BÜCHERBÖRSE

Top Ten bisherige Alben 2012

Perfume Genius - Put Your Back N2 It
Perfume Genius - Put Your Back N2 It

perfume-genius-put-your-back-n-2-it-cosWährend sich die Fußball-EM langsam aber sicher ihrem Ende zuneigt, ist im Musikjahr gerade einmal Halbzeit. Ein Grund für eine Pause ist das keiner, einer für ein kleines Zwischenfazit aber allemal. Eher im Namen des Redakteurs als der Redaktion, gibt es hier daher die zehn besten Alben des bisherigen Jahres.

# 10 Lone – Galaxy Garden
Spätestens mit der hervorragenden Single ‚Crystal Caverns 1991‘ entwickelte sich Lones „Galaxy Garden“ zu einem der meist-erwarteten Alben des Jahres. Ende April war er dann da, der fünfte Langspieler des britischen Musikproduzenten. Mit tropisch anmutenden Synthesizern entwirft Lone ein Dance-Album, das sich dank zuckersüßer Melodien tief ins Gedächtnis gräbt und dort lange Zeit kleben bleibt.http://www.youtube.com/watch?v=wJGP2FhdHzM

# 9 Daniel Rossen – Silent Hour/Golden Mile
Auch wenn es sich bei „Silent Hour/Golden Mile“ nur um eine EP handelt, hat es sich einen Platz in der Liste eindeutig verdient. Rossen, der seine zugleich anspruchsvoll intelligenten und harmonischen Folk-Pop-Songs normalerweise für Grizzly Bear schreibt, hat hier eine Songs-Kollektion vorgelegt, die Fans der erwähnten Band die Wartezeit auf das neue Album mehr als nur versüßen wird.http://www.youtube.com/watch?v=L9ExU3WAi0Y

# 8 Soap & Skin – Narrow
Schön, wenn man ein österreichisches Album nicht aus patriotischen, sondern aus musikalischen Gründen erwähnen kann. Dass Soap & Skin, gerade international betrachtet, der interessanteste heimische Musik-Act der Gegenwart ist, ist ja schon seit Langem kein Geheimnis mehr. Düster-depressive Klavierstücke, getragen von Anja Plaschigs signifikanter Stimme, prägen ihren zweiten Langspieler. Kollegin Pusswald schrieb zum Erscheinungstermin, das Album klinge „ein bisschen so wie Rotwein schmeckt“. Kann man unterschreiben.http://www.youtube.com/watch?v=t4rmGFdMkRI&feature=related

# 7 Cloud Nothings – Attack On Memory
Nach einem wenig bemerkenswerten Debütalbum haben Cloud Nothings, die Indie-Rocker aus Cleveland, im Jänner mit ihrem zweiten Album das erste richtig große Musik-Highlight des Jahres vorgelegt. Ihr Stil ist in keiner erkennbaren Weise neu oder experimentell, ihre Interpretation von Grunge, Emo und Noise-Rock ist aber mehr als nur gelungen. Vom ersten Takt an ist „Attack On Memory“ ein Treffpunkt für Ohrwürmer, die von starkem Gitarrenspiel, intensiven Drums und dem expressionistischen Gesang von Bandleader Dylan Baldi leben.http://www.youtube.com/watch?v=H68CWlE9K40

# 6 Perfume Genius – Put Your Back N 2 It
Unter seinem Synonym Perfume Genius hat Mike Hadreas Anfang des Jahres seine zweite Platte, „Put Your Back N 2 It“ vorgelegt. Die meisten der allesamt nur sehr kurzen 12 Lieder (zwischen 1:49 und 3:16) sind sehr minimalistisch und bestehen nur aus einem dominanten Klavier, zaghaft eingesetzten Drums und Hadreas Stimme, die man als zugleich schüchtern und ausdrucksstark bezeichnen könnte. Die Harmonie dieser Elemente und die Hoffnung, die sich in den deprimierenden Texten versteckt, machen das Album zu einer unumgänglichen Anspielempfehlung für nachdenkliche Stunden.http://www.youtube.com/watch?v=6A46Yh2wlQ0

# 5 Spiritualized – Sweet Heart Sweet Light
Die englischen Space-Rocker drehen schon seit 1990 ihre Kreise in der Musikszene und somit ist die Band wohl älter als so mancher Leser. Dennoch haben sie es immer noch drauf und haben heuer mal wieder ein richtig großes Ausrufezeichen gesetzt. Mit teils extra-cheesigen Texten, einer adäquat dramatischen Musik, herrlichen Klimaxen und einer super-soliden Produktion ist alles dabei, was ein großes Rock-Album benötigt. http://www.youtube.com/watch?v=I-A0NdCq8KQ

