TRAINEEPROGRAMME

So war das erste IN-TO-IT Festival mit Fink, Seasick Steve, Charlie Winston und Bruno Major

So war das erste IN-TO-IT Festival mit Fink, Seasick Steve, Charlie Winston und Bruno Major (CC BY) annurca

Letzten Montag hat zum ersten Mal das interessante IN-TO-IT Festival in der Wiener Arena stattgefunden. Gespielt haben Fink, Seasick Steve, Charlie Winston und Bruno Major. Wie der bunte Konzertabend ausgefallen ist könnt ihr hier nachlesen.

„Es hätte so schön werden können“ denkt man sich wenn man vergangenen Montag die große Halle der Wiener Arena betritt. Draußen begeistert das Wetter mit einer lauen Sommernacht, doch als musikbegeisterter Mensch  folgt man dann doch den ersten Tönen von Bruno Major vorbei an der leeren Open Air Bühne der Arena Wien in die große Halle. Eine Woche vor der Veranstaltung wurde das Event mit hochkarätigem Line-Up leider von der wundervollen Open Air Bühne in die große Halle der Arena Wien verlegt. Gerade so eine erdige Musik, handgemachte Musik schreit förmlich danach im Freien an einem warmen Sommerabend gespielt zu werden, doch genug gejammert.

Bruno Major spielt seinen ersten Österreich Auftritt sehr solide. Etwas enttäuscht ist man jedoch nach den doch ziemlich hörenswerten Hörproben, die es bereits gibt. Hat man auf diesen das Gefühl es mit einem etwas jazzigeren neuen SOHN zu tun, gibt sich Bruno Major mit seiner perfekt eingespielten vierköpfigen Band musikalisch leider doch sehr konventionell und erinnert oft eher an einen sehr gut Gitarre spielenden Sam Smith.

Ähnlich, jedoch mit etwas mehr Charisma folgt Charlie Winston. Die dreiköpfige Band bringt das Publikum bereits sehr früh mit ihrem größten Hit „Hobo“ in Bewegung. Die Musik wechselt stets zwischen poppiger funkiger Radiomusik und melancholischen Singer Songwriter.

Das erste große Highlight des Abend betritt gibt sich als drittes die Ehre. Der etwa 70 Minuten lange Auftritt von Seasick Steve war schlichtweg phänomenal. Die dreiköpfige Band spielt wundervollen, sehr eigenständigen Blues Rock angereichert mit Country Versatzstücken direkt aus dem tiefen Süden der USA. Die Songs wechseln zwischen minimalistisch zu richtigen Jamm Orgien. Für jeden einzelnen Song verwendet der amerikanische Musiker eine andere Gitarre. Einige Modelle, beispielsweise eines, das als Korpus eine Nummerntafel eines Autos hat, hat der ehemalige Modest Mouse Produzent selbst hergestellt. Es ist schier unglaublich wie viel Energie der Musiker mit seinen mehr als 70 Jahren noch hat. Stimmlich klingt der ehemalige Wanderarbeiter ohnehin wesentlich jünger. Mit viel Witz und Energie spielen sich die Herren durch ein letztendlich wesentlich zu kurzes Set. Jede Person, die auch nur ein wenig mit Blues Rock anfangen kann ist dringend anzuraten sich eine Show dieses Künstlers anzusehen.

Nach dem großartigen Auftritt von Seasick Steve ist natürlich die Frage berechtigt ob ein Fink Konzert da anschließen kann. Finks Band, die live zu einem Quintett herangewachsen ist beginnt den Abend mit dem Titeltrack des aktuellen Albums „Resurgam“ und begeistern damit sofort. Der sich langsam aufbauende undurchsichtige Song fügt sich ideal in die von Seasick Steve aufgebaute Atmosphäre. Angeschlossen wird mit dem bedrohlichen Endzeit Postrock Blues von „Warm Shadow“. Der mittlerweile in Berlin lebende Brite, der für seine Singer-Songwriter Balladen bekannt ist fühlt sich sichtlich wohl in der rohen bluesigen Atmosphäre. Bis auf wenige Ausnahmen wie „Looking To Closely“ oder „Yesterday Was Hard On All Of Us” spielt die fünfköpfige Band ausgedehnte spannungsgeladene Endzeit Songs mit viel Raum für Experiment. Der Sound profitiert hier hörbar von den zwei Schlagzeugern, sowie Finks markanten Gitarrenspiel. Selbst der Hit „Berlin Sunrise“ aus „Perfect Darkness“ artet als Postrock Song beinahe aus. Es ist wirklich spannend zu sehen wie Fink und seine Band hier die bereits bekannten Songs als Basis für ihre Neuinterpretation verwenden. Ebenfalls auffallend ist hier Finks Vergangenheit als DJ. Die treibenden Schlagzeugparts, sowie die repetitive Gitarrenarbeit klingt oftmals nach einer sehr organischen Art elektronischer Musik.

Als weitere auffallende Highlights muss unbedingt noch die Solo-Darbietung von „Wheels“, sowie die abschließende Acoustic Version von „Cracks Appear“. In ihrem Minimalismus zeigen diese eine weitere Facette Finks musikalischen Schaffens und machen ihn zweifellos zu einem der interessantesten Künstler im engen Soundkorsett des Bereichs der Singer-Songwriter.

Somit ist den Veranstaltern der IN-TO-IT Festivals ein wirklich besonderer und hörenswerter Konzertabend gelungen und am Ende hat man dann vor lauter Begeisterung doch vergessen, dass man eigentlich doch lieber das ganze Spektakel im Freien genossen hätte.

Daniel Shatkin

Musikredakteur

Instagram: shachty

 

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