BÜCHERBÖRSE

‚Wake The Dogs‘ – Die Donots im Gespräch

  • geschrieben von Philipp Pinterits
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Donots c Patrick RunteDie deutschen Punk-Rocker DONOTS melden sich zu ihrem 18-jährigen Bandjubiläum mit dem Studioalbum ‚Wake The Dogs‘ zurück. UNIMAG traf sich mit Sänger Ingo und Gitarrist Alex.

 

Wie geht es Euch, gefällt es Euch in Wien?

Ingo: Wien ist natürlich immer eine Reise wert. Das ist quasi unser letzter Mini-Urlaub, bevor es mit der Platte so richtig losgeht. Alex: Als ich vorhin mit Ingo in der Stadt spazieren war, hat er gemeint: “Das ist ja ein richtiges Urlaubs-Feeling!“ Und wir freuen uns schon riesig darauf, unser erstes Konzert in diesem Jahr in Wien spielen zu dürfen.

 

Wie verliefen die letzten Wochen und Monate die Album-Aufnahmen zu eurer neuen Platte „Wake The Dogs“?

Ingo: Im April 2011 hatten wir unsere erste Session, bei dir wir uns in unsere Demos reingehört haben. Dann haben wir immer wieder etappenweise neue Songs eingespielt und nochmal angehört. Letzten Endes haben wir 18 Lieder „richtig“ aufgenommen und 14 davon haben es aufs neue Album geschafft. Wir freuen uns schon darauf, herauszufinden, wie die Songs live funktionieren!

 

Ihr spielt heuer bereits zum sechsten Mal bei Rock am Ring – geht Ihr immer noch mit derselben Einstellung an solche großen Festivals heran?

Ingo: Es klingt zwar sehr platt, aber für uns ist jeder Auftritt genauso wichtig wie der nächste. Wir freuen uns tierisch drauf, aber wir versuchen, von jeder Show so gut es geht, etwas zu lernen. Vor solchen „Show-Konzerten“ überlegt man natürlich schon, ob man manche Dinge besser machen könnte, wie zum Beispiel die Lichteffekte oder die Abwechslung in unserem Programm. Und wir wollen auch unbedingt einen Tag früher zu Rock am Ring anreisen, um METALLICA und SLAYER live sehen zu können.

 

Heute spielt Ihr bei einem „kleineren“ Event als Rock am Ring, bei „Der Hörsaal wird verlegt“. Ihr habt vor der Gründung der Band selber einmal studiert. Bei dir, Ingo, war es Anglistik und Germanistik auf Lehramt, stimmt das?

Ingo: Das ist richtig! Ich bin überrascht, dass du das von mir weißt. (lacht)

 

Und du, Alex, hast vor etwa sechs Jahren dein Diplom-Wirtschaftsstudium abgeschlossen. Erinnert Ihr euch vor solchen Studentenparties an Eure eigene Studentenzeit zurück?

Alex: Das Problem war, dass ich meine Studentenzeit nie so richtig miterlebt habe, weil wir immer auf Tour waren. Als wir aber selber auf Studentenparties gespielt haben, habe ich zumindest von der Bühne miterlebt, dass Studenten sehr ausgelassen feiern können. (lacht) Ingo: Dementsprechend kann ich mich auch nur noch an wenige Feste erinnern. (lacht) Aber unsere Heimatstadt Münster ist diesbezüglich ein sehr dankbares Pflaster. Münster ist eine große Studentenstadt, bei der man auch viele Möglichkeiten zu feiern vorfindet. Ich war letztens sogar auf einer Studentenparty und für mich ist es jedes Mal das Gleiche, so ein bisschen wie: “ und täglich säuft das Murmeltier.“ (lacht)


Donots2 C Andreas Hornoff 

Euer ursprünglicher Heimatort, in dem Ihr die DONOTS gegründet habt, ist Ibbenbüren im Tecklenburger Land. Fußball-Nationalspieler Simon Rolfes ist auch dort geboren. Kennt Ihr ihn persönlich?

Alex: Nein, wir kennen ihn nicht persönlich. Ich wusste zwar, dass Nationalspielerin Kerstin Garefrekes aus Ibbenbüren-Recke kommt, aber nicht, dass Simon Rolfes auch von dort ist - Ist ja abgefahren!

