TRAINEEPROGRAMME

Leyya: "Unsere Musik soll für dieses Jahrzehnt sprechen."

Leyya im Interview © Ella Kronberger
Leyya im Interview

Oh Wow! Zwei Jahre nach ihrem erfolgreichen Debütalbum melden sich Leyya mit einem noch heißeren Nachfolger zurück. Auf "Sauna" finden sich Klänge wieder, die sich noch nie zuvor getroffen haben, aber zusammen eine faszinierende Einheit bilden. Quasi spontan entstanden, spiegelt es das heterogene Dampfbad wieder; auch wenn das Duo selbst noch nie in einem war.

UNIMAG: Ihr habt mit eurem Debütalbum schnell Erfolg gehabt. Habt ihr bei der Arbeit an "Sauna" den Druck gespürt?

Sophie Lindinger:  Einen gewissen Grad an Druck gibt es immer. Wir haben sofort nach dem Release vom ersten Album wieder Musik geschrieben – das ging automatisch. Dann haben wir uns überlegt, in welche Richtung wir gehen könnten. Ist es zu krass, wenn wir plötzlich den Stil ändern?

Marco Kleebauer: Wir versuchen immer die Musik zu machen, die aus uns rauskommt. Wir wollen, dass sie leicht zugänglich ist und da gehört es dazu, dass man eine Idee schnell einfängt und nicht so viel nachdenkt.

Warum macht ihr überhaupt Musik?

Marco: Das ist das Einzige, was wir können!

Sophie: : Ja (lacht). Wir sind beide mit Musik aufgewachsen. Wir sind dann nach Wien gezogen und haben dieses Projekt gestartet – wir wollten probieren, wie weit es gehen kann. Wir haben alles auf eine Karte gesetzt und uns ohne Plan B hundertprozentig darauf konzentriert. Natürlich mit ein paar Nebenjobs, weil man ja von irgendwas leben muss.

Marco: Ich habe als Kind eine natürliche Gravitation zu Musik gehabt. Ich habe da gar nicht darüber nachgedacht, sondern es einfach gemacht. So wie das Gehen Lernen. Man denkt nicht: "Es wäre nicht ganz schlecht, wenn ich jetzt gehen könnte… Es wäre vorteilhaft für manche Sachen."

Mit welcher Musik seid ihr aufgewachsen?

Marco: Meine Eltern haben immer viel Classics gehört.

Sophie: Bei mir waren es eher Singer-Songwriter, so in die R’n‘B Richtung. Sehr viele Frauen! Vielleicht hat mich das dazu inspiriert, selbst Musik zu machen. Es ist wichtig, ein Vorbild zu haben oder zumindest zu sehen, dass es das gibt. Ich habe damals sehr viel melancholische Musik gehört. Jetzt ist es variabel – ich höre alles, was gut gemacht ist. Da gibt es keine Genre-Eingrenzung mehr.

Wer wäre dein Vorbild?

Sophie: Mich haben viele Personen fasziniert, aber ich habe kein direktes Vorbild gehabt. Das war die musikalische Richtung, die mich inspiriert hat.

Marco: Wir versuchen, unser eigenes Ding zu machen. Wenn man ein Vorbild hat, dann ist man leicht verführt, es zu kopieren. Wir haben versucht, das von vornherein abzulegen. Wir wollen kontemporäre, moderne und progressive Musik machen, die aber gleichzeitig ein Klassiker werden kann. Die Classics waren extrem progressiv zu der Zeit und das möchte ich bei unserer Musik auch – dass es jetzt was Neues ist und dann im Nachhinein für das Jahrzehnt spricht, in dem wir leben.

Sophie: Wir wollen einfach die Musik machen, die zeitlos ist.

Marco: Trotzdem finde ich es lächerlich, wenn jemand Retro-Musik „wie in den 60ern“ macht. Das interessiert keinen mehr! Wir haben schon Inspirationen aus der Musik hergezogen, aber es soll nach dem Jetzt klingen.

Warum inspirieren euch genau die 60er?

Sophie: Ich habe das Gefühl, dass in den 60ern – vor allem in der Popmusik – sehr viel experimentiert worden ist. Alles war noch sehr roh.

Marco: Diese Sound-Ästhetik ist sehr konkret und farbenfroh.

Geht ihr gerne in die Sauna?

Marco: Wir waren eigentlich noch nie da! Wir haben die Sauna eine coole Metapher gefunden. Sie ist so ein witziger Ort, wo es keine sozialen Schranken gibt und niemand sich durch materialistische Dinge abheben kann. Zumindest stellen wir es uns so vor, da sitzen alle in einem Kreis, entgiften sich, schwitzen und reden nichts. Alle sind gleich!

Auf eurem neuen Album gibt es viele selbst aufgenommene Sounds. Warum habt ihr euch dafür entschieden?

Marco: Wenn man selbst Songs aufnimmt und etwas probiert, auch wenn man glaubt, dass es zu nichts führt, reißt es einen aus der Komfortzone und macht einen kreativ. Es macht auch Spaß, wir sind Sound-Freaks – der Sound an sich ist uns extrem wichtig. Wir machen alles selbst, weswegen unsere Musik sehr viel Persönlichkeit hat.

Sophie:  Ich kann mit selbstgemachten Sounds mehr Emotionen, Vibes einfangen. Oft haben wir etwas mit einem iPhone-Mikrofon aufgenommen, weil es gerade im Moment perfekt war. Später wollten wir das nochmal schöner einsingen, da haben wir aber bemerkt, dass die erste Aufnahme viel mehr Gespür hat.

Marco: Wir sind pragmatisch. Nicht alles muss perfekt aufgenommen sein. Unsere Musik war nie ernst, es war immer aus einer Spielerei heraus. Es ist ein bisschen naiv, wir nehmen, was am schnellsten geht. Wenn ein Song mehr als einen Tag dauert, machen wir ihn meistens nicht fertig (lacht).

Jetzt geht eure "Sauna"-Tour langsam zu Ende. Habt ihr noch etwas vor dieses Jahr?

Sophie: Ich glaube, mehr Zeit bleibt nicht (lacht). Wir sind dauernd unterwegs!

Marco: Wir haben sehr lange an dem Album gearbeitet, jetzt ist es für ein paar Jahre genug. Wir haben ja auch andere Projekte, auf die wir uns konzentrieren wollen. Dann machen wir aber weiter!

Vielen Dank für das Gespräch!

 

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