BÜCHERBÖRSE

Selbstversuch: Ein Monat ohne Facebook

Selbstversuch: Ein Monat ohne Facebook (c) iStock

Facebook ist doch eigentlich wie eine Sucht und süchtig sind wir alle! Ich oute mich: Ich bin süchtig nach Likes, Kommentaren und lustigen Posts. Jeden Tag beginne und beende ich mit einem virtuellen Kontrollgang und der Suche nach brandheißen Neuigkeiten auf Facebook. Doch jetzt will ich es vier Wochen ohne das soziale Netzwerk aushalten. Wie ich auf diese Idee komme? Ich weiß es auch nicht, ich muss verrückt sein!

Einige meiner Freunde kann ich wirklich nicht verstehen! Völlig überzeugt und ganz selbstverständlich leben sie in einer Welt ohne Likes und Selfies. Sie boykottieren Mark Zuckerberg und sein soziales Netzwerk. Einen Facebookaccount brauchen sie nicht, da sind sie sich sicher. Das kann ich mir für mich nicht vorstellen. Ich liebe diesen virtuellen Treffpunkt, an dem ich andere Leute stalken kann und mich täglich über lustige Bilder und Videos kaputtlache, auf denen mich meine Bekannten verlinkt haben. Ich könnte mich stundenlang durch die Profile von Freunden, Freundesfreunden, Freundesfreundesfreunden und völlig unbekannten Menschen klicken. Auch mit der Analyse von Bildern und Postings verbringe ich viel Zeit - ein „Gefällt mir“ gebe ich aber selten, schließlich sollen die Betroffenen nicht erfahren, dass ich ihnen meine Zeit widme. Bei meinen liebsten Freunden lasse ich aber schon hin und wieder einen Kommentar da, schließlich geben sie mir dann mit Sicherheit ein Like auf mein nächstes Foto, das ich veröffentliche. Es klingt kompliziert, aber das ist die Facebook-Logik. Darüber werde ich mir aber in den kommenden Wochen nicht mehr den Kopf zerbrechen, denn ich werde einen Entzug machen. Einen Monat lang möchte ich versuchen, auf das soziale Netzwerk zu verzichten, und beobachten, ob sich etwas verändert. Ich bin mir ehrlich gesagt jetzt schon sicher, dass mir diese Abstinenz ziemlich schwer fallen wird!

Das war nur ein Versehen

Mein erster Tag ohne Facebook beginnt und schon scheitere ich kläglich. Aus Versehen verirren sich meine Finger immer wieder zu dem blauen Symbol auf meinem Smartphone-Display. Aber ich bin stark und werfe keinen Blick auf mein Profil, als es sich öffnet. Auch während einer langweiligen Vorlesung spiele ich mit dem Gedanken, mich über meine Mitmenschen zu informieren. Ich lasse es aber lieber sein, schließlich will ich meinen Selbstversuch durchhalten. Aber auch die nächsten Tage sind kein Zuckerschlecken und mir wird bewusst, wie viel Zeit ich eigentlich normalerweise auf Facebook verbringe. In der Bahn habe ich mir oft Menschen online angeschaut, anstatt mal aus dem Fenster zu sehen und auch wenn ich zu Gast bei Freunden und Studienkollegen war, gab es immer Momente, in denen man lieber dem sozialen Netzwerk einen kleinen Besuch abstattete. Facebook ist doch eigentlich wie eine Sucht – noch schlimmer als das Rauchen – und süchtig sind wir alle!

Ist das Mogeln?

Ich glaube, ich bin eine Schummlerin! Statt auf Facebook durch die Profile zu scrollen, erwische ich mich immer wieder dabei, wie ich auf andere Internetseiten ausweiche. Twitter und Instagram sind mittlerweile zu meinen besten Freunden geworden.  Ich schaue mir Fotos und Tweets an und klicke mich durch die verschiedenen Internetseiten. Das ist zwar etwas zeitaufwändiger als bei Facebook, aber immerhin besser als nichts. Sinn der Sache ist das ja eigentlich nicht. Außerdem nutzt nur ein Bruchteil meiner Bekannten diese Seiten. Also werde ich ab jetzt versuchen, auch darauf zu verzichten.

