BÜCHERBÖRSE

Happy Birthday, Maestro!

  • geschrieben von Anne-Marie Darok
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David Bowie c garann flickr

Vergesst Lady GaGa. Ziggy Stardust, the Thin White Duke, der Berliner oder Major Tom: Er hat sie alle kreiert und perfekt verkörpert. Er ist das Pop-Chamäleon der Musikgeschichte und er wird heute 65. Jahre alt: Ladies und Gentlemen, we proudly present: David Bowie!

 

Da der gute Mann mehr als 20 Alben veröffentlicht hat und es höchst unfair wäre aus diesen nur zehn Lieder herauszupicken-er hat so viele Facetten, die sich einfach nicht vergleichen lassen-präsentieren wir eine ebenso spannende Alternative: Die fünf besten David Bowie Musikvideos.

 

5# Blue Jean
Nach dem Welterfolg „Let’s Dance“ veröffentlichte Bowie, nunmehr als blonder Sunnyboy im flotten Anzug, 1984 einen sehr poppig-rockigen Nachfolger. Es wurde mit einer massiven Promotion aufgewartet bei der Julien Temple, ein namhafter Musikvideo-Regisseur, den 21-minütigen Kurzfilm „Jazzin‘ for Blue Jean“ drehte. Die drei Minuten, die als fernsehtaugliches Material aufbereitet wurden, zeigen einen attraktiven Bowie im Aladin-Kostüm, der das Publikum nur so um seinen Finger wickelt. Dabei lässt er sichtlich ein Date zwischen seinem Gegenstück (Bowie in einer Doppelrolle) und einer jungen Frau platzen. Zuletzt lässt er sich heroisch von der Bühne schnipsen. Obwohl das Lied wahrscheinlich nicht mal eins der besten Pop-Lieder Bowies ist, ist das Video äußerst amüsant, vor allem weil er ein guter Schauspieler ist.


„Blue Jean“-Julien Temple, 1984

http://www.youtube.com/watch?v=LTYvjrM6djo

Copyright: EMI Music

 

#4 Jump they Say
Der Song landete 1993 in den Charts und war somit die erste Top-Ten Platzierung seit „Absolute Beginners“ von 1986. Man hat fast das Gefühl, das „Chamäleon“ sei ruhiger geworden und spiele statt einer Rolle nunmehr sich selbst. Auf dem Album „Black Tie White Noise“, von dem „Jump They Say“ abstammt, und dem Nachfolger hat man noch dieses Gefühl, doch schon bei dem 1995er „Outside“ überraschte er mit einer ganz anderen Facette. „Jump They Say“ wurde von dem Regisseur Mark Romanek gedreht, der zwar drei Kinofilme produzierte, doch eher durch seine Musikvideos bekannt wurde. Es zeigt einen schicken Bowie im Anzug auf einem Häuserdach, der von seinen paranoiden Kollegen gefoltert und schließlich in den Tod getrieben wird. Die Szenen sind an einige Klassiker angelehnt, unter anderem an „Metropolis“ von Jean-Luc Godard und „2001: A Space Oddyssey“ von Stanley Kubrick. Mit dem Song verarbeitet Bowie den Selbstmord seines Bruders und hüllt die Trauer in moderne Jazzklänge.


„Jump They Say“-Mark Romanek, 1993

http://www.youtube.com/watch?v=avJt0SQec0I

Copyright: EMI Music

 

