TRAINEEPROGRAMME

The BossHoss im Interview

The BossHoss im Interview Foto: (c) Internashville GmbH

Woran denkst du als erstes, wenn du den Namen The BossHoss hörst? Seiler und Speer beantworten diese Frage mit: musizierende Großstadt-Cowboys. Am 17. November treten beide Bands gegeneinander im Red Bull SoundClash in der Marx Halle in Wien an. In mehreren Runden spielen beide Bands gegeneinander, das Publikum entscheidet live über Sieg oder Niederlage. Aus diesem Anlass haben wir beide Bands zum Interview getroffen.

The BossHoss sind Cowboys, wie sie im Buche stehen. Von ihrer Homebase in Berlin aus erobern sie seit Jahren den deutschsprachigen Raum – spätestens seit die beiden Frontmänner Alec und Sascha a.k.a. Boss und Hoss als Juroren bei The Voice of Germany teilgenommen haben. Nun stehen nicht nur das neue Album „Black Is Beautiful“ und die gleichnamige Tour an, sondern ein weiterer wichtiger Schritt: der Red Bull SoundClash in Wien. Wir haben Alec zum Interview getroffen, wo er uns verrät, wie er sich den Alltag eines Studenten vorstellt und ob er Schwarzwälderkirschtorte oder Kaiserschmarrn bevorzugt.

Wie würdest du eure „Konkurrenten“ beim Red Bull SoundClash Seiler und Speer in einem Satz beschreiben?

Alec: Großartiges, österreichisches Live-Duo, das sehr viel Spaß macht – und wir freuen uns sehr, mit ihnen gemeinsam eine Show zu machen.

Dank des Internets kann heute jeder seine 15 Minuten Ruhm genießen. Ihr seid mittlerweile aber ein Dauerbrenner: Was ist das Geheimnis von dauerhaftem Erfolg?

Das ist schwer. Wenn es ein Geheimnis geben würde, dann würde ich es teuer als Buch verkaufen. Ich glaube, in erster Linie ist es das Wichtigste, dass du das, was du machst, mit 120 % Herz und Seele machst. Voller Leidenschaft und dabei möglichst authentisch sein – alles soll so sein, wie du es haben willst. Das muss man dann auch auf die Bühne bringen. Immer neugierig bleiben, schauen, was Neues kommt und bereit sein, sich weiterzuentwickeln. Der größte Fehler ist, sich darauf auszuruhen, wenn man mal ein bisschen Erfolg hat. Das A und O ist, nicht zu selbstsicher zu werden und down-to-earth zu bleiben.

Die Grenzen zwischen den Musik-Genres verschwimmen immer mehr, das Publikum differenziert immer weniger – wer auf ein Helene Fischer Konzert geht, kann durchaus auch The BossHoss, Metallica oder Beyonce hören. Ist das eine gute Entwicklung? Hat sie auf euch als Musiker irgendeinen Einfluss?

Grundsätzlich finde ich es super, wenn Leute offener sind. Früher war es so, dass Musik – ich glaube, es ist heute noch ähnlich – sehr, sehr genre-spezifisch ist. Es gibt Leute, die einfach bestimmte Genres mehr mögen. Aber ich finde es super, wenn man sich öffnet und auch in anderen Sachen etwas Gutes findet. Als Teenager gab es für mich auch nur eine Musikrichtung, alles andere war blöd und die Leute, die das gehört haben, umso mehr. Wenn man älter wird und auch selbst Musik macht, merkt man aber irgendwann: Musik ist Musik und Geschmäcker sind zum Glück verschieden. In jeder Musikrichtung ist etwas drinnen und wenn du für dich etwas rausziehen kannst, das dir Spaß macht, dann ist das das Wichtigste. Deswegen steht es mir nicht zu, über andere Genres irgendwas Schlechtes zu denken.

Ist es nicht auch ein bisschen vergänglicher oder weniger wichtig als früher? Wenn man früher beispielsweise Punk gehört hat, war das auch eine Lebenseinstellung.

Ja! Ich weiß gar nicht, womit es zu tun hat, dass die Sachen unkonkreter werden – mit dem Netz vielleicht. Früher hat man sich festgelegt, es gab eine Fan-Community, eine Szene und für diese Szene gab es dann Fan-Zines. Das wird alles überflüssiger, weil man heute nicht mehr wartet. Früher hat man vier Wochen gewartet, bis das neue Magazin rauskam, um die neuesten News seiner Lieblingsband zu bekommen. Heute kannst du denen beim Kaffee trinken auf Social Media zuschauen. Das macht es natürlich unspektakulärer. Der ganze Stardom und das große Superstartum ist dadurch viel profaner geworden. Auf der einen Seite ist das etwas Schönes: es wird menschlicher und nahbarer. Auf der anderen Seite geht natürlich Glanz und Gloria verloren. Von daher ist es schwer zu sagen. Da gibt es aber auch immer Rückbesinnungen. Wahrscheinlich wird es auch irgendwann einen Umkehrschwung geben und die Leute werden wieder viel spezifischer bestimmte Sachen hören.

Vielleicht werden sie auch offener. Früher wäre möglicherweise so etwas wie der SoundClash gar nicht möglich gewesen, weil die Musikrichtungen der Bands zu weit auseinander gehen.

