TRAINEEPROGRAMME

Seiler & Speer im Interview

Seiler & Speer im Interview Foto: (c) Oliver Topf

Woran denkst du als erstes, wenn du den Namen The BossHoss hörst? Seiler und Speer beantworten diese Frage mit: musizierende Großstadt-Cowboys. Am 17. November treten beide Bands gegeneinander im Red Bull SoundClash in der Marx Halle in Wien an. In mehreren Runden spielen beide Bands gegeneinander, das Publikum entscheidet live über Sieg oder Niederlage. Aus diesem Anlass haben wir beide Bands zum Interview getroffen.

Seiler und Speer haben geschafft, wovon viele nur träumen können: innerhalb kürzester Zeit haben sie den Pop-Markt, sowie die Herzen vieler Fans erobert. Mit ihren lustigen Texten, die oft einen ernsten Hintergrund haben und im Wiener Dialekt gesungen werden, haben sie nicht nur das österreichische Publikum erobert, sondern langsam aber sicher auch das deutsche. Bekannt wurden sie mit ihrer Comedy-Serie rund um die fiktive Figur Anton Horvath – die vierte Staffel von „Horvathslos“ erscheint übrigens im Oktober als DVD – mittlerweile sind sie als musikalisches Duo aber noch erfolgreicher. Mit „Ham kummst“ standen sie fünf Wochen auf Platz 1 der österreichischen Charts, mittlerweile gibt es zwei Alben, das dritte lässt nicht mehr lange auf sich warten. Die Zeit bis dahin wird mit Live-Konzerten etwas verkürzt – unter anderem treten sie beim Red Bull SoundClash in der Marx Halle in Wien gegen The BossHoss an. Im Interview erzählen uns Seiler und Speer, wie die Reaktionen auf sie in Deutschland ausfallen, was sie über ihre SoundClash-Konkurrenten The BossHoss denken und ob das Bier in Österreich oder Deutschland besser schmeckt.

Wenn ihr eure SoundClash „Konkurrenten“ The BossHoss in einem Satz beschreiben müsstet, wie würde er lauten?

Seiler:  Singende Cowboys. Brokeback Mountain (lacht). Musizierende Großstadt-Cowboys! So, dafür entscheid‘ ich mich jetzt!

Sowohl ihr als auch The BossHoss seid für eure mitreißenden Live-Shows bekannt. Was macht eurer Meinung nach ein gutes, gelungenes Konzert aus – sowohl für euch als Musiker auf der Bühne als auch für das Publikum?

Seiler: Wenn das Publikum heimgeht und diese Energie gespürt hat, die ein Live-Erlebnis hergibt. Etwas, das du nicht auf CD oder als Download bekommst – dann hat jeder seinen Part erfüllt.

Speer: Ich bezeichne unsere Gigs gerne als Shows und nicht als Konzerte. Dieses Feeling spürt man immer bei den Leuten, wenn sie dann nach Hause gehen: sie haben wirklich eine Show bekommen.

Und wie erreicht man dieses Gefühl? Ist das Talent oder etwas, das man sich erarbeiten kann?

Seiler: Du musst wirklich alles geben, frei von Nervosität sein und nicht denken „ah nein, das mach ich jetzt lieber nicht“. Du musst frei auf die Bühne gehen und wenn du das machst, dann erreichst du das.

Speer: ... und dann kann einfach viel passieren.

Wie erklärt ihr euch den Erfolg, den österreichische (Mundart-) Musik seit einigen Jahren hat?

Seiler: Das weiß ich nicht. Wirklich nicht (lacht).

Speer: Ich glaube, „authentisch“ ist vielleicht so ein Zauberwort – es ist von der Sprache her einfach authentisch und nicht etwas Nachgemachtes, das man aus Amerika schon drei Mal gehört hat.

Was denkt ihr schätzen eure Fans an euch besonders?

Seiler: Dass nichts gekünstelt ist. Wir haben kein Bühnen-Outfit oder irgendwas ...

Speer: Wir sind, wie wir sind und wir reden, wie uns der Schnabel gewachsen ist.

Seiler: ... auch auf der Bühne und mit den Leuten.

Speer: Das kann ab und zu gut gehen, das kann aber auch mal nicht gut gehen ...

Seiler: ... aber das ganze Leben ist so: es geht mal gut, mal nicht. Vielleicht schätzen sie uns deswegen.

Ihr seid jetzt auch in Deutschland aufgetreten. Wie ist es dort, verstehen euch die Leute, können sie sich mit euch identifizieren?

