TRAINEEPROGRAMME

Glen Hansard geht auf Seelenrettung im Wiener Gasometer

Glen Hansard tritt mit 12-köpfiger Band auf © Petra Püngüntzky
Glen Hansard tritt mit 12-köpfiger Band auf

Letzten Sonntag gaben Glen Hansard und seine Band im Zuge seines neuen Albums ein sehr gut besuchtes Konzert im Wiener Gasometer. Der sichtlich gut gelaunte Ire und seine Mitstreiter spielten ein abwechslungsreiches Set, das über zwei Stunden dauerte. Wieso das Konzert trotzdem nicht für restlose Begeisterung sorgte, könnt ihr hier nachlesen.

Nach einem ruhigen Intro starten Glen Hansard und seine 12-köpfige Band mit "Roll On Slow", dem Opener des aktuellen Albums "Between Two Shores". Sofort fällt Hansards neue Liebe zum rockigen Big-Band Sound auf. Wenngleich der Song nicht wesentlich mehr als eine auf vier Akkorden basierende Jam ist, geht es – statt um die Komplexität – hier vielmehr um das Herzblut der Musiker, die das Stück zu einer sehr launigen Angelegenheit machen. Ebenfalls hilfreich ist der auffallend gute Sound im Gasometer, der in letzter Zeit bereits öfter positiv überrascht hat.

Glen Hansard ist dafür bekannt, dass niemand so schön leidet wie er. Seine Songs über Liebesschmerz gehen nicht nur aufgrund der eindringlichen Lyrics unter die Haut, sondern vor allem aufgrund der einzigartigen Intensität der Darbietung. Bei Songs wie "My Little Ruin" oder dem Konzerthighlight "When Your Mind's Made Up" hat man das Gefühl, dass Hansard die Situation jedes Mal neu durchlebt. Hier braucht es nicht mehr als den Mann selbst, seine Stimme sowie seine Gitarre. Nichtsdestotrotz zieht die 12-köpfige Band alle Register. Der Schlagabtausch zwischen der Streicher- und Bläsersektion gepaart mit Hansards mächtigem, beinahe flehendem, Gesang im Finale von "When Your Mind's Made Up" lässt niemanden kalt. Auch der berührende neue Song "Shelter Me", in dem es um einen Obdachlosen geht, der über die wichtigsten Dinge, die sein Leben ausmachen, sinniert, gehört zu den großen Lichtblicken dieses Abends. Nach dem Bombast der voran gegangenen Lieder spielt der Ire diesen Song ganz alleine auf dem Klavier und sorgt für Gänsehaut im Publikum. Natürlich durften auch das mit einem Oscar ausgezeichnete "Falling Slowly", das Glen Hansard endgültig weltberühmt machte, sowie der The Frames Klassiker "Fitzcaraldo" an diesem Abend nicht fehlen.

Im Laufe des Abends wurde augenscheinlich, dass der Ire wohl nur mehr bedingt Lust darauf hat zu leiden. Abgesehen von den erwähnten Highlights bewegt sich Hansard immer mehr in musikalisch sehr konventionellen Gefilden. Das Ganze ist aufgrund der pompös ausgestatteten Musik der Band immer sehr schön anzuhören und aufgrund seiner Art extrem sympathisch. Etwas mehr Dramatik im Songwriting jedoch, womit der Musiker schließlich während seiner Zeit bei der Band The Frames bekannt wurde, hätte der Setlist an diesem Abend sicherlich nicht geschadet.

Beispielsweise das von Curtis Fowlkes, dem Trombonenspieler der Band, gesungene "Wedding Ring" ist von üblicher Fahrstuhlmusik nicht mehr groß zu unterscheiden. Hansard möchte nicht mehr leiden und suhlt sich, seine musikalischen Mitstreiter und das Publikum stattdessen in wohlklingenden Wohlfühlsongs. Dies wird bei einer Spielzeit von weit über zwei Stunden – trotz der sehr gut gelungenen Instrumentalisierung – leider langweilig. Das Publikum ist trotzdem durch die Bank begeistert. Bei seinem irischen Charisma und seinem nicht bestreitbaren Talent ist die Begeisterung auch absolut kein Wunder. Wer die vergangenen Wohltaten des Künstlers kennt, kann jedoch nicht anders, als dennoch leicht enttäuscht nach diesem Abend nach Hause zu gehen. Dass Glen Hansard nicht mehr leiden möchte, darf man ihm nicht böse nehmen, etwas weniger belanglos könnte sein neu eingeschlagener Weg trotzdem sein.

Daniel Shatkin

Musikredakteur

Instagram: shachty

 

Log in or create an account

fb iconLog in with Facebook