BÜCHERBÖRSE

5K HD: "Jeder Song auf dem Album ist wie ein eigenes kleines Universum"

5K HD im interview © Astrid Knie
5K HD im interview

Die Wiener Formation 5K HD – bestehend aus Kompost 3 und Schmieds Puls-Frontfrau Mira Lu Kovacs – bewegt sich mit ihrem Debütalbum "And To In A" (VÖ: 01.09. / Seayou Records) zwischen den Genres, zwischen experimentellem Jazz und eingängigem Pop, und besticht durch ihren facettenreichen Sound. Wir haben Martin Eberle, Lukas König und Manu Mayr zum Interview getroffen.

Eure EP "MeM" erschien noch unter Kompost 3 feat. Mira lu Kovacs. Wann habt ihr den Entschluss gefasst, mit 5K HD ein längerfristiges Projekt aus der Zusammenarbeit zu machen?

Manu: Es war uns wichtig, uns als Kollektiv zu betrachten, bei dem wir eine Band und nicht Band plus Sängerin sind. Wir haben auch eine unkonventionelle Bühnenaufstellung, bei der die Sängerin rechts und der Bass in der Mitte stehen. Unser Bandname 5K HD ist dabei auch als Kritik zu sehen. Es gibt immer wieder Erklärungsbedarf, ob es Kompost 3 und Schmieds Puls überhaupt noch gibt. Die Projekte gibt es natürlich nach wie vor.

Wie entstehen denn eure Songs in der Konstellation?

Martin: Es kommen von jedem Ideen, wir improvisieren und erarbeiten sehr viel im Kollektiv.

Lukas: Teilweise kommt der Text zuerst, teilweise die Musik.

Martin: Der Text kommt natürlich immer von Mira.

Was konntet ihr bei der Zusammenarbeit bisher voneinander mitnehmen?

Martin: Für Mira war die Art, wie Kompost 3 Stücke schreibt, ganz neu. Bei Schmieds Puls ist sie Musical Director, schreibt alles selbst und zeigt es ihren Bandkollegen. Demokratisch und im Kollektiv an Songs zu feilen, war für sie ein neuer Prozess. Wir kennen das vom Kompost schon so. Was für mich als Trompeter besonders interessant ist, ist Miras Stimme als zweite Melodie zu haben, mit der ich arbeiten kann. Es ist super, mit ihr zusammenzuarbeiten und eine Zweistimmigkeit zu entwickeln.

Manu: Für uns als Improvisationsband sozusagen, die einen gewissen Jazz-Background hat, war es total interessant, uns mit konkreten Songstrukturen auseinanderzusetzen, eine Stimme einzubauen und zu versuchen, gemeinsam ein neues Format zu finden. Es ist sehr durchwachsene Musik. Jeder Song auf dem Album ist wie ein eigenes kleines Universum. Es gab kein festgelegtes Schema, das wir durchgezogen haben, sondern es sind immer ganz verschiedene Soundwelten entstanden. Da ist von beiden Seiten sehr viel Input gekommen.

Wie geht ihr mit der positiven Resonanz um, die derzeit von allen Seiten der Musikszene spürbar ist?

Martin: Man freut sich natürlich, weil man selbst auch große Freude mit dem Ergebnis hat.

Spürt ihr so etwas wie Druck?

Lukas: Druck überhaupt nicht. Wir machen sowieso, was wir wollen (lacht) und warten auf die Stimmen, die etwas dazu sagen.

Martin: Wir lassen uns immer von innen heraus leiten. Was uns taugt, machen wir halt und orientieren uns nicht an der Szene oder was die Musikwelt gerade braucht. Deshalb ist es auch spannend zu beobachten, wie das ankommt, was wir gerade machen.

Manu: Jeder Einzelne von uns ist ja schon seit Jahren Freiberufler. Insofern gibt es nicht das Gefühl, dass wir jetzt diese eine Band haben und es mit der unbedingt klappen muss. Wir haben durch unsere Freigeistlichkeit und durch die vielen Felder, die wir abdecken, die Freiheit, uns ein bisschen von dem Druck frei zu machen.

In euren Videos legt ihr viel Wert auf eine gewisse Ästhetik und ihr spielt gerne mit Raum, Licht und Bewegung. Wie kommen die Ideen zustande?

