BÜCHERBÖRSE

Manege frei für Philipp Poisel im MQ!

Manege frei für Philipp Poisel im MQ! Philipp Poisel

Am 8. Januar stellte der 29-jährige deutsche Singer-Songwriter Philipp Poisel zusammen mit seiner Crew sein erfolgreiches "Projekt Seerosenteich" im Museumsquartier vor und ließ dabei die Teenie-Herzen höher schlagen.

Museumsquartier, Halle E. Es ist 19:30 Uhr. Die Besucherströme, die zu einem Großteil aus Mädchen  bestehen, füllen nach und nach die Halle - und ich mittendrin. Jetzt heißt es warten, bis Philipp Poisel mit seinem Programm beginnt.

Eine Stunde später geht es endlich los. Ein Zirkusdirektor erklärt kurz den Programmablauf und kündigt schließlich den Star des Abends an.

Die Menge tobt, als Poisel und ein Streichquartett mit "Schweigen ist Silber" das Konzert einläuten. Als er das Publikum nach zwei Songs begrüßt, wirkt er eher schüchtern und unbeholfen. Mich erinnert er dabei an einen kleinen Teddy, den man einfach in den Arm nehmen muss. Der Sänger erzählt, wie er die Dekorationselemente, die auf jedes Lied abgestimmt wurden, monatelang mit Freunden handgesägt und angemalt und Dias mit der Scherenschnitt-Technik vorbereitet hat. Es zeigt, wie sehr ihm sein „Projekt Seerosenteich“ am Herzen liegt, auch wenn die Motive oftmals so wirken, als hätte er sich die Bastelideen aus dem Kindergarten geholt.

Um die Zeit zwischen den Umbauarbeiten zu überbrücken, werden zwischen den Songs Zirkuskunststücke aufgeführt. Eine Bandtänzerin macht den Anfang, danach folgen noch eine Pantomime und ein Narr.

Als Philipp Poisel sich schließlich an das Klavier setzt und über das nächste Lied spricht, ist spätestens nach den Stichworten „Matthias Schweighöfer“ und „Soundtrack zu What a Man“ klar, dass es sich hierbei nur um „Eiserner Steg“ handeln kann. Der ganze Saal verstummt, um den Klängen seiner Stimme zu lauschen, bis nach dem letzten Ton jubelnder Applaus zu hören war. Mich konnte er mit der Live-Version leider nicht überzeugen. Gesanglich klang es hervorragend, keine Frage, aber bei mir löste sogar das YouTube-Video mehr Emotionen in mir aus.

Ein Sternenhimmel wird als nächstes an die Wand projiziert und Fisch- und Seerosen-Aufsteller auf der Bühne verteilt. Philipp und seine Mitsängerin Alin Coen geben in einem Duett „Seerosenteich“ zum Besten. Und als Höhepunkt fällt am Ende sogar Schnee von der Decke, bevor eine 20-minütige Pause beginnt. Die zweite Hälfte startet kraftvoll mit „Zünde Deine Feuer“, bei dem der Sänger als Astronaut auftritt. Auch jetzt erwarten uns in den kleinen Pausen wieder Kunststücke der Crew-Mitglieder wie beispielsweise ein Bogenschütze, der Poisel einen Apfel vom Kopf und dabei in seine wuschelige Paarpracht schießt oder ein Zauberer, der sein Handwerk lieber noch einmal üben sollte. Was die oftmals ruhigen Songs, die kindliche Bühnendekoration und die ins Lächerliche gezogenen Zaubertricks gemeinsam haben, verstehe ich bis heute nicht. Die gesamte Show wirkt unzusammenhängend und unprofessionell.

Einige Highlights sorgten allerdings dafür, meine Meinung zum „Projekt Seerosenteich“ noch einmal umschwingen zu lassen. Bei „Wie soll ein Mensch das ertragen“ spielt Poisel wieder am Klavier – diesmal mit mehr Gefühl, was durch die Ausdruckstänzerinnen im Vordergrund noch verstärkt wird. Außerdem stürmt gegen Ende der Show einfach ein Bär mit Ballons auf die Bühne und stiehlt dem Sänger mit seiner Tanzeinlage sichtlich die Show. Und bei „Froh dabei zu sein“ singt und spielt er ohne Verstärkung auf der Gitarre, während das Publikum mit einstimmt und gemeinsam mit ihm für einen schönen Konzertabschluss sorgt.

Generell habe ich mir unter dem „Projekt Seerosenteich“ etwas völlig anderes vorgestellt. Als ich von den selbstgemalten Bühnenbildern hörte, dachte ich an mehr als kindliche Aufsteller, und auch bei den Zauberkunststücken hätte ich erwartet, dass sie einen eher ins Staunen, anstatt in Gelächter versetzen. Das Konzept bleibt mir bis heute ein Rätsel. Doch zumindest gesanglich konnte mich Philipp Poisel sehr überzeugen – auch wenn er sich für meinen Geschmack langsam etwas zu sehr am Gesangsstil seines Mentors Herbert Grönemeyer orientiert.  Das Nuscheln von Textpassagen und Verschlucken von Silben zeichnet ihn zwar aus, aber oftmals war es einfach zu viel des Guten.

Petra Püngüntzky

Chefin vom Dienst | Content Managerin
Ressortleiterin Musik & Events
Redakteurin | Fotografin

petra.puenguentzky (ät) unimag.at

 

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