Wozu hat man schließlich Freunde?

Gute Freunde sind etwas wirklich Feines. Besonders natürlich meine! Sie sagen mir zum Beispiel, dass ich immer toll aussehe, und das sogar, wenn meine Haare strähnig sind und ich eine Jogginghose trage. Außerdem wissen sie schon vorher, welche Typen brauchbar sind und welche ich am besten sofort wieder vergessen sollte. Und sie berichten mir selbstverständlich, was auf Facebook passiert, während ich mir eine imaginäre Zugangssperre auferlegt habe. Wenn ich schon nicht selbst stalken kann, dann beauftrage ich eben meine Freunde! Natürlich nur die, die ich auch im „realen“ Leben regelmäßig zu Gesicht bekomme. Sie versorgen  mich mit dem wichtigsten Gossip, der sich auf Facebook abspielt, und hin und wieder ist auch mal ein Screenshot via WhatsApp dabei. Etwas Interessantes ist aber ehrlich gesagt nicht passiert. Oder kommt mir das so vor…?

Facebook für die Uni

Eigentlich geht es mir ganz gut ohne Facebook, man muss sich nur daran gewöhnen. Ich mache mir nicht mehr ständig Gedanken über Menschen, die eigentlich gar nichts mit mir zu tun haben, und ich verschwende meine Zeit nicht mehr damit, neidisch auf tolle Urlaubsbilder zu sein. Trotzdem gibt es einen sehr nervigen Nachteil. Für Unizwecke und bei Organisationsfragen ist Facebook nämlich wichtiger als gedacht. Ich kann nicht mal einfach so in irgendeine Gruppe posten und nach der Hausübung fragen und das nervt mich ziemlich! Für die Uni ist Facebook also schon ziemlich sinnvoll, nicht nur zur Informationsbeschaffung, sondern auch als Entertainmentprogramm. Wenn es mal wieder fad ist, darf ich auf meinem Smartphone nur noch meine Mails checken und ein paar Prominews auf den entsprechenden Internetseiten lesen. Das dauert leider nur 10 Minuten und dann bleibt mir nichts anderes übrig, als aufzupassen. Aber vielleicht tut mir das ja auch mal ganz gut.

Mein Fazit

Ich muss zugeben, die Zeit ohne Facebook hat mir nicht wirklich geschadet. Am Anfang war es zwar schwer, nicht in gewohnte Verhaltensmuster zu verfallen, aber nach einer kleinen Eingewöhnungsphase ist es gar nicht mehr so schlimm gewesen. Nach vier Wochen darf ich mich nun aber wieder im Netzwerk umschauen und ich besuche erst mal ein paar Profile von Freunden und Bekannten. Wirklich viel passiert ist während meiner virtuellen Abwesenheit nicht. Ein paar Bilder und Posts sind dazugekommen, aber nichts haut mich aus den Latschen. Früher hätte ich sicher alles genauestens analysiert und unter die Lupe genommen, für den Moment lasse ich es aber sein. Ich sehe Facebook nach meinem Selbstexperiment nicht mit ganz anderen Augen und ich fühle mich auch nicht wie eine neuerkorene Medienexpertin, die die Weisheit mit Löffeln gefressen hat, aber trotzdem glaube ich, dass sich mein Blick auf Facebook und andere soziale Netzwerke etwas verändert hat. Ich werde zwar weiterhin Bilder posten, Kommentare schreiben und über Verlinkungen lachen, aber auf einige Dinge werde ich auch verzichten. Ich werde mir sicher nicht mehr so viele Gedanken über andere Leute machen, die mich im „realen“ Leben eigentlich auch nicht interessieren und ich werde mich nicht darüber ärgern, wenn andere schon wieder im Urlaub sind und ich im Regen sitze. Versteht mich bitte nicht falsch, mir war schon vorher klar, dass Facebook nicht das Maß aller Dinge ist und dass man sich von vielen Likes auch nichts kaufen kann. Doch manchmal verliert man genau das aus den Augen, wir alle tun das! Meine Facebooksucht habe ich zwar nicht endgültig besiegt, aber ich versuche, mein Laster nur hin und wieder auszuleben.

 

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