#3 D.J.
Das Lied, das während der berühmten Berlin-Trilogie 1979 entstand, ist ein Abkömmling des recht wilden Albums „Lodger“. Ganz anders als seine beiden Vorgänger „Heroes“ und das minimalistische „Low“ ist es zugänglicher und klingt fast schon einfach. So ist es kein Wunder, dass es von den damaligen Fans nicht wirklich gewürdigt wurde, und auch „D.J.“ konnte nicht in den Charts landen. Trotzdem ist es ein flotter Ohrwurm, der mit einer Komposition aus vielen schrägen Tönen und einem tollen Gitarrensolo von Adrian Belew besticht. Das Video produzierte David Mallet, der später unter anderem unseren –platzierten „Ashes to Ashes“, drehte.
David Bowie läuft in einem langen Trenchcoat, der den todschicken rosa Overall verdeckt, durch London und wird von glücklichen Passanten begleitet. Danach zertrümmert er ein DJ-Set, während er den Zustand beklagt, dass er nur nach der Musik bewertet wird, die er auflegt. Wieder einmal versteht er es blendend, dieses spöttische „Ihr-könnt-mich-mal“-Gesicht aufzusetzen und die verdrehtesten Dance-Moves an den Tag zu bringen.

 

„D.J.“-David Mallet, 1979

http://www.youtube.com/watch?v=QgPUxjQOk-w

Copyright: EMI Music


#2 Life on Mars?
Der englische Fotograf Mick Rock, der besonders für seine Arbeit mit David Bowie bekannt wurde, setzt den Sänger in dessen vierten Musikvideo als ein androgynes Wesen im türkisenen Anzug in Szene. Seine Augen stark geschminkt, blickt er mit seinen verschieden großen Pupillen in die Kamera, während er fast spöttisch von Micky Mäusen, die zu ausgewachsenen Kühen wurden und von Arbeitern, die nach den Sternen greifen, singt. Der Sinn des Gesungenen lässt sich nur mäßig entziffern. Ein Fünkchen Antikapitalismus gemischt mit lockerer Selbstkritik und immer wieder die qualvolle Frage: „Is there life on mars?“ Doch so einfach ist es nicht, denn tatsächlich ist das Lied eine Parodie auf Frank Sinatras „My Way“. Paul Anka hatte die Lyrics zu der Melodie eines französischen Chansons geschrieben, doch auch Bowie erhob Anspruch auf das Liedchen. Summa Summarum, Bowies Version wurde nie veröffentlicht, und Ankas avancierte zu Sinatras Steckenpferd. Während seiner kongenialen Berlin-Phase veröffentlichte er ein recht ähnliches Video zu „Be my wife“. Dort ist er ein stilisierter Buster Keaton mit einer Gitarre vor weißem Hintergrund.


„Life on Mars?“-Mick Rock, 1973

http://www.youtube.com/watch?v=v--IqqusnNQ

Copyright: EMI Music


#1 Ashes to Ashes
Mit 250.000 Pounds war „Ashes to Ashes“ 1980, das teuerste englische Musikvideo, das je gedreht wurde. Das Lied selber war mit seinen Synthie-Klängen und der Chor-artigen Textur der Gitarrentöne (auch Synthesizer, natürlich) nicht nur ein Vorreiter einer ganzen Dekade, sondern auch ein absoluter Chartstürmer. Zusätzlich markierte Bowie mit seinem Kostüm des Pierrot (der traurige Clown), das stellvertretend für sein Album „Scary Monsters and Super Creeps“ werden sollte, den Anfang einer großen Modebewegung. Zu diesen „New Romantics“ zählten unter anderem Boy George, Duran Duran, Spandau Ballet und Gary Numan. Zurück zu unserem erstplatzierten Video: David Mallet experimentierte hier mit verschiedenen Bildeffekten, von starken Kontrasten bis hin zu ansehnlichen Schwarz-Weiß-Aufnahmen mischte er alles zusammen was möglich war, und kreierte eine stimmige Komposition. David Bowie bezeichnete das Lied als einen Kinderreim, in dem Major Tom (die Hauptfigur aus Bowies „Space Oddity“ von 1969) von einem Hippie im Weltraum zu einem waschechten Junkie wird. Und es stimmt, denn die sich wiederholenden Klänge ziehen einen automatisch in das Lied und lassen einen lang nicht los.


„Ashes to Ashes“-David Mallet, 1980

http://www.youtube.com/watch?v=CMThz7eQ6K0

Copyright: EMI Music

 

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