BÜCHERBÖRSE

Sigur Rós in Wien: Klangexplosion in zwei Akten

Sigur Rós live im Wiener Gasometer © Petra Püngüntzky
Sigur Rós live im Wiener Gasometer

Dass Sigur Rós zu den weltweit besten Live-Bands zählen, wird jeder bestätigen können, der die Isländer schon einmal in Aktion erleben durfte. Am Montagabend waren die zum Trio geschrumpften Post-Rocker im Wiener Gasometer zu Gast und boten ein sphärisches Klanggewitter in zwei Akten.

Die Performances von Sigur Rós sind einfach nicht von dieser Welt. Daran kann nicht einmal die Tatsache etwas ändern, dass Jonsi Birgisson, Goggi Hólm und Orri Páll Dýrason seit dem Ausstieg ihres Keyboarders vor vier Jahren nur noch als Trio auftreten und live unweigerlich mehr sampeln müssen als früher.

Selbst im Wiener Gasometer, das üblicherweise für seinen schlechten Sound verschrien ist, schaffte es die Band, ihre Musik in zwei Sets – ohne Vorband – perfekt zu inszenieren. Während sich Sigur Rós im ersten Teil mit unaufdringlichem Ambient-Sound präsentierten, wie er auf "Ekki Múk" vom sechsten Album "Valtari" zu finden ist, gingen sie nach der Pause im zweiten Akt deutlich schneller und bedrohlicher zur Sache. Die drei Musiker wirkten fast wie Kunstfiguren, die ihre Instrumente mal zart, dann wieder mit viel Brutalität bearbeiteten. Digitiert wurde das Trio dabei von Sänger Jonsi Birgisson, der seine Gitarre wie gewohnt mit einem Cellobogen spielte. Er ist es auch, der die Songs mit seinem Falsettgesang maßgeblich prägt.

Unterstützt wurden die sphärischen Klänge durch eindrucksvolle Visuals, die das Publikum in eine ganz eigene Welt eintauchen ließen und erst nach insgesamt zwei Stunden Spielzeit und dem aufleuchtenden Schriftzug "takk" ("Vielen Dank" auf Isländisch) wieder zurück in die Realität holten. Nur einmal richtete die Band einige Dankesworte an ihre Fans – allerdings auf Isländisch. Verstanden hat das wohl kaum jemand, ohrenbetäubenden Applaus gab es trotzdem.

Bilder: © Petra Püngüntzky

Petra Püngüntzky

Chefin vom Dienst | Content Managerin
Ressortleiterin Musik & Events
Redakteurin | Fotografin

petra.puenguentzky (ät) unimag.at

 

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