BÜCHERBÖRSE

Mies. TV auf der Architekturbiennale in Venedig

Das Team von Mies. TV in Venedig (c) Mies. TV
Das Team von Mies. TV in Venedig

Mies. TV, eine Gruppe von Architekturstudierenden an der TU Wien, fuhr zur Eröffnung der wichtigsten Architekturausstellung, der Architekturbiennale, nach Venedig. Dort interviewten sie in frecher und direkter Art die größten Architekten der heutigen Zeit. Wir unterhielten uns mit Arian Lehner, Direktor von Mies. TV, und erfuhren, was das Projekt ist und welche Erfahrungen er in Venedig machte.

Was ist Mies. TV?
Mies. TV entstand aus der österreichischen Architektur-TV-Sendung 'Mies. Magazin'. Dabei interviewen Studierende seit 2011 namhafte Architekten aus Österreich und Menschen aus architekturnahen Feldern. Diese Interviews werden auf Okto ausgestrahlt und zur Premiere in einem kleinen Kino vorgeführt. Der Name 'Mies.' leitet sich vom berühmten Architekten der Moderne Ludwig Mies van der Rohe ab. Das Wortspiel ist uns dabei durchaus bewusst. Nach dem Erfolg in Österreich startete Mies. auch mit eigener Produktion im Vereinigten Königreich, Slowakei, Mexiko und Frankreich durch. Auch dort werden heimische Architekten vor die Kamera von Architekturstudierenden gebeten, und die Sendungen bei einer Filmvorstellung präsentiert. Mies. TV ist nun die internationale Platform aller ‚Mies. Länder'

Laut Eigendefinition wollt ihr "architektonische Vorurteile aus dem Weg räumen, nationale Ideologien und Geisteshaltungen vorstellen und die Thematik der Architektur widerzuspiegeln". Was genau kann man darunter verstehen?
Architekten kommen unserer Meinung nach nicht oft genug zu Wort. Meist fragt man sie über ihre Gebäude, die Betonwände und Fenster, und wenn es dann doch um ihre Philosophie geht, dann meist in so einem unverständlichen, komplizierten Fachjargon, dass der Laie schon gleich am Anfang aussteigt. Wir fragen Architekten nicht als Journalisten, sondern als einfache aber interessierte Studierende und bekommen dementsprechend ehrliche und direkte Antworten, die auch Nicht-Architekturstudierende verstehen und aufnehmen können.

Wie entstand die Idee, zur Biennale zu fahren?
Die Biennale ist das größte und wichtigste Ereignis im Kalender der internationalen Architekturwelt. Am Eröffnungswochenende versammeln sich dort die bekanntesten Architekten unserer Zeit und sind auf engstem Raum in und zwischen den Pavilions zu erspähen. Da Mies. in so rascher Zeit so schnell expandiert ist, war dies die perfekte Gelegenheit, dass sich alle Produzenten der Länder (Arian, Dominik, Bernhard, Paula, James, Adam und Matthieu) einmal persönlich treffen, und gleich gemeinsam etwas Besonderes produzieren konnten.

Wie war euer Trip nach Venedig?
Für viele von uns war es das erste Mal auf der Architekturbiennale. Man hört viel davon im Architekturstudium und auch in den anderen Architekturmedien. Wir haben gewusst, dass dieses Wochenende für uns so wichtig sein wird, wie die Oscarnacht für Filmstudenten. Ein bisschen aufgeregt waren wir schon; zu wissen, dass wir dort die weltgrößten Architekten sehen werden, und fragten uns, ob wir uns wirklich trauen würden frech auf sie zuzugehen.

Wie ist es euch dort ergangen?
Dort angekommen (nach einer 8 Stunden Fahrt durch die Nacht) ging es gleich zum Pressezentrum (wir waren dort als offizielle Journalisten akkreditiert, oh yeah!). Auch für die Architekturpresse ist die Biennale eines der größten Events; dementsprechend war auch das Pressezentrum für uns kleinen Studierenden sehr beeindruckend. Wir waren sieben Leute und liefen von einem Eck zum Anderen. Nun stehen man lauter Gesichtern, die man aus den Vorlesungen kennt, gegenüber. Die berühmtesten Architekten von denen deine Kollegen schwärmen, stehen nun in der gleichen Schlange wie du für einen Kaffee an. Dann hieß es frech sein und einfach auf die Architekten zugehen. Jene Architekten, die nicht im Zeitstress waren, nahmen sich gerne Zeit für eine kleine Abwechslung. Es schien auch ihnen zu gefallen, dass sie direkt zu ihren Nachkömmlingen - den Architekturstudierenden - reden konnten.

Auf welchen Interviewpartner hast Du dich besonders gefreut?
Ich persönlich habe mich gefreut, Jacques Herzog (von Herzog & de Meuron) vor die Kamera bekommen zu können. Das Büro ist bekannt für die Allianz Arena in München, das Vogelnest-Stadion in Peking oder die Elbphilharmonie in Hamburg. Ein bisschen war ich schon nervös, das hört man auch anfangs an meiner Stimme im Interview...

Videos unter: www.youtube.com/miestvcom

Das gesamte Team von Mies. TV
Arian Lehner, Dominik Kastner, Bernhard Mayer, Paula Brücke (Österreich)
James Taylor-Foster (Vereinigtes Königreich)
Adam Gajdos (Slowakei)
Matthieu Bordreuil (Frankreich)
Gonzalo Mendoza Morfin (Mexiko)

Jacques Herzog im Interview

Lukas Fischnaller

Mag. Lukas Fischnaller | Chefredakteur
Twitter: @lukfis1

Kontakt: lukas.fischnaller(ät)unimag.at

Webseite: www.unimag.at
 

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