TRAINEEPROGRAMME

Kamasi Washington begeistert das Wiener Konzerthaus

"Heaven and Earth" erscheint am 22. Juni (CC BY) Krists Luhaers
"Heaven and Earth" erscheint am 22. Juni

Im Vorfeld der Veröffentlichung seines zweiten Studioalbums kam letzten Sonntag Kamasi Washington mit seiner Band in das ausverkaufte Wiener Konzerthaus und begeisterte das Publikum mit seiner lebendigen Musik, die seinesgleichen sucht.

„Wow, that is a really beautiful place to play in. Hi, my name is Kamasi Washington and we are going to have a lot of fun this night.” Mit diesen Worten leitet der Tenorsaxophonspieler und Bandleader seiner achtköpfigen Band aus Los Angeles die wahnwitzige, beinahe zwei Stunden lange, musikalische Irrfahrt ein. Der Konzertauftakt startet mit „Change of the Guard“ aus Washingtons Debutalbum „The Epic“. Schnell wird klar, dass die Songs hier ohnehin nur verwendet werden um eine Basis für jegliche Improvisationen zu legen. Diese sind dafür wahnsinnig abwechslungsreich und gut aufeinander abgestimmt. Möglich macht dies unter anderem die grandiose Rhythmusfraktion bestehend aus zwei Schlagzeugern, angeführt von dem meisterhaften Bassisten Miles Mosley. Gemeinsam legen sie ein dichtes rhythmisches Fundament, welches dafür sorgt, dass die zahlreichen Saxophon-, Posaunen- und Keyboard Soli niemals langweilig werden können. Immer wenn man Gefahr laufen könnte den Überblick über das Geschehen zu verlieren setzt die gesamte Band dann doch noch ein und spielt das bekannte Thema des Songs an. An diesem Abend gilt jedoch ohnehin, dass man am besten beraten ist komplett in die Musik abzutauchen und sich in den zahlreichen Details zu verlieren.

Bei all der musikalischen Brillanz spielt an diesem Abend natürlich auch die Location eine große Rolle. Ein Konzert in so einem sowohl optisch, als auch vom Sound so beindruckenden Konzertsaal, wie dem großen Saal des Wiener Konzerthaus ist selbstverständlich ein Spektakel. So wie Nils Frahm vor beinahe drei Wochen konnte auch Washington nicht anders als diesen Saal zu bewundern. Umso schöner, dass immer öfter Konzerte zeitgenössischer Musik in diesem wunderbaren Saal stattfinden. Mit eingestaubtem Jazz, bei dem klassische Standards neu aufgewärmt werden, möchten Washington und seine Mitstreiter wenig zu tun haben. Stattdessen setzen diese auf die unbändige Kraft ihrer Musik. Dies merkt man auch dem Publikum an, welchem es oftmals sichtlich schwerfällt bei dieser treibenden Musik sitzen zu bleiben.

Nach der ersten Hälfte des Konzerts lassen es die acht Musiker kurz etwas ruhiger angehen. Washington spricht davon, dass die Diversität in unserer Welt nicht nur toleriert, sondern eigentlich gefeiert werden sollte. Diese Aussage, die sehr gut zu dem gesamten musikalischen Konzept Washingtons passt, manifestierte er in dem Song „Truth“, welches eines der Highlights des Abends darstellt. Die erste Hälfte des Songs werden fünf verschiedene Melodien übereinander gespielt, ergeben gemeinsam jedoch eine interessante Harmonie. Dieser verkopfte Ansatz steht gegen die improvisierte Ausrichtung der Band, gibt dem Konzert jedoch platziert in der Mitte genau die richtige Abwechslung.

Nach einem obligatorischen Schlagzeugduell wird das Konzert mit den zwei Singleauskopplungen „The Space Travellers Lullaby“, sowie „Fists of Fury“ aus dem am 22. Juni erscheinenden „Heaven and Earth“ abgerundet. Während erstgenannter Song die verspielte und verträumte Seite Washingtons betont, übertrumpfen die acht Musiker mit dem Finale alles Gezeigte des bisherigen Abends. „Fists of Fury“ zeigt sicherlich eines der interessantesten musikalischen Themen und Gesangslinien aus Washingtons Repertoire. Die zahlreichen Improvisationen machten das Stück zu einem wahnsinnig intensiven Stück Musik. Dass nach diesem Song keine Zugabe folgt ist zwar schade, aber nicht weiter verwunderlich. Schließlich fragt man sich was nach diesem Stück noch kommen sollte.

Somit darf man sich definitiv auf das Erscheinen Kamasi Washingtons zweitem Studioalbum „Heaven and Earth“ freuen. Ein Konzert dieser Ausnahmeband sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen.

Daniel Shatkin

Musikredakteur

Instagram: shachty

 

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