TRAINEEPROGRAMME

Kat Frankie im Interview: "Berlin ist das Disneyland für Erwachsene"

Im Gespräch mit Kat Frankie © Sabrina Theissen
Im Gespräch mit Kat Frankie

Vor einigen Tagen, genauer gesagt am 9. März 2018, trat die wunderbare Kat Frankie in Wien auf. Im Zuge ihrer "Bad Behaviour 2018"-Tour machte die wunderbare Sängerin aus Australien auch einen Halt in unserer Hauptstadt und performte im Chelsea. Wir schnappten uns Kat einen Tag nach der Show und sprachen mit ihr über ihre zwei Herzen, die in ihrer Brust schlagen, ihre Herkunft und ihr Heimatgefühl sowie über ihre Liebe zu Berlin.

UNIMAG: Du hast in Sydney Design studiert und in einem Architetkturbüro gearbeitet. Während dieser Zeit war Musik noch Nebensache in deinem Leben. Wie kam dann der Wechsel zustande, als du gesagt hast, dass Musik jetzt dein Hauptberuf werden soll?

Kat Frankie: Es gab eine Zeit, zu der in meinem eigentlichen Beruf etwas weniger zu tun war. Dann habe ich mir ein Jahr Pause genommen und bin um die Welt gereist. Damals habe ich viele Songs geschrieben und meine Leidenschaft zur Musik entdeckt. In dieser Zeit habe ich auch Berlin für mich kennengelernt. Als ich danach wieder zurück nach Australien gekommen bin, wurde mir klar, dass Sydney für mich zu teuer war, um von meiner Musik zu leben. In Berlin ist alles billiger, viele Künstler sind dort und es gibt einfach eine kreative Community. Es macht einfach Spaß, dort zu leben.

War es also eher ein Zufall, dass du in Berlin gelandet bist?

Ich reiste auch nach New York, London, usw. Aber Berlin war für mich damals der Ausgangspunkt, um Europa zu entdecken. Außerdem arbeitete mein Vater für eine deutsche Firma, deshalb hatte ich zusätzlich einen Bezug zu dem Land. Berlin war die perfekte Stadt für mich, Musikerin zu sein.

Das erste Mal, als ich dich und deine Musik entdeckte habe, war, als ich dich im Vorprogramm von Clueso live gesehen habe. Hat das Touren mit ihm etwas für deine Karriere geändert?

Klar, ich habe etwas mehr Aufmerksamkeit bekommen, auch durch den Song, den wir zusammen veröffentlicht haben. Aber das, was ich am meisten davon mitgenommen habe, war der Umgang mit beziehungsweise die Organisation von großen Produktionen. Ich konnte ebenfalls einiges in Bezug auf das Performen im großen Rahmen von Clueso lernen.

Du bist ein beliebter Featuring-Act – wie erwähnt von Clueso oder auch Olli Schulz. Wie kommt so eine Zusammenarbeit mit anderen Künstlern zustande?

Ich werde immer kontaktiert (lacht). Ich glaube einfach, dass ich zur richtigen Zeit in der richtigen Stadt lebe und so ergeben sich immer neue Dinge für mich. Olli hat mich zum Beispiel super oft angerufen und mich gefragt, ob ich nicht mit ihm spielen möchte. Und ich habe einfach ja gesagt. Ich laufe nicht jemandem oder etwas nach. Die Leute entdecken mich und finden es wohl gut, so wie ich singe und sie fragen mich (lacht).

Du hast ja auch an der Titelmusik zur Talkshow "Schulz und Böhmermann" mitgearbeitet. Wie kam das zustande?

Jan (Anm. d. Redaktion: Böhmermann) kannte Konstantin, den Sänger von Get Well Soon. Und Olli mochte das, was ich tue. So haben die beiden uns quasi zusammengebracht, um die Titelmelodie ihrer Show zu produzieren und zu spielen.

Wie war der Moment, als du zum ersten Mal das Intro im Fernsehen gesehen hast?

Ich hab's in der Mediathek gehört (lacht). Natürlich war ich super stolz darauf.

Olli kommt im März und im Mai mit seinem Programm nach Wien. Wirst du da auch dabei sein?

