TRAINEEPROGRAMME

Eels geben in der Wiener Arena Open Air einen Querschnitt ihrer beeindruckenden Diskografie

Eels geben in der Wiener Arena Open Air einen Querschnitt ihrer beeindruckenden Diskografie (CC BY) Dirk Haun

Nach einer langen Wartezeit von vier Jahren beehrte die amerikanische Alternative Rock Band Eels endlich wieder Wien und gab ein sehr schönes Konzert im Wiener Arena Open Air. Die vier Musiker haben sich an diesem Abend mit viel Witz und Spielfreude durch ihre elf Alben umspannende Diskografie durchgespielt.

Mark Oliver Everett, der sich kurz und prägnant E nennt, hatte schon immer einen ausgezeichneten Sinn für Humor. Daher sollte es niemanden wundern, dass die die Wahl des Support-Acts auf einen so amüsanten und selbstironischen Act wie That 1 Guy gefallen ist. Der Alleinunterhalter Mike Silverman spielt auf seinem selbstgebauten Instrument namens „The Magic Pipe“. Dieses besteht aus Mantelrohren, die in Harfenähnlicher Form miteinander verbunden sind. Einzelne Stangen sind mit Saiten bespannt, die Silverman abwechselnd mit Bogen, einem überdimensionalen Plektron oder einfach seinen Händen spielt. Dazu sind ebenfalls einige Buttons montiert, die Schlagzeugsamples abspielen. Das Ganze zu beschreiben fällt dann doch relativ schwer, ist aber auf jeden Fall einen Blick wert. Musikalisch gibt sich der ausgebildete Jazz Musiker sehr abwechslungsreich zwischen Pop, Rock und Elektronik. Die Songs sind weniger ausgefeilte Musikstücke, als eher eine Plattform für Silverman um diverse Gimmicks zu präsentieren. Auch Kartenspielertricks dürfen in seiner kurzweiligen Performance nicht fehlen.

Nach kurzer Warterzeit betreten die Eels endlich die Bühne und eröffnen den Abend gleich mit jeweils einem Cover von The Who und von Prince. Diese eigenwillige Eröffnung geht beinahe nahtlos über in „Bone Dry“ aus dem aktuellen Album „The Deconstruction“, woraufhin „Flyswater“ und „Dog Faced Boy“ folgen. Dank tollem Sound und sichtlich gut gelaunter Band macht dieser ereignisreiche Einstieg bereits sehr viel Spaß. Besonders auffallend ist das sehr kreative und abwechslungsreiche Gitarrenspiel von Langzeitgitarrist The Chet.

Nach dem sehr ruhigen und balladesken gehaltenen Auftritt im Wiener Konzerthaus vor vier Jahren ist es erstaunlich wie lebendig und spontan die Band auf ihrer „The Deconstruction“ Tour klingt. Nach dem ersten Block an Songs verlautbart E in seiner typisch charmanten Art, dass der ganze Rock für seine alten Jahre doch langsam etwas zu viel wird und spricht sich dafür aus mit Soft-Rock weiter zu machen., worauf alte Songperlen wie „Dirty Girl“ und das grandiose „The Look You Give That Guy“ folgen.

Oftmals werden Streicher. und Keyboardparts mit Gitarrenpassagen ersetzt, wodurch sich die Live Versionen teilweise sehr stark von der Album-Version unterscheiden. Dies funktioniert beispielsweise bei dem sehr rockigen „I Like Birds“ sehr gut und macht Laune. Etwas übernommen hat sich die Band möglicherweise bei ihrem 22 Jahre alten Hit „Novacaine For The Soul“ aus ihrem Debut Album, welches mit dem an Tool erinnernden Intro Riff befremdlich düster klingt und eher wie ein Fremdkörper in diesem stimmigen Set anfühlt.

In der Regel sind Eels Songs musikalisch sehr simpel gestrickt. Das auffallendste Qualitätsmerkmal von Everetts Songwriting waren neben den sehr eingängigen und poppigen Melodien schon immer die einzigartigen Texte, die gekonnt das Traurige, das Hässliche und das Schöne im Leben auf natürliche Weise vereinen. Genau von diesem ambivalenten Gefühl gibt es an diesem Abend mehr als genug. In einer Sekunde singt E gelassen vom traurigen Leben wie es nun mal so ist. Kurze Zeit später bringt er das Publikum mit seinem trockenen und schrulligen Humor zum Lachen. Auch ein ironischer Song für den neuen Schlagzeuger Little Joe in dem dieser selber auch zu Wort kommt, darf nicht fehlen.

Die letzte Zugabe stellt eines Art Conclusio des gesamten Abends dar. Angefangen wird mit dem wunderschönen „Mr. E’s Beautiful Blues“. Ich schätze, dass die meistens Personen mit diesem Ohrwurm die ein oder andere besondere Erinnerung verbinden. Angeschlossen wird mit dem dunklen jammigen „Fresh Blood“. Als Abschluss garnieren E und seine Mitstreiter ein kurzes schönes unaufgeregtes Medley aus „Love and Mercy“ ,“Blinking Lights (For Me)“ und „Wonderful Glorious“ und runden diesen schönen Abend perfekt ab.

Daniel Shatkin

Musikredakteur

Instagram: shachty

 

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