Lukas: Das kann man definitiv von unserer Musik herleiten, weil uns alle Parameter, die du genannt hast, auch dort sehr wichtig sind – verschiedenste Räume, Klangfarben, Licht und Dunkelheit.

Manu: Wir hatten großes Glück, bisher sehr fähige und inspirierte Menschen um uns zu haben. Für "What If I" hatte Mira ein konkretes Konzept und hat das mit einem Kameramann mehr oder weniger zu zweit umgesetzt. Bei "Gimme" hat Serafin Spitzer Kamera gemacht und Regie geführt. Der hatte auch die Idee für das Indoor-Skydiving und hat für die Umsetzung ein riesiges Team zusammengestellt.

Martin: Mit dem Fallschirmsprung und allem war das ein riesiger Organisationsaufwand.

Wenn wir schon von Ästhetik reden: Wovon müsste ein Kinofilm handeln, für den ihr den Soundtrack beisteuern würdet?

Martin: Allgemein vom Leben. Alles, was bei uns passiert, ist so natürlich. Da ist nichts erzwungen. Es wäre ein belangloser Film ohne Programm, bei dem es weniger um den Inhalt als um das Gefühl geht, das vermittelt wird.

Manu: Mich würd eigentlich alles interessieren. Vielleicht nicht unbedingt ein Roboter-Blockbuster, aber es könnte zum Beispiel auch etwas Dokumentarisches oder Politisches sein.

Lukas: Oder vielleicht einen Soundtrack für einen Josef Hader Film.

Martin: Ja, Josef Hader müsste auf jeden Fall vorkommen.

Musik hat in Österreich einen starken Aufschwung erlebt. Wie nehmt ihr das als Musiker wahr und inwiefern ist diese Veränderung für euch spürbar?

Manu: Man kriegt es schon mit, aber speziell, was unsere Musik betrifft, ist das überhaupt nicht im aktuellen, österreichischen Popgeschehen einzuordnen. Ohne jetzt ganz groß auftragen zu wollen, hat 5K HD doch ein internationaleres Format. Es ist zum einen auf Englisch gesungen und zum anderen ist auch die Musik dahinter auf keinen Fall in dem sonstigen österreichischen Popbewusstsein zu verorten. Ich glaube, dass das auch etwas ist, das vielen Veranstaltern und Journalisten gefällt, weil es nochmal ein neuer Beitrag zu Musik aus Österreich ist.

Wie hört ihr persönlich am liebsten Musik – hat sich das bei euch über die Jahre verändert?

Lukas: Bei mir eigentlich nicht. Ich hab noch einen CD-Player mit Anlage zu Hause und einem Autoradio mit CD-Player. Deshalb höre ich auch noch recht viele CDs. Ich hab mir auch wieder einen Plattenspieler gekauft, so einen billigen (lacht). Dadurch hör ich wieder Platten und natürlich hört man, wenn man produzententechnisch aktiv ist, auch viel mit guten Studioboxen Musik.

Manu: Ich glaub, viel wichtiger ist die Abhörsituation an sich. Ich höre mittlerweile immer weniger unterwegs. In einem guten Studioraum mit einem guten Abhörer ist für mich das Wesentliche. Welches Medium das dann ist, ist eigentlich nebensächlich. Es fällt einem natürlich schon auf, dass YouTube oft eine sehr schlechte Qualität hat. Insofern versucht man, an gute Files ranzukommen.

Lukas: Aber wenn man mal schnell etwas hören möchte oder sucht, hört man es schon über YouTube.

Martin: Die Platte hat für mich sowas nostalgisch Schönes. Man hat etwas in der Hand und das Cover ist auch meistens super. Was mir aufgefallen ist: Ich hab eine alte Jazz-Platte von Miles Davis auf CD gehabt und nie gehört. Dann hat der damalige Wohnungskollege die auf Platte aufgelegt und es hat mich total geflasht. Seitdem hab ich "Kind Of Blue" sicher schon hundertmal gehört und auf CD halt nie. Ich glaube, dass das auch damit zu tun hat, dass die Platte wie ein kleiner Schatz ist. Das hat sich bei mir verändert, dass ich weniger CDs habe und dafür wieder mehr Platten sammle.

