BÜCHERBÖRSE

Out Of The Woods 2017: Wo Indie-Herzen höher schlagen

Feist am Out Of The Woods 2017 © Petra Püngüntzky
Feist am Out Of The Woods 2017

Das Boutique-Festival Out Of The Woods ging heuer in seine zweite Runde und holte von 20. bis 22. Juli so ziemlich alles ins burgenländische Wiesen, was in Indie-Kreisen Rang und Namen hat. Ob Alt-J, FoalsPhoenix, SOHN oder Feist – sie alle wussten das Publikum auf ihre Weise zu begeistern.

Es werde Licht!

Nach seiner gelungenen Erstauflage im Vorjahr wurde das Out Of The Woods 2017 um einen dritten Festivaltag erweitert und kehrte somit von Donnerstag bis Samstag auf das idyllische Festivalgelände Wiesen zurück. Der Einstiegstag wartete mit soliden Auftritten von Fil Bo Riva, Drangsal und Milky Chance auf und fand seinen Höhepunkt mit einem beeindruckenden Lichtspektakel von Alt-J.

Spieglein, Spieglein an der Wand...

Am Freitag sprang Rat Boy für Declan McKenna auf der Hauptbühne ein – ein Ersatz, den man sich hätte sparen können. Giant Rooks, die unterdessen auf der Zweitbühne auftraten, hätten da um Welten besser auf die große Stage gepasst. Trotz anfänglicher Besorgnis, wie ruhige Sets wie jene von Schmieds Puls und Conner Youngblood auf einem Festival ankommen würden, wurden wir am Ende durchaus positiv überrascht, obwohl typische Festival-Bands wie Metronomy, deren Songs sich zwar alle gleich anhören, aber tanzbar sind, natürlich immer besser funktionieren. Auch Alice Merton versammelte eine beachtliche Menschenmenge vor der Bühne.

Was aber die Foals auf der Hauptbühne ablieferten, kann kaum in Worte gefasst werden. Sie sind eine der konstant besten Livebands unserer Zeit und lieferten am Out Of The Woods einmal mehr den Beweis dafür. Phoenix, die als Headliner auf dem Programm standen und in Wiesen ihren ersten Österreich-Auftritt seit einer halben Ewigkeit feierten, überzeugten zwar mit weniger Power, dafür mit umso mehr guter Laune und Authentizität, sodass sie das Publikum in kürzester Zeit in ihren Bann zogen. Die reflektierende Spiegelband als Bühnendekoration und die zahlreichen Publikumsbesuche von Leadsänger Thomas Mars taten ihr Übriges.

Es war uns ein Vergnügen!

Bevor Farewell Dear Ghost den Samstag, und damit auch schon den letzten Festivaltag, mit einem feierlichen Auftritt einläuteten, gab Ansa Sauermann noch spontan ein Überraschungskonzert im Wiesen Village. Cigarettes After Sex sorgten im Anschluss mit ihrem sanften, verträumten Set für ein weiteres Highlight. Bei der arroganten Attitüde von Kensington und den country-lastigen Strumbellas wollte der Funke bei uns dann leider nicht so überspringen. Bei Benjamin Clementine dafür umso mehr. Mit einer unglaublichen Stimmgewalt und seiner einnehmenden Persönlichkeit trat der Brite dem Wiesen-Publikum zwar durchaus fordernd entgegen, aber gerade dadurch zeigte der Zauber seiner Performance auch die gewünschte Wirkung.

Christopher Taylor aka SOHN drehte anschließend die Bassregler bis zum Anschlag und versetzte die Menge mit seinen elektronischen Beats und seiner souligen Falsett-Stimme in absolute Ekstase. In der einstündigen Umbaupause für das große Finale luden Tender auf der Second Stage zum Weitertanzen ein. Doch dann war es endlich soweit: Feist beschloss das Out Of The Woods mit einem zauberhaften Auftritt und widmete die erste Hälfte ihres Sets ihrem ersten Longplayer seit sechs Jahren – "Pleasure". Die Festivalbesucher, die vom einsetzenden Regen unter das Zelt gelockt wurden, zeigten sich wenig begeistert. Erst, als die sympathische Kanadierin alte Klassiker wie "My Moon My Man", "1 2 3 4" oder "I Feel It All" auspackte, musste sie nicht mehr um deren Aufmerksamkeit kämpfen. Schade, dass so wenige dem neuen Material eine Chance gaben, denn hätte das Publikum hingehört anstatt zu plaudern, wäre dem ein oder anderen vielleicht aufgefallen, dass es sich um ein weiteres Meisterwerk einer begnadeten Musikerin handelt.

Musik YEY – Organisation NEY?

Was das musikalische Aufgebot betrifft, übertraf sich das Out Of The Woods zweifelsohne selbst. Außerdem konnte das Boutique-Festival mit einer schönen Fassade punkten, bei der die Influencer unseres Landes bestimmt ihre Freude hatten – immerhin wurde ihnen damit viel Material für ihre Instagram-Stories geboten. Wir würden uns bloß wünschen, dass sich mit der kommenden Ausgabe auch das Bild hinter den Kulissen ein wenig verbessert. Nicht nur einmal sind wir in den drei Tagen an ahnungslose Securities und Volunteers geraten, die ganz offensichtlich nicht (oder zu wenig) über ihre Tätigkeiten und das Gelände eingeschult wurden. So etwas hinterlässt immer einen fahlen Beigeschmack. Trotz alledem freuen wir uns schon auf eine Fortsetzung im Jahr 2018. Alle guten Dinge sind ja bekanntlich drei, nicht wahr?

Bilder: © Petra Püngüntzky

Petra Püngüntzky

Chefin vom Dienst | Content Managerin
Ressortleiterin Musik & Events
Redakteurin | Fotografin

petra.puenguentzky (ät) unimag.at

 

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