TRAINEEPROGRAMME

J. Bernardt heizt der Wiener Fluc Wanne ein

J. Bernardt live in der Fluc Wanne © Petra Püngüntzky
J. Bernardt live in der Fluc Wanne

Letzten Mittwoch spielte J.Bernardt sein zweites Konzert in Wien. Wie vergangenen Spätsommer am Waves Festival stellte der Musiker mit seinen zwei Mitstreitern auch dieses Mal sein Debütalbum "Running Days" vor.

Bereits bei dem Support Act Eefje de Visser ist die Fluc Wanne relativ gut besucht. Die junge Niederländerin beginnt ihr Set mit ruhigem Gesang und begleitet sich selbst an der E-Gitarre. Ist man nicht mit ihrer Musik vertraut, fühlt man sich anfangs leicht in die Irre gefühlt, denn schon nach wenigen Minuten rücken die ruhigen Gitarrensounds sowie der Gesang in den Hintergrund und geben Platz für erstaunlich gut produzierte elektronische Musik frei. Dem Publikum ist anzumerken, dass die Überraschung relativ gut gelungen ist. In ihrem 30-minütigen Set lässt die Musikerin sich nicht auf ein Genre festnageln und wechselt zwischen typischem 80's Elektropop Sound, ruhigem Singer-Songwriter und düsterer Elektronik mit orientalisch anmutendem Gesang.  

J. Bernardt betritt mit seinen zwei Mitstreitern an Keyboard und Schlagzeug die stufenförmige Bühne der Fluc Wanne. Begonnen wird wenig überraschend mit "On Fire", das ebenfalls der Opener seines Albums "Running Days" ist. Bei dem ersten Song des Abends gilt dieselbe Devise wie für die restlichen freudvollen 70 Minuten. Auch wenn J. Bernardts bis jetzt nur eine Platte veröffentlicht hat, merkt man dem Frontman seine Routine und Erfahrung als Musiker und Entertainer, die er in seiner Zeit bei seiner Stammband Balthazar gesammelt hat, zu jedem Zeitpunkt an. Dabei ist nicht nur die unglaubliche Bühnenpräsenz Bernardts zu erwähnen, sondern auch die Lässigkeit und Professionalität, in der die Studioversionen auf der Bühne von dem Trio umgesetzt werden. J. Bernardt wird nie müde, auf der Bühne von links nach rechts und wieder zurück zu tanzen, neben seinen Gesangparts immer wieder zur Gitarre oder zum Keyboard zu laufen und dabei auch noch sein Loop-Pedal zu bedienen. Dabei darf nicht unerwähnt bleiben, dass Keyboarder und Schlagzeuger niemals zu Randnotizen verdammt werden, sondern den Live Versionen stets ihren eigenen Stempel aufdrücken.

An diesem Abend spielt J.Bernardt ebenfalls drei neue Stücke, die sich nahtlos in die Setlist und in den Soundkosmos des Musikers einfügen, dabei aber immer noch genügend frischen Wind einbringen. Besonders "The Remedy" gefällt mit seinen schrägen Sounds und Beats. Bei diesen Hip-Hop Elementen verwundert es nicht, dass gerade "The Question" als nächster Song gespielt wird. Erfreulich ist, dass jedes jeweils live eingespielt und bei Bedarf geloopt wird. Es folgt das nächste Highlight namens "Wicked Streets". Hier sieht man, dass es nicht so schlimm ist, mit nur einem Album auf Tour zu gehen – zumindest wenn es wie "Running Days" beinahe ausschließlich aus Hits besteht. Dazu wird jeder Song gebührend sowohl von den Musikern als auch von dem gut gelaunten Publikum zelebriert.

Das reguläre Set wird mit "The Other Man", dem nächsten großen Highlight des Albums und des Abends, beendet. Auch hier wird der an sich schon sehr hörenswerte Song durch zahlreiche Live Gimmicks, wie in diesem Fall einem Schlagzeugsolo, veredelt. Als Zugabe wird das ruhige und verträumte "My Own Game" gespielt. Natürlich werden auch hier wieder alle Register aus dem Repertoire gezogen. Nach einem nicht enden wollenden Keyboardsolo wird das Wiener Publikum in die lauwarme Frühlingsnacht entlassen und darf darauf hoffen, dass Jinte Deprez, so lautet der bürgerliche Name des Künstlers, bald wieder in Wien auftreten wird, mit welcher Band auch immer.

Bilder: © Petra Püngüntzky

Daniel Shatkin

Musikredakteur

Instagram: shachty

 

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