Manu: Aber im Consumer-Bereich hat sich das Verhalten natürlich total geändert. Das ändert auch viel an der Hörgewohnheit und hat Einfluss darauf, wie produziert wird. Produzenten achten darauf, wer wie was konsumiert. Und wenn es Statistiken gibt, dass Hausnummer 60 Prozent der 18-Jährigen Musik nur noch über Handylautsprecher streamen, dann entwickelt sich die Musikproduktion in eine bestimmte Richtung. Wir haben uns nicht wirklich daran orientiert. Es ist eine Differenz, die man in Betracht ziehen sollte, aber wir wollen nicht für dieses spezielle Format produzieren.

Eure Musik hat oftmals einen futuristischen Klang. Was müsste eurer Meinung nach noch erfunden werden?

Martin: Das Hoverboard (lacht).

Manu: Es gibt natürlich schon einen Grund, warum wir das machen, was wir machen. Ich würde mir wünschen, dass es mehr Menschen gibt, die so arbeiten wie wir. Ich finde, dass zu viele angepasste Sachen passieren und zu wenig über die eigene persönliche Aussage nachgedacht wird. Insofern würde ich mir mehr Eigenständigkeit wünschen.

Lukas: Ein bisschen weg von dem ganzen Mainstream. Wenn wir die Frage auf Musik beziehen: In der Musik gibt es so viel Mainstream-Bullshit und viele junge Bands machen dann genau dasselbe, weil sie wissen, dass das funktioniert und sie eine kleine Chance auf Erfolg haben. Das verliert total an Tiefe.

Martin: Das kann man auch auf Politik ummünzen, weil Populismus jetzt gerade funktioniert und jede Partei – egal ob links oder rechts – auf den Zug aufspringt. Niemand riskiert mehr etwas. Vielleicht bräuchte es ein Tool, mit dem jeder lernen kann, er selbst zu sein, selbst nachzudenken und sich selbst eine Meinung zu bilden.

Zuerst ein Auftritt auf dem Popfest, dann am Jazzfestival in Saalfelden. Wie nimmt das Publikum in diesen unterschiedlichen Settings eure Musik an?

Manu: Ich glaube, wir wurden beim Jazzfestival zum einen als Fremdkörper, zum anderen aber auch als willkommene Bereicherung wahrgenommen. Die Festivalkuratoren freuen sich, wenn sie anecken und etwas Neues präsentieren können.

Martin: Die Rolle erfüllen wir perfekt wie auch zuletzt am Popfest. Wir sind keine reine Popband und sind dadurch auch ein bisschen rausgestochen.

Manu: Wir sind sozusagen überall ein Fremdkörper und von den Kuratoren als willkommener Gegenpol zum Normalbetrieb gemeint. Es freut uns, dass wir viele Felder abstecken und auch die Reaktion des Publikums erleben können. Beim Jazzfestival war es sehr diametral zum Popfest.

Lukas: Aber es gab zum Beispiel unter den älteren Free Jazz Fans viele, die meinten, unsere Musik hätte sie an Pink Floyd aus den 70ern erinnert.

Martin: Da wurde dem Publikum ein Zugang zu etwas geschaffen, das sie auf normalem Wege vielleicht nie gehört hätten.

Manu: Wir können mit einem Album natürlich nicht die Welt verbessern, aber was wir schon erreichen können, ist, mehr Kommunikation zwischen den Szenen herzustellen. Es war für uns schon immer interessant, da eine Art Katalysator zu sein.

Martin: Und es auch herauszufordern, dass diese Welten miteinander kommunizieren müssen.

Lukas: Stimmt. Ich hab schon das Gefühl, dass es vor allem in Wien viele verschiedene Szenen gibt, die einander nie begegnen. Schon mit Kompost haben wir gern in anderen Gefilden gespielt und das fühlt sich gut an. Wir haben das Gefühl, dass sich das in den vergangenen Jahren generell mehr vermischt hat.

Martin: Man sieht es ja auch auf Festivals, die sich jetzt viel mehr austauschen.

Manu: Es fühlt sich so an, als wären wir Teil der Entwicklung und das ist ein schönes Gefühl.

Im Oktober touren 5K HD quer durch Österreich:

06.10. WUK (Wien)
12.10. Orpheum (Graz)
18.10. Treibhaus (Innsbruck)
19.10. Spielboden (Dornbirn)
25.10. Container 25 (Wolfsberg)
26.10. Stadtwerkstatt (Linz)

Petra Püngüntzky

Chefin vom Dienst | Content Managerin
Ressortleiterin Musik & Events
Redakteurin | Fotografin

petra.puenguentzky (ät) unimag.at

 

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