BÜCHERBÖRSE

Yasmo & die Klangkantine veröffentlichen gleichnamiges Debütalbum

Debütalbum von Yasmo & die Klangkantine ab 6. Januar 2017 © ink music
Debütalbum von Yasmo & die Klangkantine ab 6. Januar 2017

Yasmin Hafedh aka Yasmo hat sich seit spätestens ihrem zweiten Album "Kein Platz für Zweifel" (2013) einen beachtlich großen Namen als Female MC zugelegt und ist seitdem aus der deutschsprachigen Hip Hop Landschaft nicht mehr wegzudenken. Seit einiger Zeit umgibt sich die leidenschaftliche Poetry Slammerin aus Wien mit einer neunköpfigen Jazzband und daraus entstand vor ungefähr zwei Jahren das Projekt Yasmo & die Klangkantine. Am 6. Januar 2017 veröffentlicht die Truppe ihr gleichnamiges Debütalbum. Die Rap Szene mischt Yasmo mit ehrlichen und kritischen Texten und einer – nun mit der Klangkantine entstandenen – perfekten musikalischen Symbiose aus Hip Hop und Jazz auf.

Dass sich Yasmo kein Blatt vor den Mund nimmt, merkt man bei jedem einzelnen Song des neuen Albums. Kritische Themen werden hinterfragt und auf clevere Art und Weise mit viel Ironie, Augenzwinkern und notwendiger Ernsthaftigkeit angesprochen. Von Migration und Feminismus über Gleichberechtigung und Beziehungsproblemen bis hin zur Politik bekommt jede bröckelnde Säule unserer Gesellschaft ihre Aufmerksamkeit.

Los geht die Platte mit dem Song "YKK" und der Textzeile "Die Poesie und die Musik werden zum Lied. Notenblatt geordnet, Notizhefte vollgeschrieben". Mit passenderen Worten könnte dieses Album gar nicht erst beginnen. 

Der zweite Track "Rouge" ist eine Hommage an die kleinen Peinlichkeiten des Alltags. Yasmo rappt dabei selbstironisch über die Fettnäpfchen, in die sie sich gerne lieber mal mit vollem Körpereinsatz reinlegt, als nur kurz reinzutreten.

Einer der ersten musikalischen Vorboten war "weit weit weg". Der Song reiht sich an dritter Stelle am Album ein, bei dem es um die allseits gewollte Alltagsflucht und das sehnsüchtige Fernweh geht und wo oben drauf noch die Mit-offenen-Augen-durch-die-Welt-geh-Attitüde angesprochen wird.

Der nächste Song "heute bin ich unsterblich" springt schon beim ersten Beat ans Bein, lässt es zappeln und gleichzeitig den Kopf mitschwingen. Eine starke und schnelle Nummer, die sofort zum Tanzen anregt und dazu motiviert, gleich den nächsten Club aufzusuchen.

Der Soundtrack fürs Zuhausebleiben findet sich als fünfter Song namens "einer dieser Tage" wieder. Yasmo findet die perfekten Worte dafür: "Das Verlangen aufzustehen ist Minus zwei auf einer Skala von eins bis zehn. Ich bin heut bequem. Mein Schrittzähler kann belegen, ich werde heute nur durch meine Wohnung gehen." Prokrastination to the fullest! Schön zu wissen, dass es anderen Menschen auch so geht.

Beim Lied "zwei" wird klar, wofür Yasmo steht und welches Thema ihr wichtig ist: Es geht um Menschlichkeit, um die pure Form von Empathie und Respekt. Dabei wehrt sie sich verbal gegen Rassismen und Engstirnigkeit und Formen von Wut und Hass, die in unserer Gesellschaft leider immer mehr Rückenwind bekommen.

Die Nummer "#yasmohatgesagt" schildert die zwischenmenschlichen Kommunikationsschwierigkeiten und Verständnis-Stolpersteine, über die schon viele von uns gefallen sind. Ein Song, der dabei an die beliebte Helmi-Aussage "Augen auf, Ohren auf" erinnert, die alle 90ies Kids bestimmt noch gut kennen werden.

Beim achten Stück "Phönix" rappt Yasmo über die Asche und wie man sie manchmal abschütteln muss, nachdem sie sich in so manchen Beziehungen hartnäckig abgesetzt hat.

Die erste Veröffentlichung des Albums als Videoformat war der Song "Salzwasser". Bei dem Track kommen die Poetry Slam Wurzeln von Yasmo stark durch. Beim Sprechgesang über eine offene Gesellschaft mit geschlechtlicher Gleichberechtigung beschreibt die Rapperin ihre unterdrückenden Erfahrungen mit klaren Worten: "Und ich traf auch auf Menschen die von oben herab lächeln und sagten: Kleines, du bist süß, aber lass das mit dem Rappen." Yasmo lässt hier ihre Taten für sie sprechen und zeigt so den Leuten, die nicht an sie glauben (wollten) musikalisch den Sarkasmus-Mittelfinger.

Neben "Salzwasser" ist die nächste Nummer "girls wanna have fun" ein weiteres feministisches Herzstück der Platte. Hierbei nimmt Yasmo ironisch die ungleichen Behandlungen und Rechte von Männern und Frauen auf die Schippe und hinterfragt kritisch alteingesessene Machtstrukturen.

Die Platte endet mit der Trilogie aus "Noel" – einer Hymne auf das Aufeinander-Zugehen, dem ruhigen und romantischen Liebeslied "Baby" und schlussendlich dem Outro "1000 Liebe".

Yasmo hat sich in den letzten Jahren den verdienten Ruf als eine der vielschichtigsten und interessantesten weiblichen Hip Hop Acts unseres Landes erarbeitet. Was beim Hören des Albums beziehungsweise ihrer kompletten Musik auf jeden Fall hängen bleibt ist die Zeile, die sich auch als großes Topic denken lässt: "Bis zum letzten Satz ist bei mir alles echt, denn in Rap steckt mehr als nur ein Geschlecht." Das kann man ruhig mal so stehen lassen!

Am 3. Februar 2017 wird das Album von Yasmo & die Klangkantine live im Wiener Konzerthaus präsentiert.

YASMO & DIE KLANGKANTINE – "Yasmo & die Klangkantine"
UNIMAG-Rating: 4 von 5 Punkten
Genre: Hip Hop, Jazz
Label: Ink Music
VÖ: 6. Januar 2017

Tracklist:

1. YKK
2. Rouge
3. weit weit weg
4. heute bin ich unsterblich
5. einer dieser Tage
6. zwei
7. #yasmohatgesagt
8. Phönix
9. Salzwasser
10. girls wanna have fun
11. Noel
12. Baby
13. 1000 Liebe (Outro)

Michael Haller

Musikredakteur

michael.haller@unimag.at

Instagram: michaelhllr

bei UNIMAG seit Oktober 2013

 

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