BÜCHERBÖRSE

Jennifer Rostock begeisterten das restlos ausverkaufte Gasometer

Eskalation mit Jennifer Rostock im ausverkauften Wiener Gasometer © Birte Filmer
Eskalation mit Jennifer Rostock im ausverkauften Wiener Gasometer

Die aktuelle "Genau in diesem Ton"-Tour von Jennifer Rostock ist seit Gründung der Band vor zehn Jahren bis jetzt ihre größte Hallen-Tournee. Das zeigte sich auch in Wien: Nachdem die Band erneut die Arena ausverkaufte, wurde die Show am 11. Februar 2017 ins Gasometer hochverlegt – und zack, auch das Konzert im Gasometer war ausverkauft. Grund dafür ist in erster Linie die Musik der fünfköpfigen Band, aber auch ihre extrem stabile und immer weiter anwachsende Fanbase. Mit ihrem aktuellen Album "Genau in diesem Ton" landete die Berliner Band nach Veröffentlichung am 16. September 2016 einen weiteren Erfolg und stieg mit der Platte auf Platz 2 der deutschen Albumcharts ein. Die Rostocker zeichnen sich durch gekonnt gesellschaftskritische, augenzwinkernde und tiefgründige Texte aus, einer Bühnenshow, die ihresgleichen sucht und einer Bodenständigkeit, die in diesem Business (vor allem nach zehn Jahren) nicht mehr oft zu finden ist. All diese Aspekte der Band fanden sich auch am Abend im Wiener Gasometer wieder.

Den Abend eröffneten Jupiter Jones. Die erste Hälfte der Tour wurden Jennifer Rostock noch von den Rogers supportet, das Konzert in Wien war der erste Abend, an dem die Jungs von Jupiter Jones im Vorprogramm spielten. Mit neuem Sänger Sven Lauer begeisterte die Band die wartenden JR-Fans, die durchgemischter nicht sein konnten: Vom Punker-Girl über Emo-Kids bis hin zu älteren Metal-Heads lockten Jennifer Rostock an dem Abend ein extrem breites Publikum ins Wiener Gasometer.

Gegen 21 Uhr stürmten dann erst die Jungs von Jennifer Rostock und schließlich auch Frau Weist die Bühne. Der Opener ihrer Show war der Song "Baukräne" der aktuellen Platte, bei dem Jennifers stimmliche Bandbreite bereits voll zum Einsatz kam. Die Band hatte nicht nur neue Songs des aktuellen Albums dabei, auch das Gruppenbild auf der Bühne war anders: Bei dieser Tour wird Alex Voight von Backliner Elmar an der Gitarre abgelöst, da der Hauptgitarrist zurzeit in Berlin auf Babypause ist. Neben dem neuen Gesicht an der E-Gitarre blieb bandtechnisch ansonsten alles beim Alten: Jennifer Weist als Rockröhre vorne an, Johannes Walter am Keyboard, Christoph Deckert am Bass und Christopher Kohl am Schlagzeug gaben ihr Bestes on stage und heizten der ausverkauften Halle ordentlich ein. Musikalisch war der Abend ein Mix aus alten und neuen Songs. Nummern wie "Kopf oder Zahl" von ihrer Debütplatte "Ins offene Messer" (2008) oder "Mein Mikrofon" vom Album "Mit Haut und Haar" aus dem Jahr 2011 kamen ebenso gut an wie die aktuellen Stücke "Neider machen Leute" oder "Wir waren hier" der neuen Platte. Zwischendrin tauchte die Band plötzlich am hinteren Publikumsteil auf einer Zweitbühne auf, um dort ein kleines Akustikset, bestehend aus den Songs "Irgendwo anders" und "Jenga", zu spielen. Abwechslungsreich ging es weiter, indem bei zwei Songs der enge Freund der Band Nico Webers (War From A Harlots Mouth) Jennifer mit seinen Deathcore-Wurzeln stimmlich unterstütze. An späterer Stelle holte sich Jennifer nochmal männliche Unterstützung auf die Bühne, dieses Mal jedoch von Sven, dem Sänger der Vorband Jupiter Jones, der mit der Frontfrau den Song "Schlaflos" im Duett performte.

Jeder, der Jennifer Rostock kennt, weiß, dass es sich hierbei um eine Band hat, die nicht nur musikalisch etwas zu sagen hat, sondern auch politisch bzw. sozial eine klare Richtung vertreten, was auch an dem Abend im Gasometer deutlich wurde. Jennifer sprach sich lautstark pro Ausschnitt, pro Schlabberpulli und pro Kopftuch aus und machte vor allem den weiblichen Konzertbesuchern Mut, sich so anzuziehen, wie sie es wollen und sich dabei am wohlsten fühlen. Später bezeichnete Frau Weist US-Präsident Donald Trump als "hässlichen gelben Sack" und forderte gleichzeitig zum Wählen auf. Vorm Song "Ein Schmerz und eine Kehle" machte sich die Sängerin stark für die LGBT-Community und schwenkte beim Song gewohnt die Regenbogenfahne. An späterer Stelle wurde auch noch ein klares Statement gegen Rechts abgebeben, bei dem sowohl die Band als auch das Publikum mit erhobenen Mittelfingern den mittlerweile allseits bekannten JR-Slogan "Nazis raus, Schwanz rein!" brüllten.

Die letzte Nummer Show war dann "Hengstin", bei der Jennifer zuerst wieder auf der kleinen Zweitbühne auftauchte, danach aber wieder vorne neben ihrer Band den starken Song performte und gleichzeitig nach ihren Hengstinnen (und auch Hengsten) im Publikum suchte und diese aufforderte, mitzutanzen (was bei dem sehr elektronischen Song von fast allen Fans sowieso bereits getan wurde).

Unter einem beachtlichen Konfettiregen endete schlussendlich die fast zweistündige Show und hinterlassen wurden 2.800 zufriedene Jennifer Rostock Fans, die gewohnt auf ihre Kosten kamen. Ein Abend voller guter Musik, guter Aussagen und guten Menschen.

Michael Haller

Musikredakteur

michael.haller@unimag.at

Instagram: michaelhllr

bei UNIMAG seit Oktober 2013

 

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