BÜCHERBÖRSE

Milow: North and South

  • geschrieben von Michael Hinterseer
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milow north and south C universal musicMit „You don't know“ und dem Timberlake-Cover „Ayo Technology“ gelang dem glatzköpfigen Belgier mit Schwiegersohnattitüde 2008 der Durchbruch in Österreich und Deutschland. Die Single-Auskopplung „You and me (In my pocket)“ hält sich seit Wochen in den Top 20.

 

Das neue Album ist solide. Das war's aber auch

 

North and south – der Name ist hier Programm. Milow klappert fleißig alle Breitengrade des Pop ab, damit ja auch für jeden etwas dabei ist. Dabei bedient er nicht nur seine Fans mit gewohntem Sound, sondern versucht auch geschickt jene anzusprechen die denken, dass die Musik in der Werbung für große Telefonanbieter „Indie“ ist. Die Bandbreite geht dabei von Hits für Rentner und Königsloyale („The Kingdom“) über den Jack Johnson Surferclub („You and me“) bis zum fröhlichen Kindernachmittag mit Kaffee und Kuchen („Rambo“). Dabei bleibt er stets im Rahmen, Ausgefallenheit oder Innovation sucht man vergeblich. Zwar hat sich hie und da etwas Elektrosound (!) unter den gewohnten 2/4 Gitarrenschlag gemischt, dieser fällt aber wenig bis gar nicht auf.


Misstrauen ist angebracht


Es ist ein Album, das man von der Popindustrie (schon alleine wegen der Zusatzbetitelung diverser Songs in Klammern sollte man misstrauisch sein) erwartet. Denn es würde so gar nicht ins Verkaufsschema passen, wenn der süße/heiße/sexy Milow jetzt plötzlich einen auf Rocker macht. Dann doch lieber einen Sommersong („Little in the middle“) oder was zum Schmusen („She might“) Amerika macht sich doch auch immer gut, oder? („California Rain“) Was dabei herauskam ist ein Mixtape für den Frühling, gesungen von Milow.

 

Nichts desto trotz ist das Album nicht schlecht. Gesanglich und musikalisch sehr beflissen, gut produziert. Es macht sich sicherlich gut am See, auf dem Balkon oder wo man sonst noch abschalten kann und nicht merkt, dass die CD schon den vierten Repeat durchläuft.

 

Tracklist:


1.)

Son: Plätschernd – langweiliger Popsong mit etwas Elektro - Sound am Anfang, kalkulierter Gitarre am Ende und Pathos im Text.

Erinnert an: Dido auf Mokka


2.)

She might: Fröhlich – Leichtes Schmachtlied mit einem Hauch Singer/Songwriter

Erinnert an:  Jack Johnson – Cocoon


3.)

You and me (In my pocket): Frühere Milow-Songs in neuem Gewand. Alles in allem ein „nettes“ Lied.

Erinnert an: Milow – Ayo technology / You don't know

 

4.)

Little in the middle: Gelungenes Duett mit Country-Touch und passender Orchestrierung. Sommersong.

Erinnert an: Jeremy Kay – Have it all


5.)

Building Bridges: Leises, einfaches Singer-Songwriter Stück. Gelungen.

Erinnert an: Damien Rice – Grey room


6.)

Never gonna stop: Erinnert an „Ayo Technology“. Gut produziert aber einfallslos. R'n'B Färbung. Der Refrain ist von Michael Jackson.

Erinnert an: Michael Jackson – Who is it?


7.)

Rambo: Mitklatsch-Kinderlied über seine Berufswünsche als Kind. Wäre es nicht auf Englisch, wäre es Schlager

Erinnert an: Israel Kamakawiwo'ole – Somewhere over the rainbow


8.)

California Rain: Ein Ritt auf der „I love California“ Welle, mit starkem Countrypop – Einschlag

Erinnert an: Dixie chicks – not ready to make nice


9.)

Move to town: Planierter Dixiesound gemischt mit Folkelementen für die Massen. Solides Lied.

Erinnert an: Paul McCartney – Mull of Kintyre


10.)

The Kingdom: Einfach nur langweilig. Dank des Lobesgesangs auf die königliche Heimat leider auch textlich.

Erinnert an: Dolly Parton - Coat of Many Colors


11.)

KGB: Nette Gitarrenzupferei im Stil der aktuellen Mobilfunkwerbungen. Schließt den Kreis textlich mit dem ersten Lied (Vater). Fade out...

Erinnert an: Lisa Mitchell - Neopolitan dreams


http://www.youtube.com/watch?v=b7GhrUaNDAI

 

 

 

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