BÜCHERBÖRSE

Multiple Choice jetzt mit noch mehr Antwortmöglichkeiten

Multiple Choice jetzt mit noch mehr Antwortmöglichkeiten (c) iStock/mediaphotos

Was Studenten seit Jahren ahnen, bestätigt nun eine Studie des renommierten Forschungsinstituts Pädagogische Fall- und Forschungsstudien (PFF) in Kreuznach: Die Mehrfachauswahlprüfungen engen die Antwortmöglichkeiten zu sehr ein.

Der Leiter der Studie, Dr. Max Rathe, stellte auf einer Pressekonferenz seine Forschungsergebnisse vor. Über fünf Jahre hinweg werteten seine Mitarbeiter und er Mehrfachauswahlprüfungen, auch als Multiple Choice bekannt, von Dutzenden Universitäten und Hochschulen weltweit aus. Es wurden die verschiedenen Typen miteinander verglichen und nach unterschiedlichen Kriterien sortiert und ausgewertet. Eine umfassende statistische Analyse brachte anschließend Licht ins Dunkel der Multiple-Choice-Abgründe. „In einem Satz zusammengefasst“, so Dr. Rathe, „schränken die vorgegebenen Antwortmöglichkeiten jeden kreativen Gestaltungsspielraum der Studierenden ein.“ Er wies zudem darauf hin, dass Multiple Choice-Aufgaben nur eine abgegrenzte Denkweise förderten - in seiner Bezeichnung „Quadrat-Denken“.

Die Forscher schlagen daher eine Erweiterung der Multiple-Choice-Prüfungen vor. „Die Antwortmöglichkeiten um eine fünfte oder gar sechste zu ergänzen, kann nur eine Übergangslösung sein“, so Dr. Rathe. Seine Gruppe schlägt einige radikal anmutende Lösungen vor, gerade um bestimmten Lerntypen unter den Studierenden entgegenzukommen. „Grundsätzlich sollte darüber nachgedacht werden, von einem Studenten vorgenommene Ergänzungen in den Antwortvorgaben als neue, eigenständige Antwortmöglichkeit anzuerkennen und entsprechend zu bewerten. Das heißt nicht, dass die überschriebene Antwortmöglichkeit unbewertet bleiben sollte - ganz im Gegenteil: Aus Prüfersicht sind nun zwei Möglichkeiten zu bewerten und doppelte Bonuspunkte oder Maluspunkte zu vergeben.“

Aber auch das geht Dr Rathe eigentlich nicht weit genug. Auch außerhalb der Kästchen angebrachte Kreuze, dürften im Sinne der Förderung des freien Denkens nicht unberücksichtigt bleiben. „Diese Stormtrooper-Kreuze, die auf eine richtige Antwort zielen, aber nicht richtig treffen“, so erklärt Dr. Rathe den Fachbegriff, „stellen wiederum eine neue, eigene Antwortmöglichkeit des Studierenden dar. Auch dieser Fall sollte ein verantwortungsvoller Prüfender entsprechend in seiner Bewertung berücksichtigen.“

Widerstand gegen diese Vorschläge regen sich bei den Hochschulen. Die aufwendig geplanten und vorbereiten Lösungsschablonen der Prüfer hätten sich seit Jahrzehnten bewährt, heißt es von dort in einer schriftlichen Stellungnahme. Weiterhin seien „die Universitäten und Hochschulen nicht dazu angehalten, freies Denken zu fördern, sondern bestehendes Wissen zu vermitteln.“

Nachdem in diversen Bildungsministerien ein zurückhaltendes Interesse an den Studien von Dr. Rathe und seinem Team gezeigt wurde, könnte ein Richtungsstreit bezüglich der Mehrfachauswahlprüfungen drohen. Möglicherweise kommt es zu einer Revolution bei den Multiple-Choice-Prüfungen.

Satire

 

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