 

Alex, wie hast du es geschafft, die Band und dein Studium unter einen Hut zu bringen?

Alex: Zu Beginn jedes Semesters habe ich mir gedacht: “So, jetzt höre ich auf! Ich mach’s nicht mehr weiter!“ Wir waren während meiner Klausuren auf Tour, sodass ich sehr viel herumgereist bin. Ich bin zum Beispiel nach einem Konzert in Süddeutschland nachts mit dem Zug nach Münster für eine Klausur raufgefahren, danach wieder nach München, nach diesem Konzert wieder rauf zur nächsten Klausur und so weiter. Deswegen bin ich auch ein paar Mal durchgefallen. Aber dadurch, dass ich der einzige in der Band bin, der keinen Alkohol trinkt, konnte ich frühmorgens im Tourbus noch lernen, während die anderen noch schliefen. Das war schon sehr angenehm. Ingo: Man muss ja auch Alex‘ „Schockzustand“ ein bisschen verstehen: Er ist heute als Antialkoholiker in einer Brauerei bei einer Semesterparty – der Mann ist so nah dran am Saufkulturschock, wie man nur sein kann! (lacht)

 

War Alex‘ Studium ab einem gewissen Grad auch eine Belastung für die anderen Bandmitglieder?

Ingo: Wir pflegen innerhalb der Band alle eine sehr enge Freundschaft, wir sind wie eine Familie, wir sind alle Teamplayer. Natürlich ist es dann schöner, wenn wir im Tourbus alle zur selben Zeit zusammensitzen. Aber auch so etwas muss man irgendwo akzeptieren und unterstützen, wenn einer von uns sein Studium durchziehen will. Dann kann Alex zumindest hinterher mit Mitte 40 sagen „Ich habe alles richtig gemacht!“, während wir alle total zerstört in der Ecke liegen. (lacht)

 

Wie hast du dich schlussendlich dazu aufgerafft, das Studium abzuschließen?

Alex: Es wäre für mich sehr unbefriedigend gewesen, dass dieser Ast abgeschnitten wird und einfach aufhört. Ich dachte mir immer wieder: Auch, wenn ich dieses Semester nur ganz wenig schaffe, komme ich wenigstens ein bisschen weiter. So habe ich in manchen meiner 17 Semester nur eine einzige Klausur geschrieben, manchmal waren es wieder sieben und irgendwann war ich mit dem Studium fertig. So ist das, wenn man ein Studium abschließt – man fragt sich: Was habe ich denn eigentlich gelernt? Ich fühle mich genauso blöd wie vorher. (lacht)

 

Ingo, war es für dich keine Option, dass du dein Studium fortführst?

Ingo: Ende der 90er haben wir unseren ersten Plattenvertrag unterschrieben und das bedeutete, dass wir unsere Zeit in erster Linie der Band widmen mussten. Und als ich mir meinen Stundenplan und unsere Tourtermine angesehen habe, stellte ich fest, dass ich es in keinen Kurs öfter als 3-mal schaffen werde. Alex: Man muss dazusagen, dass es in den Kursen von Ingo’s Studium Anwesenheitspflicht gab. In meinem Wirtschaftsstudium war es unerheblich, ob ich anwesend war oder nicht. Ich musste nur die Klausuren bestehen.

 

Alex, könntest du dir vorstellen, dich – sowie BAD-RELIGION-Sänger Greg Graffin - eines Tages zu habilitieren?

Alex: Über Greg Graffin’s Lehrtätigkeit habe ich erst kürzlich wieder gelesen. Ich bin jedenfalls auf der Homepage der Uni Münster (Link: http://www.wiwi.uni-muenster.de/ism/organisation/mitarbeiter.html) als „wissenschaftlicher Mitarbeiter“ eingetragen, obwohl ich noch keinen einzigen Tag dort gearbeitet habe. (lacht) Ich bin nämlich seit Ende meines Studiums offiziell Promotionsstudent, hatte aber keine Zeit mehr dafür, meine Dissertation zu schreiben, seitdem Ingo und ich unser eigenes Label gegründet haben. Ich kann es zurzeit nicht sagen, aber vielleicht schlage ich wirklich einmal eine Laufbahn als Professor ein, wenn wir die Band irgendwann dicht machen oder wenn wir alle wieder richtig viel Zeit haben.