Im Moment versuchen wir gerade herauszufinden, an welchen Tagen wir gemeinsam auftreten können. Es ist nur etwas schwierig, da mein eigenes Album erst gerade herausgekommen ist und ich dafür noch länger unterwegs sein werde.

Wie vorhin schon erwähnt, kommst du ja ursprünglich aus Australien, lebst aber seit vielen Jahren in Berlin. Was bedeutet Heimat für dich und wo fühlst du dich zuhause?

Ich fühle mich definitiv in Berlin zuhause. Wenn ich nach Australien reise, fühle ich mich eher wie eine Touristin dort. Ich bin im Sommer am Strand zum Urlaub machen oder zu Weihnachten, um meine Familie zu besuchen. Als Besucherin schätze ich Australien nun viel mehr. Das dreckige Berlin ist und bleibt aber mein Zuhause (lacht).

Ich würde gerne etwas über deine Musik und über deinen gestrigen Auftritt sprechen. Gibt es etwas, das du mit deiner Musik vermitteln oder ein bestimmtes Gefühl, das du bei deinen Fans auslösen möchtest?

Ich mache sehr unterschiedliche Musik, von traurigen Balladen und melancholischen Lieder bis hin zu spaßigeren Nummern, wie am aktuellen Album. Normalerweise sind meine Konzerte immer sehr ruhig, vor allem waren sie das früher noch mehr, als sie es jetzt sind. Auf dieser Tour wollte ich viel mehr Freude und Spaß auf der Bühne vermitteln. Ich möchte die Leute einfach mit dieser Energie anstecken. So kitschig das auch klingen mag, aber ich möchte, dass die Leute von meinem Konzert nachhause gehen und sich denken ich hatte einen schönen Abend und viel Spaß.

Bei der gestrigen Show gab es viele ruhige und leise Momente, aber auch einige laute und wildere, vor allem gegen Ende hin deiner Show. Schlagen da zwei Herzen in deiner Brust und würdest du dich selber auch so beschreiben?

Ja, das kann gut so sein. Manchmal ist man introvertiert und an anderen Tagen möchte man die Sau rauslassen. Wie du schon sagst, die Show an sich hat auch zwei Seiten. Es fängt eher ruhig mit chilligeren Nummern an und endet dann mit einem Boom wie auf einem Festivalkonzert.

Du drückst deine Kunst mit Musik aus. Könntest du dir auch einen anderen Weg vorschlagen, wie das möglich wäre, beispielsweise malen, schauspielern, usw.?

Manchmal male ich zuhause, aber ich kreiere mehr, da ich den Design-Background habe. Ich kann mir zum Beispiel nicht vorstellen, in zehn Jahren immer noch auf Tour zu sein. Vielleicht habe ich dann eine Werkstatt und stelle Möbelstücke her. Das ist nämlich für mich ein ähnlicher Prozess: Man hat eine Idee und eine Struktur und drückt diese unterschiedlich aus.

Kommt deine Art, Musik zu machen von deiner ähnlichen Art, Design zu kreieren, beispielsweise in deinem Fall eine eher minimalistische Art und Weise?

Ich versuche nicht minimalistisch zu sein, ich möchte präzise sein. Das heißt, ich nehme alle Dinge weg, die nicht unbedingt notwendig sind und nicht meine Idee kommunizieren. Und das ist die gleiche Herangehensweise wie ein Möbelstück kreieren, ein Gemälde anfertigen oder einen Song schreiben.

Was war das Verrückteste, was dir zum Beispiel live während deiner Musikkarriere passiert ist?

Mit Olli Schulz sind oft einige verrückte Dinge passiert. An eines kann ich mich noch genau erinnern. Wir haben damals zusammen in Hamburg in einem besetzten Haus gespielt und Olli stoppte die Show, um mich stage diven zu lassen. Bis zu dem Zeitpunkt hatte ich das noch nie getan. Das fühlte sich punk an und ich möchte es wieder machen (lacht).

Vielen Dank für das liebe Gespräch und deine Zeit.

Wie das Konzert am Vorabend war, könnt ihr hier nachlesen.

Michael Haller

Musikredakteur

michael.haller@unimag.at

Instagram: michaelhllr

bei UNIMAG seit Oktober 2013

 

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