# 4 Killer Mike – R.A.P. Music
Das sechste Studioalbum des amerikanischen Rappers Killer Mike ist eine, im Hip Hop-Geschäft mittlerweile eher seltene, Kollaboration mit nur einem einzigen Produzenten. Dieser hört auf den Künstlernamen El-P und hat mit seinen Beats schon so manches Album auf Vordermann gebracht. Auch hier ist die fetzige, catchige und nennen wir es mal angemessen experimentelle Produktion eines der beiden Highlights. Das andere ist freilich Killer Mike selbst, der mit seinen hart vorgetragenen Texten gekonnt zwischen Party-Mucke und politischen Verschwörungstheorien wechselt.http://www.youtube.com/watch?v=7m72ZPUyeTo

# 3 Beach House – Bloom
Beach House ist keine Band, die sich im Laufe der Jahre groß verändert hat. Über die ersten drei Studioalben hinweg hat man den einst so rauen Dream Pop-Sound zwar immer wieder ein bisschen glatter poliert und bewusst besser produziert, aber wirklich viel geändert hat sich nicht. Mit dem vierten Studioalbum, „Bloom“, ist das sogar noch extremer geworden. Die Lieder könnten nämlich gut und gerne auch vom Vorgänger „Teen Dream“ stammen, das ist klar. Fakt ist aber auch, dass Beach House auch bei gleich bleibendem Sound wieder ein Meisterwerk gelungen ist. Victoria Legrands mal tiefe, mal engelshohe Stimme ist immer noch faszinierend und die verträumten E-Gitarren harmonieren mit ihr ebenso gut wie die zu Superlativen verführenden Melodien und die poetisch-schönen Texte. Und in einer, auch in der Musikwelt, Zeit des stetigen Wandels, tut so ein bisschen Stillstand ja auch mal ganz gut.http://www.youtube.com/watch?v=oHjxwHwSRN4

# 2 Fiona Apple – The Idler Wheel
Gut, dass sich das Internet darauf geeinigt hat, Fiona Apples neuestes Meisterwerk einfach nur noch als „The Idler Wheel“ zu bezeichnen. Der Vollständigkeit halber sei der ganze Titel erwähnt: „The Idler Wheel Is Wiser Than the Driver of the Screw and Whipping Cords Will Serve You More Than Ropes Will Ever Do“. Klar merkt sich das keiner. Viel wichtiger ist aber ohnehin der Inhalt des Albums, sind die Lieder selbst. Nach stolzen sieben Jahren Pause entwarf die Singer-Songwriterin ein großartiges Art Pop-Album, dessen Produktion die maßvolle Balance zwischen zu viel und zu wenig gelingt, dessen Songwriting allererste Sahne ist und dessen Texte ans Herz gehen. Wenn das gerade mal eine Woche alte Album auch noch reift wie guter Wein, braucht man ja überhaupt nichts anderes mehr zu hören.http://www.youtube.com/watch?v=EfXvIs9bojM

# 1 Death Grips – The Money Store
Grässlich lärmende Beats und ein aggressiv dahinbrüllender MC mögen, zugegebener Maßen, nicht unbedingt Zutaten für den Titel des zugänglichsten Albums des Jahres sein. Zwischen dem letztjährigen Mixtape „Exmilitary“ und dem diesen April erschienenem Debütalbum, „The Money Store“, haben es die kalifornischen Experimentalisten rund um Schreihals Stefan Burnett aber geschafft, ihrem Sound den nötigen Feinschliff zu geben. Was vorher selbst für den interessiertesten Musikbegeisterten erst beim fünften, sechsten Mal Hören brauchbar war, ist jetzt bei entsprechend offener Einstellung auch gerne Mal eine Sommerhit-Kompilation. Wer sich auf das Abenteuer einlässt, wird schon bald sozialpolitisch nicht ganz irrelevante Ohrwürmer wie „Seen crazy shit, man crazy shit – I’ve seen footage, I stay noided – I’ve seen footage“ haben.http://www.youtube.com/watch?v=3_V_2BFWahc

Michael Leitner

Michael Leitner | Redakteur & Community-Betreuer Gewinnspiele

michael.leitner (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: Oktober 2011

 

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