Genau, vielleicht auch das. Und vielleicht wären auch die Künstler gar nicht bereit gewesen, sich auf Bands einzulassen, die etwas ganz anderes machen als sie selbst.

Wien ist vor kurzem wiederholt zur lebenswertesten Stadt der Welt gekürt worden. Warum lebst du also noch immer in Berlin und nicht in Wien? :)

(lacht) Ich bin stark verwurzelt. Ich bin gebürtiger Berliner und deswegen ist es auch mein Zuhause. Das Zuhause mit dem Herzen ist ja nicht nur abhängig davon, wie schön es dort ist – es gibt ja auch noch viele andere Faktoren. Ich finde, Berlin und Wien haben total viel gemeinsam. Die Menschen sind ähnlich drauf und ich bin hier sehr, sehr gerne. Und wenn die Sonne scheint, so wie heute, dann ist Berlin genauso schön wie Wien. Naja, vielleicht ist Wien ein bisschen schöner. Es hat einfach eine schönere Architektur, was daran liegt, dass bei uns viel kaputt gemacht worden ist.

UNIMAG ist ein Magazin für Studierende, daher die Frage: Wenn du heute anfangen würdest zu studieren, was wäre es?

Das ist eine gute Frage. Ich finde das heute total anstrengend. Ich bin in der DDR großgeworden, in Ost-Berlin. Studieren war da nicht so häufig wie es heute ist – Abitur genauso wenig. Von 20 Leuten in der Klasse haben vielleicht drei Abitur gemacht. Heute macht jeder Abitur, weil man sonst ja gar keine Chance mehr hat. Einen Handwerksberuf zu erlernen heißt ja meist, mit sehr, sehr wenig Geld auskommen zu müssen, was ja ein bisschen schade ist. Und beim Studieren ist es so: heute gibt es Studiengänge, da weiß ich gar nicht, was es sein soll. Die ersten zehn Semester dienen vermutlich erst mal der Orientierung. Was ich total spannend finde und studieren würde: Kunstgeschichte. Oder Kunst allgemein – das hätte ich gern gemacht. Das ist ein Studium, das sehr gut für die Seele ist. Das Leben ist sowieso immer sehr karriere-orientiert heutzutage – alles wird immer schneller. Heute wird man schon mit 18 damit konfrontiert, sich möglichst früh über Geld, Haus und Hof Gedanken zu machen. Kunst studieren wäre geil – da kannst du dich erstmal ein paar Jahre ausprobieren, kreativ sein und sehen, was passiert.

Wie stellst du dir den Tagesablauf eines typischen Studenten vor? Zum Beispiel von einem Kunstgeschichte-Studenten?

Ich glaube, das ist total abhängig von der Studienrichtung. Ich stelle mir den BWL-Studenten wesentlich anders vor als den Kunst-Studenten. Das ist so typ-unterschiedlich wie der Mensch an sich, jeder geht es anders an. Der eine zieht das knallhart durch, will schnell fertig werden und den Master hinten dranhängen. Und der Andere macht’s easygoing. Ich wäre gerne Student. Man hat ein bisschen freiere Zeiteinteilung und du kannst selbst Einfluss nehmen, wie schnell oder langsam du dich fortbewegst. Ich wäre wahrscheinlich irgendwas zwischen Müßiggang und Strebsamkeit.

Wenn du mit 80 Jahren auf einer Hollywood-Schaukel auf deiner Veranda sitzt: was sind die Dinge oder Erlebnisse, auf die du dann zurückblicken möchtest?

Das erste Ziel wäre es zu schaffen, mit 80 auf der Hollywood-Schaukel zu sitzen und, dass die Gesundheit am Start ist. Zurückblicken möchte ich auf ein zufriedenes Leben. Die Familie ist ein ganz wichtiger Aspekt davon. Ich wünsche mir, dass es allen gut geht und alle um mich herum sind, die das dann mit mir noch teilen können. Und dass man sich hinsetzen und sagen kann: „Ich hab‘ ein schönes Leben gehabt. Vielleicht hab‘ ich nicht immer alles richtig gemacht, aber immer alles gegeben und war lernfähig, um das Leben immer wieder neu anzugehen und habe jeden Tag versucht, es ein bisschen besser zu machen.“

Das Länder-Battle: wer ist besser – Österreich/Deutschland?

Wo gibt es das bessere, euphorischere Konzert-Publikum?

Unentschieden.

Wo schmeckt das Bier besser?

Das ist unterschiedlich. In Deutschland ist das Bier im Süden sehr lecker. Inzwischen gibt es aber so viele Biersorten wie noch nie, deswegen kann man das nicht so sagen. Aber das Bier aus Österreich schmeckt auch sehr gut (lacht).

Austropop oder Deutscher Schlager?

Oha (überlegt). Beim Deutschen Schlager weiß ich auf jeden Fall, dass das nicht meine Baustelle ist. Beim Austropop weiß ich nicht genau, wie weit das geht. Aber wenn das sowas wie Seiler und Speer ist, dann kann ich damit sehr gut leben.

Österreichische Lässigkeit oder Deutsche Pünktlichkeit?

Da bin ich eher bei eurer Lässigkeit.

Elisabeth Voglsam

Ressortleiterin Musik & Events
Fotografin & Redakteurin

Twitter: @EVoglsam
Instagram: vogigram_vie

elisabeth.voglsam (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: September 2012

Webseite: www.flickr.com/photos/lilacsky
 

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