TRAINEEPROGRAMME

God is an Astronaut spielen ein Requiem in der Szene Wien

"Epitaph" erschien am 27. April (CC BY) Alterna 2
"Epitaph" erschien am 27. April

Letzten Donnerstag stattete die irische Post-Rock Band God is an Astronaut der Wiener Szene einen Besuch ab und stellte ihr neuntes Album "Epitaph" vor. 

Zuvor gab das sehr junge Duo Xenon Field ihr Österreich Debut. Die zwei Musiker vermischen 80's angehauchte Elektronik mit Post-Rock Elementen. Hierbei werden Gitarre, Bass und Synths live geloopt und zu programmierten Beats gespielt. Das funktioniert Live sehr gut und erinnert positiv an die mittlere Schaffensphase von 65daysofstatic, ohne jedoch jemals diese Dynamik erreichen zu können. Das liegt vor allem an dem Ausbleiben eines Schlagzeugers in der Formation, der den Sound sicherlich noch mehr Drive geben könnte. Ansonsten darf man sicherlich gespannt auf das noch in diesem Jahr erscheinende Debutalbum von Xenon Field.  

Nach einer kurzen Umbaupause betritt Bassist Niels Kinsella unterstützt durch Gitarrist und Keyboarder Robert Murphy von Xenon Field um "Epitaph" den Opener des gleichnamigen Albums einzuläuten. Nach dem Ausstieg von Jamie Dean ist es schön zu sehen, dass God is Astronaut einen Ersatz als vierten Mann in ihrer Live Band gefunden haben. Als Jamie Dean 2011 das Trio erweitert hatte öffnete sich God is an Astronaut immer mehr poppigen Songstrukturen, die jedoch stets mit wuchtigen Riffs untermauert wurden. Besonders Live setzte das Quartett von nun an auf ihre rockigen Hits wie "Echoes", "Shadows" oder "Worlds in Collision". Dazu verwunderte besonders Dean mit Rockstar Posen, die man von Post-Rock Musikern, die allgemein als eher schüchtern gelten, absolut nicht kennt. Um eines vorweg zu nehmen: An diesem Abend gab es weder Posen, noch wurden sonderlich viele Hits gespielt. 

Nach dem Intro betritt der Rest der Band die Bühne und der Gig startet mit einem Paukenschlag, sobald das erste Riff ertönt. Dies bestätigt was das aktuelle Album bereits angekündigt hatte: Die Iren haben ihre poppige Zugänglichkeit gegen viel Atmosphäre und Dunkelheit im Sound und Songwriting ausgetauscht. Glücklicherweise kommen die ruhigen elektronischen Parts im Live Kontext wesentlich besser zur Geltung als auf dem leider ungewohnt dreckig produzierten Album. Somit klingen die Gitarren in den harten Parts noch wesentlich druckvoller. Spannend, da man dieses Laut-Leise Spiel von God is an Astronaut aus den letzten 16 Jahren Bandgeschichte nicht wirklich kennt. Andererseits ist genau das typisch für den Post-Rock. 

Nichtsdestotrotz klingen die neuen Songs Live sehr gut und reißen den Hörer sofort in ihre dunkle Welt ein. Eingangs erwähnt Torsten Kinsella, dass die neuen Songs aufgrund des tragischen Todes des nur sieben Jahre jungen Counsins von ihm und Niels entstanden sind. Um das Requiem gebührend zu gestalten entschließen sie sich daher viele ruhige Songs aus ihren Anfangstagen zu spielen, wobei wir bereits bei dem Problem des Abends stehen. Vor ihrem quasi Reboot mit dem Album "God is an Astronaut" schaffte es die Band durchaus mit schönen Atmosphärischen Songs auf sich aufmerksam zu machen, die Songstrukturen auf diesen Songs wiederholen sich dann leider doch etwas zu häufig um nachträglich zu begeistern. Oftmals hat man das Gefühl denselben Song zum dritten Mal zu hören, was bei einem Set von 90 Minuten nicht vorkommen sollte. So kann von den älteren Songs einzig "Suicide by Star" begeistern, was jedoch ohnehin zu dem klassischen Live-Repertoire der Iren gehört.  

Glücklicherweise beschließt das Quartett ihren Auftritt mit dem großartigen "Centralia", locker ihr bester Song der letzten 4 Alben, sowie "Helios Erebus" aus dem gleichnamigen Album abzuschließen. Diesen Songs merkt man die Reife als Songwriter, die sie in den letzten 16 Jahren Bandgeschichte erlangt haben wirklich an. Nichtsdestotrotz bleibt es spannend ob die Post-Rock Institution den düsteren und dunklen musikalischen Pfad, den sie mit "Epitaph" eingeschlagen sind in Zukunft weiterverfolgen oder in ein paar Jahren wieder ein neues Konzept haben.

Daniel Shatkin

Musikredakteur

Instagram: shachty

 

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