BÜCHERBÖRSE

Lernzeit – scheiß Zeit!

  • geschrieben von Julia Ernstorfer
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Studentenleben Bibliotheksscheck Bild1Jedes Semester kommt sie wieder. Und jedes Semester hofft man schon zu Beginn, dass sie vorbei ist – die Lernzeit. Doch wo verbringt man diese Zeit am besten? In der Bibliothek oder daheim? Um euch diese Entscheidung zu erleichtern, kommt hier der ultimative Bib-Check!

 

Es ist erstaunlich, wie viele Gründe man findet, warum man gerade jetzt nicht lernen kann. Man muss sich mit den Mitbewohnern in der Küche unterhalten, weil man auf keinen Fall das gute WG-Klima durch Isolation negativ beeinflussen will. Man muss jetzt unbedingt diesen Film anschauen, denn als weltoffener Student will man ja am nächsten Tag qualifiziert darüber mitdiskutieren können. Man muss auf jeden Fall heute die Wohnung putzen, denn die Wollmäuse auf dem Boden grüßen schon. Dazu kommen noch die sozialen Verpflichtungen auf Facebook, Twitter und Co. Nach all diesen Ausreden steht man ein paar Tage vor der Prüfung da und muss noch ein Skriptum von gefühlten 1000 Seiten lernen. Um das zu schaffen und jegliche Ablenkung zu vermeiden, beschließt man, die Bibliothek aufzusuchen.

 

Doch auch hier gibt es einiges zu beachten. In der Bibliothek der Hauptuni z.B. hat man das Gefühl, die BibliothekarInnen sind Türsteher – wie in einem Nobel-Club. Man kommt dort nur rein, wenn man mit einem original Starbucks-Tumbler und einem Computer mit Apfelsymbol auftaucht. Lernen ist dort eine Nebensache. Sehen und gesehen werden steht auf dem Programm.

 

Ganz anders verhält es sich bei jenen Bibliotheken, die überwiegend zum Schlafen genutzt werden. Diese sind für alle, die wirklich lernen wollen, sehr zu empfehlen. Dort ist es ruhig. Die einzigen zu erwartenden Störgeräusche sind kurze Schnarcher oder das Aufschlagen der Köpfe auf Laptops oder Tischkanten. Vorteil: Ein Steckdosenkampf bleibt aus, weil schlafende Studenten ihre Computer, iPods und Handys nicht mit Strom versorgen müssen. Steckdosenkampf? Was soll das sein? Eben diesen gibt es vor allem in jenen Lesesälen, in denen auf 20 Studenten genau eine Steckdose kommt. Und trotz meterlangem Mehrfachstecker-Kabelgewirr bleibt immer einer übrig, der seinen Laptop nicht anstecken kann. Und hier beginnt das Drama: Es werden heimlich PCs abgesteckt und Netzadapter vertauscht – das führt zu lautstarken Diskussionen, denen man gezwungenermaßen folgen muss. Konkretes Beispiel ist der Lesesaal im AKH. Steckdosen sind dort Mangelware, dafür hat ist sogar an Sonn- und Feiertagen offen. Das macht es für die extrem Lernwilligen unter uns wiederum um einiges attraktiver. Neben dieser Lernstätte hat nur noch ein weiterer Lesesaal in ganz Wien am Sonntag geöffnet: der Lesesaal im Museum für angewandte Kunst. Resultat: Eine Stunde anstehen. Schmerzempfindlich darf man auch nicht sein, denn sobald sich die Türen dieser beiden Säle am Sonntag öffnen, ist der Einsatz von Ellbogen Pflicht.

 

Geht nicht schlimmer? Geht doch: Bibliotheken, in denen Rohkostfanatiker ein- und aus gehen. Dort ist das dominierende Geräusch nicht das Umblättern einer Seite, sondern die unterschiedlichen Kaugeräusche, die durch rohe Karotten, Paprika oder Gurken erzeugt werden. Die Challenge ist, dass man irgendwann an den unterschiedlichen Geräusch-Facetten erkennt, was die Person hinter, neben und vor einem gerade isst. Übrigens: Roher Kohlrabi ist eine Möglichkeit, wie man sich zur Wehr setzten kann. Dieser erzeugt nämlich beim Kauen nicht nur ein besonders lautes Geräusch – er stinkt auch noch. Offen bleibt aber, ob allein die Tatsache, dass man sich eine Strategie für einen „Gegenangriff“ überlegt, dem Lernfortschritt zuträglich ist.

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