wirklich ein Hauptthema geben könnte, aber ich finde "Sister" passt voll schön. So heißt auch unser Intro und es geht in diesem Lied um eine uralte Freundschaft zwischen zwei Mädchen – dass sie sich verändern kann, aber auch irgendwie nie verändert. Auf unserem Album geht es ganz viel um Kindheit, Kindheitserinnerungen, Träume, Gefühle, Denken, Erleben...

Wenn wir schon bei dem Thema Träume sind, kommen wir noch zu eurer Musik im Allgemeinen: Ihr nennt es ja Dream Pop, was versteht ihr unter dem Begriff?
Lukas
: Das waren nicht unbedingt wir, es ist uns eher gesagt worden, dass es Dream Pop ist. Wir sind gar nicht unzufrieden damit, irgendwie muss man es ja nennen.

Marlene: Im weitesten Sinne sind wir einfach Indie Pop.

Lukas: Unsere Musik ist daraus entstanden, was wir zu dritt beigetragen haben und was unter'm Strich Dream Pop ist. Das sind viele hallige Flächen, es ist sehr sphärisch, wir versuchen gemeinsam mit dem Publikum in unsere eigene Welt abzutauchen. Das ist dann wahrscheinlich Dream Pop.

Werden Träume auch zum Thema?
Marlene:
Es gibt tatsächlich Lieder, in denen es um Träume geht.

Lukas: Tagträume, Alpträume, normale Träume... Wir sind selbst wahrscheinlich ein bisschen Träumer. Wir haben die Möglichkeit, uns kreativ auszudrücken und das machen wir dann auch.

Wovon träumt ihr denn?
Marlene:
Ich träume immer ganz komisch, ich bin total gruselig nachts. Ich stehe auf einmal auf und gehe aus dem Zimmer, träume von irgendwelchen Käfern... Die ganzen Traumtexte habe ich dazu reingeträumt. So kommt das Traummotiv. Ich habe aber nicht nur Alpträume. Ich bin schon auch von meinem eigenen Lachen aufgewacht, meine Träume sind einfach sehr intensiv. Schöner, neuer Stoff für Lieder.

War es schon einmal so, dass du mit einer konkreten Lied-Idee aufgewacht bist?
Marlene:
Ganz ehrlich, nein. Es gibt viele Situationen, aus denen ich Texte ziehen kann, aber dieser Klassiker vom Künstler, der mitten in der Nacht aufwacht – das ist mir noch nicht passiert.

Denkst du, dass es überhaupt möglich ist?
Marlene:
Es ist sicher möglich. Ich glaube, dass alles in der Musik möglich ist.

Habt ihr ein Lieblingsstück auf dem Album?
Lukas:
Vielleicht „"Rules".

Marlene: Bei mir "Sister", aber "Rules" steht auch im Feld. Man hat immer ein Lied, das man lieber mag und eins, auf das man überhaupt keine Lust mehr hat. Es ist so auf und ab – wie mit Kindern. (lacht)

Lukas: Dadurch, dass wir jetzt einen Schlagzeuger dabei haben und viel an den Live-Versionen gearbeitet haben, sind manche Songs anders live als auf dem Album und dann findest du vielleicht von einem Song die Live-Version toller. Es ändert sich auch immer mal wieder, was auch gut so ist.

Eine Standardfrage, die mich aber dennoch interessiert: Warum nennt ihr euch Little Big Sea?
Lukas:
Wir wollen das Meer, die großen Flächen, das große Ganze, wir wollen ganze Songs schreiben und die sind eine große Fläche. Gleichzeitig aber ist es auch das kleine Meer, weil jeder Ton ein Tröpfchen in dem Ganzen ausmacht. Das ist der Vergleich: Der Song ist das ganze große Meer und die einzelnen Töne darin sind die Tröpfchen, die das Meer zum Meer machen.

Marlene: Das Meer ist auch etwas sehr Verträumtes, Melancholisches.

Lukas: Wir sind alle sehr große Freunde des Meeres.

Warum denn?
Lukas:
Das Wasser ist einfach ein tolles Ding. Du stehst vor dem Meer und siehst nichts Anderes als Wasser. Ich werde auch immer wirklich gesund, wenn ich in der Nähe vom Meer bin, weil salzige Luft mir guttut. Vielleicht sehnt man sich nur danach, wenn man nicht am Meer wohnt, aber wir drei haben da einen starken Bezug dazu.

Habt ihr eine Lieblingsdestination?
Marlene:
Definitiv Nordsee. Es ist eigentlich nie wirklich gutes Wetter, es ist immer ziemlich windig und alles ist total romantisch und wild... Ich habe lange in Australien gelebt, ich war wirklich an vielen Meeren im meinen Leben, aber die Nordsee wird immer das Meer bleiben, zu dem ich fahren will.

Kann man australische Einflüsse in eurer Musik erkennen?
Marlene:
Auf jeden Fall. Vor allem textmäßig habe ich in Australien viel weitergebracht. Damals gab es Little Big Sea noch nicht, aber da habe ich z.B. angefangen, "Philadelphia" zu schreiben. Es geht um den Bezirk, in dem ich jetzt lebe, nämlich um Meidling. Damals war es eigentlich ein Heimweh-Lied. Das war in der zweiten Woche in Australien, ich war von allem total überfordert und jetzt ist es eine Mischung aus Heim- und Fernweh geworden.

Lukas: Eine Mischung aus Australien und Meidling (lacht).

Bedeutet Meidling viel für dich oder ist das einfach ein Bezirk, in dem du wohnst?
Marlene:
Das ist das erste Mal in Wien, dass ich wirklich so eine Grätzl-Verbindung habe. Ich arbeite jetzt in einer Pizzeria und dadurch kenne ich die Leute, die da wohnen. Man begrüßt sich dann auf der Straße. Ich liefere auch, also weiß ich auch, wo welche Straße ist. Es ist schön.

Lukas: Wir proben auch bei Marlene zu Hause, weil wir normalerweise keinen Schlagzeuger haben. So können wir auf Zimmerlautstärke spielen. Der Hund sitzt immer daneben, ist sogar auf unserem Album erwähnt. Wenn wir schiefe Töne spielen, dann legt er den Kopf schief...

Marlene: ...und schaut uns böse an!

Lukas: Das ist sehr hilfreich.

Was plant ihr für die Zukunft?
Lukas:
Ach, wir haben doch erst das Album rausgebracht!

Marlene: Es ist jetzt mal prinzipiell total schön, das zu genießen, das Album war schon ganz lange fertig. Jetzt ist es raus und wir können an neuen Sachen arbeiten.

Lukas: Wir haben sehr intensiv auf den gestrigen Abend hingearbeitet, jetzt ist ja ein Haken dahinter. Wir werden schauen, wie es weitergeht.

Marlene: Unser nächstes Konzert in Wien wird am 30. Jänner im Radio Kulturhaus stattfinden, da spielen wir mit Hearts Hearts zusammen. Da gestern das Rhiz ausverkauft gewesen ist, dachten wir uns, dass wir den nächsten größeren Schritt ins RKH gehen.

Wir freuen uns schon darauf! Vielen Dank für eure Zeit und das nette Gespräch!

 

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