TRAINEEPROGRAMME

Typhoon geben ihr Österreich Debut in der Fluc-Wanne

Live treten Typhoon als siebenköpfige Band auf. © Jeremy Hernandez
Live treten Typhoon als siebenköpfige Band auf.

Die Erwartungen an das Konzert der Indie-Rock Band Typhoon aus Portland, Oregon letzten Donnerstag waren im Vorfeld bereits sehr groß. Mit ihrem vorletzten Album "White Lighter" hat die damals elfköpfige Formation um den charismatischen Frontman Kyle Morton ein wunderschönes Kleinod, das den verschiedenen Facetten des Lebens gewidmet ist, geschaffen. Soundtechnisch bewegten sie sich stark in den Gefilden von Genrehelden wie Aracde Fire und Beirut. Die wunderschön arrangierten Songs schlagen jedoch oftmals unvorhergesehene Haken, was den Songs auch fünf Jahre nach ihrem Erscheinungsdatum das gewisse Etwas verleiht. Anfang dieses Jahres veröffentlichten Typhoon, die nunmehr aus acht Musikern bestehen, ihr neuestes Album "Offerings". Dieses Konzeptalbum erzählt in vier Akten die fiktive Geschichte einer Person, die langsam bemerkt, sich an immer weniger erinnern zu können. Im Laufe der Geschichte verliert die fiktive Person immer mehr den Bezug zu der Realität und verschwindet schließlich gänzlich aus dieser Welt. Passend zu der Thematik ist auch der Sound wesentlich düsterer gehalten als bei dem vorangegangenen Album. Jeglichen Freunden etwas anspruchsvollerer Musik, die sich im Kosmos des ausladenden Indie-Rocks befindet, ist die Musik zweifellos ans Herz zu legen. Besonders in Zeiten, in denen man sich die Veröffentlichungen der einst großen Aracde Fire eher schönreden muss, als sie tatsächlich genießen zu können, ist es absolut unverständlich, wie diese großartige Band unbemerkt an so vielen Menschen vorüber gegangen sein kann.

Der erste Österreich-Auftritt Typhoons findet in der halb gefüllten Fluc-Wanne statt. Zuvor spielen Loch Lomond, die ebenfalls aus Portland, Oregon stammen. Auch wenn man sich bei dem Bandnamen im ersten Moment eher eine Death-Metal Band erwartet, sieht man hier ein schüchternes Folk Quartett. Die vier Musizierenden wechseln zwischen ihren Songs stets ihre Musikinstrumente aus ihrem üppigen Instrumentarium – bestehend aus diversen Gitarren, Keyboards, einem Glockenspiel und einer Ukulele. Die Songs sind meist relativ ruhig und verspielt. Besonders gefällt der mehrstimmige Gesang, der Loch Lomonds kurzer Show eine gewisse Intimität verleiht.

Nach einer kurzen Umbaupause betreten Typhoon die Bühne der Fluc-Wanne. Die obere Stufe der Bühne beanspruchen die zwei Schlagzeuger für sich, während sich der Rest der Band mit dem Platz der unteren Stufe arrangiert. Das Set des Abends beginnt mit "Common Sentiments" und "Hunger & Thirst" aus dem Album "White Lighter". Auch wenn sich die Band momentan auf der Tour ihres neuen Albums "Offerings" befinden, überwiegen an diesem Abend eindeutig Songs aus dem Vorgängeralbum. Es ist anzunehmen, dass die Band ihre neuen Songs zu großen Teilen zu düster für eine Live-Show befinden. Dass an diesem Abend größtenteils alte Songs gespielt werden, kann allerdings in Anbetracht dessen, dass es sich um das erste Österreich-Konzert der Band handelt, verschmerzt werden. Schade ist jedoch, dass Kyle Morton, Sänger und Kopf der Band, an diesem Tag mit einer Erkältung zu kämpfen hat. Der Performance der Band oder des Musikers hat man dies keinesfalls angemerkt. Morton singt live mindestens genauso gut wie auf dem Album. Erfreulicherweise ist er auch ansonsten ein sehr sympathischer und witziger Frontman. Auch Jen Hufnagels Gesang ist an dieser Stelle positiv hervorzuheben. Im Vergleich zu vorangegangenen Konzerten auf dieser Tour ist der Auftritt jedoch leider etwas verkürzt gewesen, was ziemlich sicher der mangelnden Gesundheit Mortons geschuldet ist.

Das alles ist jedoch Jammern auf sehr hohen Niveau. Band sowie Publikum sind wahnsinnig gut gelaunt. Man spürt förmlich die Freude und Begeisterung des Publikums, diese wunderbare Band endlich Live erleben zu dürfen. Zwischen den Stücken singen hier und da vereinzelte Besucher Songzeilen ihrer Lieblingssongs in der Hoffnung, diesen live hören zu dürfen. Dass all diese Songs aus dem Album "White Lighter" stammen, zeigt, dass anscheinend auch viele Fans den neuen Brocken wohl noch nicht verarbeitet haben. Die Liveumsetzung der älteren Songs gestaltet sich wesentlich rockiger und stärker fokussiert auf Gitarrensounds, was dem Fehlen eines Trompetenspielers in der aktuellen Liveformation geschuldet ist. Die drei Gitarristen der Band, sowie Jen Hufnagel an der Geige übernehmen die prägenden Motive der Songs jedoch sehr gekonnt. Somit reihen sich die Highlights aus dem aktuellen Album, wie "Rohrschach", "Remember" und "Wake" soundtechnisch sehr gut zwischen die älteren Klassiker – wie beispielsweise demn nostalgischen "The Lake". Apropo Sound: Dieser kracht in den ersten Reihen relativ stark und ist teils unangenehm. Die etwas weiter hinter stehenden Personen werden jedoch mit purem Wohlklang belohnt.

Ihr reguläres Set beendet die sympathische Band mit ihrem größten Hit "Young Fathers". Als Zugabe spielen sie ihren wahrscheinlich besten Song namens "Artificial Light" und zeigen hier nochmals die gesamte Bandbreite ihres vielseitigen Sounds. Nach etwas mehr als einer Stunde endet leider bereits das Konzert, das ruhig noch etwas länger hätte dauern können. Da bleibt nur zu hoffen, dass Typhoon bald wieder – diesmal gesund –in der Gegend spielen werden. Dann dürfen es ruhig auch mehr Songs aus dem neuen Album sein.

Daniel Shatkin

Musikredakteur

Instagram: shachty

 

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