TRAINEEPROGRAMME

John Butler gibt eine großartige Solo Show in der Wiener Arena

John Butler gibt eine großartige Solo Show in der Wiener Arena (CC BY) jeaneem

Als einen Tag vor dem langerwarteten John Butler Trio + Wien Debut verkündet wurde, dass aufgrund einer Erkrankung des Schlagzeugers Gary Gerathy die groß angelegte Show des fünfköpfigen John Butler Trio + lediglich der namensgebende Frontman der Formation Solo spielen würde, war anfangs die Enttäuschung groß. Viel zu gespannt war man auf die erwartungsgemäß bombastische Performance, für die die Kombo seit über zehn Jahren bekannt ist. Eines kann man vorwegsagen, auch wenn ich gerne die gesamte Band gesehen hätte, eine Solo Show des Gitarrenwunders John Butler ist ein wahrhaftiges Erlebnis.

Bevor der Hauptact die Bühne betritt, eröffnet der Australier Bobby Alu die Bühne der großen Halle der Wiener Arena für den Abend. Der junge Singer-Songwriter besticht durch eine angenehme Stimme und nette Arrangements. Besonders wenn der Musiker seine Fähigkeiten als Schlagzeuger in die sehr typischen Singer-Songwriter Strukturen einfließen lässt, weiß durchaus ein Funken überzuspringen. Als letzten Song spielt Bobby Alu eine gelungene Cover Version von „Just the two of us“ von Bill Withers, die klar der Höhepunkt des kurzen Sets ist.

Kurz danach betritt der grundsympathische John Butler die Bühne und weist in seiner humorvollen Art das Publikum daraufhin, dass sie, um das Konzert nicht absagen zu müssen, entschieden haben, dass er an diesem Abend alleine spielen werde. Als ersten Song wählt der Australier „Just Call“ aus seinem vor kurzem erschienenen Album „Home“. Die ersten paar Songs wissen zwar durchaus zu gefallen, überzeugen jedoch noch nicht gänzlich. War bis jetzt John Butlers Alternative Rock geprägt von Blues und Reggea, finden auf „Home“ erstaunlich viele Country Elemente in den Sound des Musikers. Gerade diese neuen Songs eignen sich sehr gut für typische Solo Akustic Konzerte, doch so richtig in Gänge kommt der Abend dann doch erst mit „Better Than“ aus dem Album „Grand National“. Wie gekonnt John Butler zwischen Gesang und Mundharmonika wechselt, dabei komplexe und eingängige Gitarrenparts spielt und dabei stets die Nähe zum Publikum behält, ist absolut beeindruckend.

Neben der Musik sind auch die Entstehungsgeschichten der einzelnen Songs spannend zu hören. Der Musiker wird nie müde die politische Motivation hinter seinen Songs in schöne Geschichten zu verpacken und seine Sicht zu vermitteln, ohne jemals belehrend zu werden. Diese verpackt er beispielsweise in das explosive „We want more“ oder in das bluesige mit Slidegitarre gespielte „Wade in the Water“. Ein weiterer Höhepunkt hier war die kreative Live-Version von „Revolution“ aus dem Album „April Uprising“, die mit der Studio Version wenig gemeinsam hat. John Butler bereitet einen behutsamen Live-Loop aus Beatbox- und Gitarren Schnipseln auf, um anschließend kritische und hoffnungsvolle Worte zu der aktuellen politischen Lage wiederzugeben. Diese Mischung aus eindrucksvollen Songs und ehrlich erzählten Geschichten entwickelt einen einzigartigen Sog, der dann durch die erste Zugabe „Zebra“ aus dem Album „Sunrise Over Sea“ gebrochen wird. Nach all den politischen Songs tut einer, an diesem Abend eindeutig in der Unterzahl liegenden, Gute-Laune Songs sichtlich gut.

Den Abend beschließt John Butler mit dem wundervollen „Ocean“. Der akustisch gehaltenen Post-Rock Song ist durch die minutiöse Kompositionskunst John Butlers eine absolut einmalige Live-Erfahrung. Schließt man die Augen, hat man das Gefühl, dass ein kleines Orchester und nicht nur ein Mann auf seiner Gitarre spielt. Nach etwas mehr als zwei wundervollen Stunden beendet John Butler den Abend und verspricht ganz bald mit seiner Band zurückzukommen. Nach diesem besonderen Konzert werden wohl alle, die letzten Dienstag dabei waren, auch beim nächsten Mal gerne kommen.

Daniel Shatkin

Musikredakteur

Instagram: shachty

 

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