TRAINEEPROGRAMME

Bonobo bringt die Wiener Arena zum Tanzen

Bonobo live in der Open Air Arena © Petra Püngüntzky
Bonobo live in der Open Air Arena

Letzten Donnerstag kam Bonobo mit seiner achtköpfigen Band endlich im Rahmen seiner „Migration“ Tour nach Wien. Wie nicht anders zu erwarten wurde das im Vorhinein bereits lange ausverkaufte Konzert zu einem Spektakel für Ohren und Augen.

Die Kombination aus Bonobos elektronischer Live-Musik, der Open Air Bühne der Wiener Arena, sowie heißen Temperaturen, die der Mai erfahrungsgemäß zu bieten hat, versprach bereits im Vorhinein für einen Pflichttermin zu sorgen. Daher war es nicht weiterhin verwunderlich, dass das Konzert bereits Wochen vor dem Termin restlos ausverkauft gewesen ist. Der verregnete Nachmittag, sowie die Gewitterwarnungen desselben Tages lies darauf schließen, dass wohl zumindest das Wetter doch nicht wie gewünscht mitspielen möchte.

Glücklicherweise jedoch verklingen die letzten kleinen Regentropen des Tages pünktlich zu dem Start des Support-Acts namens Poté. Der junge Musiker macht unterkühlte elektronische Musik mit eindeutigem R’n’B Einschlag. Zu seinen Beats, die vom Band laufen, singt er und spielt Percussions. Poté machte auf der großen Open Air Bühne einen etwas verlorenen Eindruck. Besonders die ersten Songs des Sets enden ziemlich abrupt, ohne die Idee hinter dem Song vermitteln zu können. Dazu hat man oftmals den Eindruck, dass die songprägenden Parts größtenteils vom Tonband kommen und die Live eingespielten Percussion Parts den Songs relativ wenig an Substanz hinzufügen. Im Laufe des Sets werden die Songs jedoch wesentlich treibender, energischer und tanzbarer. Immer mehr Leute kommen vor die Bühne und beginnen zu Tanzen, was ja schließlich die wichtigste Aufgabe eines Support-Acts ist, die Poté sichtlich erfüllt.

Kurz bevor sich der Himmel ins Dunkel hüllt betritt Bonobo die Bühne. Die Live-Formation besteht aus insgesamt acht Musikern, wobei die Anzahl an Personen auf der Bühne während des Abends stark variiert. Das Set wird mit dem Opener und Titeltrack des aktuellen Albums „Migration“ begonnen, welches vor etwa eineinhalb Jahren erschienen ist. Dieser gibt sich Live deutlich anders als auf dem Album. Ab der zweiten Hälfte des Songs dominiert eine E-Gitarre, die den eigentlichen melancholischen Jazz-Song sehr stark Richtung Post-Rock gehen lässt. Tatsächlich braucht es an diesem Abend ein paar Songs Anlauf bis das Konzert zündet. Die ersten Songs geben zwar einen guten Einstieg in Bonobos Musik, doch erst mit „Bambro Koyo Ganda“ scheint der Funke komplett über zu springen. Angeschlossen wird mit „Cirrus“ und „Outlier“. In diesem sehr elektronisch gehaltenen Block wird Simon Green größtenteils nur durch seinen Schlagzeuger und seinen Keyboardspieler unterstützt. Am Ende des darauffolgenden „We Could Forever“ gesellen sich jedoch wieder Posaune, Trompete und Klarinette zu dem Ensemble und zeigt auf wie einzigartig und frisch diese Musik ist.

Bonobos musikalischen Werdegang begann mit loungiger Jazz-Musik Musik mit leichten elektronischen Spielereien. Spätestens bei diesem Konzert wird klar, dass sich der Musiker in großen Teilen zu einem waschechten Techno-Act, im selben Fahrwasser mit Acts wie Moderat, Jon Hopkins oder Kiasmos, entwickelt hat. Das funktioniert unglaublich gut und begeistert das Publikum sichtbar.

Die wahrscheinlich schwierigste und womöglich undankbarste Aufgabe fällt wohl auf Live-Sängerin Szjerdene. Anstatt mit einem Stammsänger zu arbeiten kollaboriert Bonobo mit verschiedenen Sängern, die alle ihren unverkennbaren Stil besitzen. Dazu zählen beispielsweise Nick Murphy (bekannt als Chet Faker), Grey Reverend oder Mike Milosh (Sänger der Band Rhye). Mit der Albumversion im Ohr fällt es einem natürlich schwer unvoreingenommen die Interpretationen der Sängerin hören zu können. Ebenfalls hinderlich ist, dass der Gesang vergleichsweise leise eingestellt ist. Am besten funktioniert hier jedenfalls das hypnotische „No Reason“.

Gespielt wird an diesem Abend beinahe das gesamte aktuelle Album, sowie ein großer Teil des Vorgängers „The North Borders“, was den Weg in eine stärkere elektronische Ausrichtung der Musik bereits angekündigt hatte. Das reguläre Set wird mit „Kerala“ beendet. Während das ganze Publikum tanzt werden gegen Ende des Songs zahlreiche Konfettisalven abgeschossen, die für umfassende Freude und Begeisterung sorgen.

Als Zugabe wird mit dem großartigen „First Fires“, sowie dem energischen Rausschmeißer „Know You“ nochmals an allen Registern gezogen. So geht eines der letzten Konzerte im Rahmen der „Migration“ Tour zu Ende. Glücklicherweise hat Bonobo es noch rechtzeitig geschafft in Wien vorbei zu kommen und das Publikum ein weiteres Mal zu verzaubern.

Bilder: © Petra Püngüntzky

Daniel Shatkin

Musikredakteur

Instagram: shachty

 

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