BÜCHERBÖRSE

„Gay, cunty and really out“

„Gay, cunty and really out“ (c) Rick Owens

 

Queer Rap ist eine progressive Entwicklung der Musikszene, die nicht zu stoppen ist, auch wenn noch nicht alle in einem Boot sitzen.

Sänger und Rapper Frank Ocean outete sich letztes Jahr öffentlich. Damit setzte er zwar nicht das erste, aber ein sehr wichtiges Zeichen für die Akzeptanz der Homosexualität im Hip-Hop. Und er war nicht der Einzige, viel mehr war das Jahr 2012 ein blühendes für Queer Rap und deren Unterstützer.

Queer Rap beruht auf einer traditionsreichen Szene, die ihre Ursprünge in den 1970er Jahren hat. In den äußerst wandelbaren Vororten New Yorks entwickelte sich die Ball Culture, die für subkulturelle Tanz- und Schönheitswettbewerbe steht, die meist in Drag abgehalten wurden.

Let’s have a ball!

Typisch für diese Events war nicht nur House-Musik mit Voice Overs, sondern auch ein spezieller Tanzstil namens Vogue. Nachdem sich die Szene in den 1980ern explosionsartig von Harlem nach Downtown Manhattan verbreitet hatte, wurde Voguing das erste Mal durch Madonnas gleichnamiges Video im Jahre 1990 öffentlich bekannt.

Viele der Queer Rapper nennen die Ball Culture als ihre Wurzeln. So auch Zebra Katz, der mit seinem minimalistischen Track „Ima Read“ auf der Paris Fashion Week Aufmerksamkeit erregte. „Ima Read“  könnte dabei als Pro-Education ausgelegt werden, doch es ist ein Szeneeigener Ausdruck für „auf dem Dancefloor fertigmachen“.

Rapper und Rapperin in einem

Auch Mykki Blanco war als Kind fasziniert vom Voguing und tritt seit früher Zeit selber in Drag auf. In seinen Videos ist er nicht nur der schmächtige Rapper, sondern auch die langhaarige Rapperin. Katz und Blanco teilen die Vorliebe zu harten, kalten Beats, doch Blanco nutzt seine Lyrics um Rap-Klischees auf den Kopf zu stellen.

Der 21-jährige Cakes da Killa ist das Küken der Szene. In einem Interview betont er die Wichtigkeit von positiven Vorbildern, denn auch er orientiere sich an Mykki Blanco. Trotzdem sei es noch wichtiger, sich nicht über einen Kamm scheren zu lassen: „We're all cunty, we're all gay, and we're all really out“, doch trotzdem hätte ein jeder seinen eigenen Stil, der ihn zu einem einzigartigen Teil dieser progressiven Szene macht.

 

Anne-Marie Darok

Anne-Marie Darok | Redakteurin

Musik, Mode und auch ein bisschen Film - solange Adjektive nicht verboten sind, wird gerne über das (fast) komplette Kulturspektrum berichtet

anne-marie.darok (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: Mai 2011

 

 

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