BÜCHERBÖRSE

Olli Schulz- SOS (Save Olli Schulz)

  • geschrieben von Sabine Pusswald
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Olli Schulz SOS C Heiko RichardWarnung an den sehr verehrten Leser: Es folgt sogleich eine leicht pathetische, aber immer angebrachte und nie unangebrachte, Liebeserklärung an das neuste Werk von Olli Schulz. Und versuchen Sie nicht mich aufzuhalten, denn ich bin Fan!

Olli Schulz - verträumter Gitarrenjunge, charmanter Witzbold und vor allem Geschichtenerzähler. Nach drei Jahren musikalischer Abwesenheit beglückt uns der Wahlberliner wieder mit Liedern wie sie nur das Leben schreiben kann. So besingt er die „Spielerfrau“ in High Heels, den Vitamin B Typen („Ich kenn’ da Ein) der, na klar, den DJ kennt oder auch die Converse Trägerin (H.D.F.K.K.), die den ganzen Tag nur traurige Musik hört. Herr Schulz gibt sich dabei als „Old dirty man“, „kleiner Bär“ oder als „Phosphormann“ und macht dabei „Alles richtig“. Nachdem das Leben also mit schreiben fertig war, ging es mit Produzenten Moses Schneider, der schon für TOCOTRONIC und die BEATSTEAKS an den Reglern saß, ratzfatz ins Studio. In einer winzig kleinen Kabine und nur mit seiner Akustik Gitarre bewaffnet sang er die teils biographischen Lieder ein. Einzig Ben Lauber durfte ihn am Schlagzeug begleiten. Aber auch ein paar Gastauftritte von Musikerfreunden durften nicht fehlen, so gaben sich Gisbert zu Knyphausen oder Marten Ebsen von TURBOSTAAT die Ehre. Leider fehlte aber auch dieses Mal wieder DER HUND MARIE.

 

Olli Schulz C Heiko RichardOlli Schulz selbst sagt über seine Platte: „Da stolpert man von einem Abenteuer zum nächsten, versucht ein guter Mensch zu sein, zeigt seine Wunden, solidarisiert sich mit der Ahnungslosigkeit, verbarrikadiert sich gegen das Erwachsen werden und stellt irgendwann erschrocken fest, dass man im Speisesaal des Lebens doch nur ein Omelett bekommt. Wie soll man das verstehen? Ich glaube das Beste ist, darüber zu schreiben oder zu singen. Das mach ich. Also beides.“ Dabei bringt er sage und schreibe 17 Stücke über das Leben, die Liebe und Lethargie auf „SOS“ unter. Jedoch sind drei davon nur kleine Zwischenspiele. Die Platte beginnt mit dem wunderschönen Lied „Wenn es gut geht“ und der Frage: „Pass auf, bist du bereit?“. Prompt kommt auch schon die Antwort: „Alter, Yo!“. Hätte man kaum besser sagen können. Mit „Ich kenn’ da Ein“ beschert uns der wehrte Herr Reggae Beats, die ihm nicht minder gut stehen wie Gitarrenakkorde. In „Schrecklich schöne Welt“ zählt er diverse Möglichkeiten auf, was man mit seinem Leben doch alles anstellen könnte, zum Beispiel Boogie Woogie Mädchen in der Großstadt werden oder aber auch nach Las Vegas gehen und Pokerspieler werden. Das wohl hinreißendste Lied auf dem Album trägt den Titel „Koks & Nutten“. Olli erzählt die Geschichte von Typen wie Pete Doherty und Co und schließt mit einer Liebeserklärung an die Musik. Wen dieses Lied nicht packt, hat kein Herz! In „Phosphormann“ erzählt Schulz von seinem eigenen Musikerdasein und besingt unterdes auch Produzenten Moses. Zum Schluss wird noch artig allen Instrumenten, Möbeln und Buchstaben, die auf „SOS“ mitgewirkt haben, gedankt. Fazit: Die Scheibe fetzt! Tolle Momente der Musikgeschichte, viel Improvisation und auch ein bisschen Quatsch eben. Irgendwie schafft es Olli Schulz wie kein anderer witzig aufzutreten, ohne dabei lächerlich zu wirken und sich romantisch zu geben, ohne dem Kitsch zu verfallen. Und dann passt dieser Mischmasch aus „Mach-den-Bibo-Dadaismus“ (Andreas Borcholte) und herzzerreißenden Liebesliedern auch noch so gut zusammen, dass man gar nicht anders kann, als „SOS“ einfach zu lieben.

 

http://www.youtube.com/watch?v=_QIg2lD0NwE

 

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