Seiler: Ja, schon! Was wir jetzt auf der Deutschland-Tournee erlebt haben, das war großartig. Stimmungsmäßig war es ein Wahnsinn. Ich glaube, es ist auch gar nicht so um die Sprache gegangen, sondern um die Energie, die dort ausgesendet worden ist. Es war wirklich super, ich hätte mir das nie erwartet! Wir tun ja das Wenigste dafür, dass man uns versteht (lacht). Aber es funktioniert und das ist großartig. Wir reden dort genauso, wie auch hier in Österreich, außer bei den Ansagen dazwischen.

Speer: Da bemüht man sich.

Seiler: Und wir können ja auch schön reden (spricht schönstes hochdeutsch).

Ihr habt den Skandal um Wolfgang Ambros und die FPÖ sicher mitbekommen. Wie steht ihr dazu? Sollen sich Musiker bzw. Prominente öffentlich positionieren oder ist die politische Meinung Privatsache?

Seiler: Jeder Mensch hat das Recht auf freie Meinungsäußerung. Gottseidank ist das in diesem Land so. Und da sollte man keinen Unterschied machen, ob das jetzt ein Künstler ist oder nicht. Das Problem ist heute, dass Sachen extrem aufgebauscht werden, zum Beispiel wenn gerade ein Sommerloch ist..

Speer: Dann gibt es keine anderen Infos mehr und dann nimmt man sich halt sowas her.

Seiler: Wir leben ja in einer Zeit, wo der Skandaljournalismus dadurch, dass alles sehr schnelllebig geworden ist, sehr prägend ist – mit dem Internet, Hashtags und so weiter. Es gibt mittlerweile sehr viel Headline-Journalismus, der nur einen Zweck hat: Klicks zu generieren. Deshalb sollte man so etwas nicht so sehr auf die Waagschale legen. Vor allem: wenn wir heute einen Skandal haben, dann ist der übermorgen schon wieder vergessen.

Wenn ihr studiert hättet – oder heute zu studieren beginnen würdet: was würde euch interessieren?

Seiler: Eigentlich sehr viel. Psychologie vielleicht.

Speer: Jus würde mich interessieren. Vielleicht mach ich das noch. Manche fangen ja auch mit 20 an und studieren ihr Leben lang – ohne Abschluss, aber immerhin. Rechtlichen Rat brauchen wir eh oft – das machen wir jetzt selber (beide lachen).

Wie stellt ihr euch den Tagesablauf eines typischen Studenten vor?

Seiler: Naja, das kommt halt immer drauf an, um wen es geht.

Anders gefragt: wie wäre euer Tagesablauf vermutlich?

Seiler: Ich würde auf jeden Fall nur lernen. Wenn ich etwas studiere, das mich interessiert, dann müsste ich der Beste darin werden. Ich wäre auf jeden Fall ein ernstzunehmender Student und keiner, der einfach nur den Weg zur nächsten Studenten-Party sucht.

Also eher der Streber?

Seiler: (entrüstet) Streber?

Im positiven Sinne natürlich.

Seiler: Ja, natürlich (lacht)! Es gibt keinen anderen Grund, warum ich sonst zum Studieren anfangen sollte.

Speer: Ich habe viele Freunde, die studieren, und ich weiß daher, dass es verschiedenste Versionen von Studenten gibt. Ich kenne Typen, die ein Jahr lang nichts machen und nur auf Partys gehen. Ich kenne aber auch welche, die jeden Tag auf der Uni sitzen ... Wo ich wäre – keine Ahnung. Aber es muss ja schon einen Grund geben, warum man studiert, und das wäre halt, dass man im Studium etwas weiter bekommt. Aber schauen wir mal: nächstes Jahr vielleicht, nach dem Album (lacht).

Das Länder-Battle: wer ist besser – Österreich/Deutschland?

Wo gibt es das bessere, euphorischere Konzert-Publikum?

Seiler: Das kann man nicht nach Ländern einteilen. Es kommt immer darauf an, wie gut wir spielen.

Speer: Das beste Publikum ist immer dort, wo die besten Bands sind.

Wo schmeckt das Bier besser?

Seiler: In Österreich..

Speer: Das ist Geschmackssache. Aber ja, Österreich.

Austropop oder Deutscher Schlager?

Beide: Austropop.

Österreichische Lässigkeit oder Deutsche Pünktlichkeit?

Beide: Österreichische Lässigkeit.

Vielen Dank für das Gespräch!

Elisabeth Voglsam

Ressortleiterin Musik & Events
Fotografin & Redakteurin

Twitter: @EVoglsam
Instagram: vogigram_vie

elisabeth.voglsam (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: September 2012

Webseite: www.flickr.com/photos/lilacsky
 

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