BÜCHERBÖRSE

Don't believe the hype! - Madonna

  • geschrieben von Michael Hinterseer
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Madonna MDNA C Universal MusicIn dieser Rubrik nehmen wir uns die Radiolieblinge und Chartstürmer vor und prüfen, was das Album wirklich zu bieten hat. Diesen Monat: Madonna – MDNA

 

Vorweg: Madonna ist ein wichtiger Teil der Popgeschichte. Sie hat in der Vergangenheit Trends gesetzt, die Musik revolutioniert, Grenzen durchbrochen und sich immer wieder neu erfunden. Ich traue mich trotzdem zu behaupten: alles hat ein Ende nur Madonna hat 12.

Most of the time rhythm comes first. But if I'm playing my guitar, then the melody comes first. And then melody or the rhythm inspires the words.“ Merkt man. 'Girl gone wild' klingt schon so nach David GhettO, dass man sich kurz nicht sicher ist, ob man das Remix Album erwischt hat. Leider nicht. Der Text ist so belanglos, als hätten sich Shania Twain und Madonnas Hund besoffen und die Lyrics geliefert. Zum Glück dauert es nicht lang. Die Hoffnung stirbt zuletzt, sagt man. Bei dieser Scheibe stirbt sie bei Track zwei. Und zwar qualvoll. Selten habe ich etwas Dümmeres gehört. Da paart sich Eurodance mit penetranten Sprechparts, da reiht sich ein Pattern an den nächsten und Madonna macht Nichts, außer Peinlichkeiten rumzuschreien. Mein Lieblingspart: „If you're gonna act like a bitch – * peng * - then you're gonna die like a bitch!“ Wertvoll. 'Turn up the radio' macht die erste Minute ein bisschen Spaß, es erinnert an die Madonna aus den 2000ern. Und dann kam der Produzent und hat beschlossen, dass dem Lied fehlt etwas fehlt: Fetter Bass und so! Klar kommt eine Scheibe, die darauf ausgelegt ist, möglichst gut in den Clubs mixbar zu sein, nicht ohne nervtötende Radionummer aus. 'Give me all your Luvin'' ist genau eine der Nummern, die Radio heute unhörbar macht. Und um's kurz zu machen: Das Album bleibt sich – sagen wir's mal so – treu: Es oszilliert zwischen superflachem Radiotrash mit einer, dafür aber permanent, repetierten Textzeile und Prekariats- BumBum, dem es auch nicht zuträglich ist, wenn eine Frau in den Mid-Fifties Schimpfwörter drüberstöhnt. Klar kommt zum Schluss noch das ein- oder andere Ballädchen. Die haben zwar eher den Tiefgang eines Kinderschwimmbeckens, gehen aber mit viel Augen-Zudrücken noch als ambitioniert durch.

 

Das Schlimmste an diesem Album ist und bleibt aber: Es ist Madonna!

Von Anfang bis zum bitteren Ende schwirrt die Frage im Raum: Wie kann Jemand, der sein Fach doch eigentlich immer beherrscht hat, so ein Album verbrechen? Und mir zumindest bleibt es unerklärlich. Entweder macht Madonna jetzt doch auch auf schnelles Geld, oder der Jugendwahn hat mittlerweile auf's Hirn übergegriffen. „I'm a sinner, I like it that way!“. Schon klar. Man hat permanent das Gefühl, man müsste seiner Mutter erklären, dass „megageil“ nicht zwingend in den Wortschatz einer 50-jährigen gehört. Bei mir hat das Album jedenfalls eine Mischung aus Ärger, Verstörung und Mitleid hinterlassen. Da draußen gibt es so viele junge und talentierte Künstler, die ungehört bleiben, weil havarierte Titanen den Musikmarkt brandschatzen. Und noch nie habe ich jemandem so sehr den Ruhestand gewünscht, wie dieser, bislang, hoch geschätzten Grande Dame der Popmusik, die sich mit diesem Album nicht zurück- sondern abgemeldet hat. Dennoch – man soll nicht im Streit auseinandergehen. Normalerweise werden hier Titel genannt, die den Tracks auf dem Album ähneln – oder besser sind. Diesmal sollen es nur Madonna-Titel sein. Lieder, als Madonna noch Madonna war, die nicht auswechselbar sind, und die zu Recht ihren Platz im Pop-Olymp haben.

 

Madonna Madonna

Girl Gone Wild

Papa Don't Preach

Gang Bang

Like A Virgin

I'm Addicted

Die Another Day

Turn Up The Radio

Music

Give Me All Your Luvin'

Frozen

Some Girls

Material Girl

Superstar

You'll See

I Don't Give A

Don't Tell Me

I'm A Sinner

Like A Prayer

Love Spent

La Isla Bonita

Masterpiece

Sorry

Fallin' Free

Into The Groove

 

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