 

Aus welchen Gründen würdet Ihr studierenden Musikern – oder musizierenden Studenten – empfehlen, ihr Studium nicht aufzugeben?

Alex: Prinzipiell sollte man in sich hinein horchen und sich fragen, was man will. Meine Freundin hat zweimal ein Studium begonnen, bis sie gemerkt hat, dass ihr das nicht so liegt. Und wenn man merkt, dass man seine ganze Energie in die Musik reinstecken will, ist das wundervoll. Umso schöner ist es, wenn man – sowie in meinem Fall – ein Studium und eine Band gleichzeitig am Laufen hat. Das Wichtigste ist, dass man herausfindet was man will, und versucht, das umzusetzen. Ingo: Ich bewundere Menschen, die es schaffen, für zwei Dinge auf einmal zu „brennen“. Ich glaube nicht, dass ich Studium und Band parallel hinbekommen hätte und bin damit glücklich, wie sich alles entwickelt hat. Aber ich glaube, dass es mehrere Leute gibt, die es schaffen, beides zu betreiben und kann da Alex nur beipflichten.

 

Ihr seid eigentlich alle schwer beschäftigte Kerle: Ihr beide habt euer gemeinsames Label Solitary Man Records, du Ingo, hast noch deine zweite Band, SCHRAPPMESSER, Schlagzeuger Eike hat Kinder – wird Euch das alles nicht manchmal zu viel?

Ingo: Ich habe großen Respekt davor, wie Eike das alles hinbekommt: Er ist der einzige von uns, der in Köln wohnt und pendelt jeden Tag hin und her. Und ganz nebenbei versorgt er auch noch seine Familie. Mit „Solitary Man“ haben wir unsere letzten beiden Studioalben quasi in Eigenregie veröffentlicht, was uns beim Release-Turnus der letzten Platte wirklich zu viel wurde. Deswegen sind wir froh, dass wir bei ‚Wake The Dogs‘ mit Universal zusammenarbeiten, um ein bisschen Arbeit auslagern zu können.

 

Wie seid Ihr auf den Albumtitel ‚Wake The Dogs‘ gekommen?

Ingo: Interessante Frage, der Titel hat sich irgendwann bei uns allen aufgedrängt. ‚Wake The Dogs‘ war der Name, der uns bei den Demo-Sessions unter den 80, 90 Titeln am Meisten angesprochen hat. Alex: Außerdem war der Albumtitel bei dieser Platte eines der ersten Dinge, die bereits feststehen. Wir haben uns noch nie so schnell auf einen Albumtitel geeinigt. Ingo: Normalerweise steht sogar noch auf den Master-Bändern irgendein fiktiver Albumtitel drauf, der es schlussendlich doch nicht geworden ist. Aber diesmal wussten wir den Titel schon sehr früh.

 

Alex, wolltest du jemals deinen Studienstress in Songtexten verarbeiten?

Alex: Ach, nein! So stressig war es für mich auch nicht. Ich bin eigentlich auch immer zur Entspannung in die Uni gegangen. Das hatte für mich etwas Beruhigendes, sowie ein Kino- oder Theaterbesuch, weil ich dort den Kopf von der Band freibekommen konnte.

 

Noch eine abschließende Frage zum Studioalbum: In welche Richtung seid Ihr mit ‚Wake The Dogs‘ musikalisch und textlich-inhaltlich gegangen? Darf man politische Lyrics erwarten?

Ingo: Es klingt für mich wie der konsequente nächste Schritt nach den letzten beiden Platten. Wenn man unsere vorigen zwei Werke anhört, kann man eine Idee bekommen, wohin ‚Wake The Dogs‘ musikalisch geht. Wir haben diesmal versucht, mehr Tonspuren wegzulassen als früher. Textlich nimmt man natürlich immer mit, was gerade in der Welt passiert. Aber wir würden uns nicht als politische Band bezeichnen. Die Texte sind letzten Endes alle sehr persönlich. Im Wesentlichen hört man mich mein Tagebuch der letzten zwei Jahre singen. Alex: Über diese Platte hat bisher jeder, der sie gehört hat, gesagt, dass sie sich total richtig anfühlt. Es stimmt einfach alles. Als hätten wir jetzt nach 18 Jahren eine riesige Seifenblase zum Platzen gebracht.

 

http://www.youtube.com/watch?v=-8KgDaS4oCs


 

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